B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 7 (9.1923)
- Date
- 1923-09-01
- Page
- Seite 162 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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162 d. J. ist der gewesene Ordenspräsident Br. Simon Wolf aus Wasshington, der ,,Nestor der amerikanischen Judenheit", im Seebad Atlantic City dahingeschieden. Er hatte das Amt eines Ordenspräsidenten nur kurze Zeit inne. Am 13. Jänner 1904 war Leo N. Levi im Alter von 47 Jahren gestorben. Schon unter seiner Präsidentschaft hatte sich Br. Wolf an der Aktion in der Kischinewer Frage hervorragend beteiligt. Dies sowie seine schriftstellerischen Leistungen, vor allem sein Buch ,,Der amerikanische Jude als Patriot und Bürger", hatten ihm einen hervorragenden Ruf innerhalb der amerikanischen Judenheit verschafft. So wurde er nach dem Tode Br. Levis zu dessen Nachfolger gewählt, lehnte aber bei der bald darauf folgenden Konventionsgroßloge vom April 1905 eine definitive Wahl auf das bestimmteste ab, worauf Br. Adolf Kraus als Präsident des Exekutivkomitees eingesetzt wurde, der bekanntlich bis heute und hoffentlich noch auf lange hinaus dieses hohe Amt innehat. Br. Simon Wolf wurde am 28. Oktober 1836 in Herzweiier m der Rheinprovinz geboren. Als zwölfjähriger Junge wanderte er mit den Großeltern nach Amerika aus. Die Familie ließ sich im Städtchen Ulrichsville im Staate Ohio nieder, wo zwei seiner Onkel ein Geschäft betrieben, in welchem auch er sich zunächst betätigte. Mit 23 Jahren begann er indessen die Rechtswissenschaft zu studieren. Drei Jahre später ließ er sich in Washington als Advokat nieder. Bald war er auch als Politiker tätig. Er unterhielt freundschaftliche Beziehungen zu General Grant, 1881 ging er als amerikanischer Minister nach Egypten. Unermüdlich war er für das Wohl seiner deutschen Landsleute bemüht. So war er einer der Gründer des Deutschen Waisenasyls in Washington und schrieb ein Werk über den „Einfluß der deutschen Einwanderung auf die Entwicklung und Größe der Vereinigten Staaten". Weit darüber hinaus aber ging das, was er an unermüdlicher Tätigkeit seinen Glaubensgenossen widmete. Hier kann nur einiges weniges dankbar verzeichnet werden. In Atlanta im Staate Georgia gründete er ein Heim für jüdische Waisen. Durch Jahrzehnte war er Vorsitzender des Delegatenausschusses für bürgerliche und religiöse Rechte der Juden im Verbände der jüdischen Gemeinden in Amerika. Seiner Tätigkeit in der Kischinewer Sache wurde bereits gedacht. Aber auch für die rumänischen Juden trat er wiederholt ein. Was sein Wirken in allen diesen Richtungen bedeutete, können wir daraus ermessen, daß er in einem Artikel der Berliner Zeitschrift ,,Der Tag", den ihm diese im Anschluß an seinen 70. Geburtstag widmete, als „anerkannter Advokat des Judentums überhaupt, auch außerhalb Amerikas" bezeichnet wurde. (Siehe Wiener Zweimonatsbericht 1906, S. 165 f.) Br. Wolf ist im Alter von 86 Jahren dahingegangen. An seiner Bahre trauern 3 Töchter und ein Sohn aus seiner ersten Ehe — dieser letztere, Adolf Wolf, ist Richter beim obersten Gerichte in Porto Rico — sowie seine Gattin Amy, geborene Lichtenstein, eine Nichte Julius Biens s. A. Er hatte sich bis in die letzten zwei Jahre vollster Gesundheit erfreut. Einem segensreichen Leben war ein gesegnetes Alter beschieden Hatte er sich jenem Artikel im ,,Tag" zufolge