B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 1 (1.1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9582244-9582244-9597803-9597804--0309-9597823- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
15 Die zweite Angelegenheit, die vom geistigen Komitee im Hinblick auf das Idealbild der Loge, dem wir zustrebten, behandelt wurde, war die Hilfsaktion für die deutschen Brüder. Wir haben diese Aktion weder für eine soziale noch für eine Wohltätigkeitsaktion gehalten, sondern für einen Ausfluß unserer Bruderpflicht, für die Verwirklichung unserer Auffassung von Brüderlichkeit. Deshalb haben wir die Aktion keinem andern Komitee abgetreten, sondern selbst durchgeführt. Deshalb haben wir auch, nachdem wir alle wichtigen Umstände durch eigene Delegierte an Ort und Stelle erhoben haben von den Brüdern viel größere Opfer verlangt, als sie sonst in der letzten Zeit bei Sammlungen üblich waren. Wir konnten mit Freude feststellen, daß die Brüder der Praga unsere Intentionen voll begriffen und freudig mitgingen. Das Ergebnis war nicht nur relativ, sondern auch absolut das größte unter allen Logen des Distriktes und wirkte beispielgebend und aneifernd auf die übrigen Logen. Für uns war es außerdem noch wertvoll als Beweis für die Richtigkeit unserer Ansicht, daß man von den Brüdern viel verlangen kann, wenn man ihnen etwas bietet und sie die Lebenskraft und Zusammengehörigkeit der Loge fühlen lässt. Ein weiterer Gegenstand unserer Beratungen war der Vorschlag der w. Moravia auf obligatorische Unterstützung der Witwen und Waisen nach Brüdern und Schaffung der materiellen Grundlage hiefür durch monatliche Beiträge und Beiträge bei einem jeden Todesfalle. Ein jeder, der die oben dargelegten leitenden Ideen unseres Komitees richtig erfasst hat, wird begreifen, daß wir zu diesem Vorschlage nun eine ablehnende Stellung einnehmen konnten. Wir sahen in ihm einen Rückfall in das in Europa bereits glücklich überwundene Versicherungsprinzip, dessen große Gefahr darin besteht, daß die Aussicht, die Angehörigen versorgt zu sehen, für Viele die Ursache sein könnte, sich um die Aufnahme in die Loge zu bewerben, in der sie dann eine Art Versicherungsverein sehen würden. Es soll aber nicht die Sicherung der Angehörigen — also Egoismus wenn auch edlerer Art — sondern der Wille und das Bedürfnis, an den Aufgaben des Bundes mitzuarbeiten, für den Entschluß sich um die Aufnahme zu bewerben entscheidend sein. Die Pflicht die Witwen und Waisen zu unterstützen ist eine selbstverständliche Folge der Brüderlichkeit. So lange der Brüdergedanke stark ist, sind die Witwen und Waisen gesichert. Hat er aber einmal nachgelassen, dann ist den Witwen und Waisen durch obligatorische Sammlungen nicht viel zu helfen. Die gleiche Grundeinstellung führte uns dazu, den Vorschlag eines Mitgliedes unseres Komitees abzulehnen, der dahin ging, den Brüdern die Höhe der von ihnen zu leistenden Spenden je nach ihrem Vermögen nahezulegen. Wir sind überzeugt, daß die Leistungen der Brüder nicht durch Vorschreibung einer bestimmten Ziffer erzwungen werden sollen, sondern daß das innige Verhältnis zur Loge sie bewegen soll, ganz frei und ungezwungen ihre Leistungen immer mehr zu steigern. Dafür sprechen prinzipielle Erwägungen ebenso wie praktische Gründe. Es wurde nur beschlossen, die durchschnittliche Leistung eines Pragabruders