B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 10 (12.1923)
- Date
- 1923-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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neu rififn MONATSBLÄTTER DER GROSSLOGE FÜR DEN ÖECHOSLOVAKISCHEN STAAT X., I. O. B. B. JAHRGANG IL NUMMER 10 DEZEMBER 1923. INHALT: Festrede. — Bemerkungen zu unserer geistigen Not. — Zur Aussprache unseres Namens. — Zur Rassenfrage. — Nachruf Friedrich August Herrmann. — Frauenvereinigung der beiden Prager Logen. — Jüdische Fürsorgezentrale für die tschechosl. Republik.—Umschau. Festrede, gehalten beim z^jähr. Gründungsfeste der w. „Silesia" in Troppau von Br. Professor Dr. Richard L c d c r e r. Sehr würdiger Großpräsident! Sehr würdige Expräsidenten und Präsidenten! Liebe Brüder! Die heutige Zusammenkunft ist für uns alle von Bedeutung und Wichtigkeit. Wie verlegen muß ich mich fühlen, wenn ich mich berufen sehe, in Gegenwart so hoher Würdenträger unseres Bundes und so hervorragender Brüder sprechen zu sollen. Und doch, im tiefsten Herzen empfinde ich das Glück und die Ehre, in dieser Stunde das Wort nehmen und dem, was uns gleichmäßig bewegt, meine Zunge leihen zu dürfen. Erwarten sie indessen nicht, daß ich die kulturelle Bedeutung unserer L/Oge und ihre bisherigen Leistungen zu feiern versuche. Das ist von würdigerer Seite in der Festschrift bereits geschehen. Dem Gedanken des Bundes gehört die Stunde, ihm darf ich Ausdruck geben, so gut das spröde Wort meines Mundes es vermag. Lassen sie mich gleich betonen, daß unser Gefühl für diesen Bund und seine leitenden Gedanken durch die Zeitumstände noch eine besondere Innigkeit gewinnt. Es ist keine Frage, daß Europas Kultur und Bedeutsamkeit im Rückgang begiiffen sind. Nirgends haben die führenden Schichten die vorausschauende Einsicht bewiesen, die dem hätte steuern können. Man hat Fehler über Fehler begangen, Gelegenheit über Gelegenheit versäumt; es ist, als hätte das gebildete Europa nichts Angelegentlicheres zu tun gehabt, als seine eigene Fortbestandsmöglichkeit zu untergraben. Der Hauptgrund dieser Erscheinung beruht auf der Tatsache, daß die Masse der europäischen Menschheit jede seelische Struktur