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B'nai B'rith · 1923-06-01 · 6 (6.1923) · p. Seite 142

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
2 (1923)
Issue
6 (6.1923)
Date
1923-06-01
Page
Seite 142 (sequence 16)
Language
German
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142 vergessen, und die Hast der Nachkriegszeit erzeugt in uns neue, nur scheinbar unvergeßliche Erlebnisse. Doch eine Tatsache möge hier als wirklich unvergeßlich verzeichnet sein, unsere Erfahrungen mit den galizischen Kriegsflüchtlingen in intellektueller Beziehung. In der für diese obdach- und schutzlosen Kinder und Erwachsenen errichteten Flüchtlingsschule habe ich mitgewirkt und wurde dort nicht nur Lehrer, sondern — ich gestehe — auch Schüler. Mit ihrer, allen Schicksalsschlägen trotzenden Lernfreudigkeit und einem unstillbaren Wissenshunger füllten sie die Bänke der Flüchtlingschule, mit derselben Begeisterung füllten sie die Räume der Toynbeehalle. Unter völlig veränderten Verhältnissen haben wir die Tätigkeit dieser Institution jetzt aufgenommen und diesen Umständen auch Rechnung zu tragen gesucht. Heute, nach Abschluß der Wintersaison, kann gesagt werden, daß der Versuch einer Reaktivierung der Toynbeehalle in vollem Umfang gelungen ist, denn die Veranstaltungen fanden jedesmal vor vollbesetztem Saal statt, und das Publikum, das sich aus allen Schichten der Prager jüdischen Bevölkerung zusammensetzte, wurde sowohl in wissenschaftlicher als auch künstlerischer Hinsicht vollkommen befriedigt. Das Programm wurde bisher — grundsätzlich — von Angehörigen der beiden Prager Logen bestritten. Vorträge hielten: Br. Prof. Gustav Flusser: „Über die Ziele und Zwecke der Toynbeehalle"; Br. Prof. Dr. Friedrich Thieberger: „Über den Wert der allgemeinen Bildung"; Br. Dr. Viktor Teytz: ,,K dnesni hospodäfske situaci"; Br. Prof. Dr. S. Arje: ,,Die soziale Frage bei den verschiedenen Völkern des Altertums" und Br. Albert Heller: ,,Die jüdische Frage in amerikanischer Beleuchtung". Die künstlerischen Darbietungen wurden von den Frauen Hede Rosenbaum, Melitta Flusser, Fräulein Grete Langer, Marta Scheib, Olga Pollak, Ludmilla Markus, von Br. Hans Beck und den Herren Hans Lichtwitz und Rudolf Adler bestritten. In den Pausen zwischen dem populärwissenschaftlichen Vortrag und der künstlerischen Darbietung wurden den Besuchern unentgeltlich Erfrischungen gereicht; in dieser Hinsicht hat sich uns ein sechsgliedriges Damenkomitee mit Eifer und Initiative zur Verfügung gestellt. Im Herbste dieses Jahres wollen wir mit einem großangelegten Programm vor die breiteste jüdische Öffentlichkeit Prags treten. Zu diesem Zwecke wollen wir zunächst im Kreise der slovakischen Studenten und Studentinnen, unter dem Laden- und Kanzlei personal für den Besuch der Toynbeehalle eifrig Propaganda machen. Die belehrenden Vorträge sollen nicht planlos, sondern nach einem bestimmten System, womöglich mit anschließender Diskussion abgehalten werden. Für die kommende Saison wurden Vortragende aus Bruderkreisen über Fragen der Geschichte, Volkswirtschaft, Literatur, Philosophie, Medizin, Naturwissenschaften und Technik gewonnen. Auch die künstlerischen Darbietungen sollen auf seriöser Höhe gehalten werden; reifen Künstlern und jungen jüdischen Talenten soll die Gelegenheit geboten werden, ihre Zuhörer nach einem bestimmten System mit den wichtigsten Schöpfungen aller Arten der Kunst bekannt zu machen. Neben diesen abendlichen Veranstaltungen wollen wir auch den jüdischen Kindern unser Augenmerk zuwenden und die Kleinen aller

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