B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 8 (10.1923)
- Date
- 1923-10-01
- Page
- Seite 200 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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200 Umschau. Trauerfeier der w. Bohemia zu Ehren und zum Andenken des verstorbenen Großsekretärs, Expräsidenten Br. Dr. Emil Spiegel. Am 7. Oktober 1. J. fand in Gegenwart des s. w. Großpräsidenten, der Angehörigen und intimeren Freunde des Toten, der Brüder und Damen der beiden Prager Logen, der Delegierten unserer Frauenvereinigung und des Herdervereins die Trauerfeier statt, die ein beredtes Zeugnis von der Verehrung und Liebe gab, deren sich der Dahingegangene erfreute. Sie zeigte aber auch, welch leuchtender Stern am Firmamente unseres Ordens erloschen ist, sie zeigte, daß hingebende Mitarbeit und Wirksamkeit im Orden selbst hoch gewertet und geschätzt werden. Kurz nach 11 Uhr leitete ein Trauerchoral die Feier ein. Hierauf hielt der w. Präsident der Bohemia Dr. Richard Biehal eine Ansprache an die Trauerversammlung, in der er mit vom Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Worten schilderte, wie sehr Dr. Emil Spiegel unser geistiger Führer war, was wir Alle an ihm verloren haben und was wir nicht mit ihm verlieren können. Der Name Dr. Emil Spiegel werde uns Allen Zeit unseres Lebens ein hohes Symbol bleiben. Sodann erteilte der w. Präsident das Wort dem Bruder Dr. jur. et phil. Felix Weltsch, der die Gedenkrede nach dem verstorbenen Bruder Großsekietär Expr. Dr. Emil Spiegel hielt. Die Gedenkrede selbst erscheint an der Spitze dieses Heftes im Wortlaute. Als weiterer Redner schilderte sodann Br. Expräsident Dr. Wilhelm Schleißnerdie Zeit der Schaffung der Großloge unseres Distriktes und begründete, warum die Wahl des Großsekretärs gerade auf den damals jüngsten Bruder Expräsidenten fiel. Dieses schwierige, mühe- und verantwortungsvolle Amt bekleidete — so führt der Redner aus — Dr. Spiegel während der, leider allzukurzen Zeit seines Wirkens mit jener Hin gäbe und Liebe zum Orden, die ihm in so hohem Maße eignete. Der Redner gedachte ferner der Zeit der Gründung der Zeitschrift unseres Verbandes, die ja fast ganz auf die Schultern Dr. Spiegels gestellt war. Dr. Schleißner schildert weiter, wie tatkräftig und kraftvoll sich der Verblichene der von Amerika eingeleiteten Kriegswaisenaktion annahm, denen er den Boden für eine glücklichere Zukunft bereiten half. Dr. Emil Spiegel, der für sich selbst nie einen Wunsch hatte, war ein Bruder, der nur dem Orden lebte und nur für den Orden dachte. Sodann sprach Br. Expräsident Langendorf der w. Praga in beredten, und dabei innig empfundenen und warmen Worten unserem großen Toten den Dank für die Brudertreue aus, die Dr. Emil Spiegel in allem und jedem der Schwesterloge ,,Praga" erwiesen hat. Er schildert den Frühverstorbenen in bewegten Worten als Menschen, als persönlichen Freund und als Bruder und zeigt an einem ergreifenden Beispiel, wie Dr. Emil Spiegel noch brüderlich handelte, als ihn schon die ersten Schatten des nahen Todes umfingen. Namens unserer Frauenvereinigung widmete dem Verblichenen die Präsidentin Frau Dr. Haas, namens der Herderveinigung deren Obmann Herr Prof. Dr. F a n t a Worte innigen und ehrenden Gedenkens. Zum Schlüsse ergriff nochmals der w. Präsident Dr. Rieh. Biehal das Wort und nahm mit thränenumflorter Stimme Abschied von dem uns allen unvergeßlichen treuen Freunde und Menschen Dr. Emil Spiegel. Mit den wehmütigen Akkorden des Orgelchorals schloß die erhebende Trauerfeier: die Trauerfeier im Herbste. Sie erfüllte uns mit tiefer, inniger Wehmut) wie der Herbst mit seinem Sterben in der Natur. A. Lilling.