Mannheim
Compact Memory

B'nai B'rith · 1923-06-01 · 6 (6.1923) · p. Seite 139

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
2 (1923)
Issue
6 (6.1923)
Date
1923-06-01
Page
Seite 139 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9582244-9582244-9597527-9597652--0147-9597665
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

139 übersiedelten. Die jüdische Bevölkerung in Adrianopel ist von 18.000 Seelen vor dem Kriege auf 9000 Seelen gesunken. Alles Elend konzentriert sich, wie leicht einzusehen, in Konstantinopel. Niemals hat Konstantinopel einen ähnlichen Zustrom von Flüchtlingen gesehen. In den Häfen von Südrußland hat sich eine große Anzahl von Flüchtlingen angesammelt, die den Verfolgungen und Pogromen entkommen waren und sich bemühen, in gastfreundliche Länder zu kommen. Die Okkupation der Krim durch die rote Armee und Bessarabiens durch die Rumänen schufen zahlreiche jüdische Flüchtlinge, hiezu kommen noch die Tausende aus dem Kaukasus, Bulgarien, Persien und Palästina und den anderen Ländern. Der Zustand, in welchem sich alle diese Unglücklichen befinden, ist unbeschreiblich. Die Großloge mit dem Joint Distribution Committee ist sofort zur Stelle. Sie schaffen ^rste Bekleidungshilfen mit 4.700 t. Pfund, Reiseunterstützungen für nach Palästina repatriierte und nach Amerika auswandernde Juden mit 35.400 t. Pfund, sie gründen Zwischenstationskomitees in Smyrna, Rhodos, Piräus und Patras, um die zu Schiff Beförderten in den Häfen nicht in die Hände von Betrügern fallen zu lassen, sie schaffen hygienische Einrichtungen, errichten ein Ambulatorium, stellen Ärzte bei und benötigen allein für Medikamente 2.600 t. Pfund. In Konstantinopel selbst bereiten aber trotz der Abwanderung die verbleibenden Flüchtlinge große Arbeit. Arbeitsgemeinschaftstellen für Schuster, Schneider und Tischler werden errichtet, weil ja der Einzelne schon in Unkenntnis der Sprache erwerbsunfähig ist; für die Bequartierung in direkten Flüchtlings- und Auswanderungshäusern wird gesorgt, wozu das amerikanische Rote Kreuz für Bettzeug allein 112.000 t. Pfund beisteuert, und wir sehen solche Flüchtlingshäuser, immer unter der Leitung der Logen, auch in Skutari und in Balat erstehen. Ich will den einzelnen Logenberichten, soweit sie hier in Betracht kommen, nun vorgreifen und zusammenfassend kurz den Bericht wiedergeben, den die Großloge als für jetzt geltend dem Joint Committee in Amerika und in Paris erstatten ließ. Ich will hiebei die erwähnte Tätigkeit des amerikanischen Gesandten Br. Elkus insbesonders hervorheben, die in die Zeit fallt, bevor Amerika politisch als Feind der Türkei galt. In seiner Opferwilligkeit geht Br. Elkus so weit, daß er die Stätten gefährlicher epidemischer Kranken besucht, um Trost und Hilfe zu spenden, bis er selbst an Flecktyphus erkrankt. Dem Joint Committee wird darüber Bericht erstattet, daß die Emigrantensektion allein 86.000 t. Pfund, die Sektion für die Provinzen 75.000 t. Pfund verausgabt hat und in Konstantinopel allein 2003 Kriegswitwen und 2616 Kriegswaisen zu erhalten seien. Die Volksküchen haben 135.000 t. Pfund erfordert. Die Schulkommission gibt monatlich 1000 t. Pfund aus, was für 18 Schulen mit ca. 6000 Kindern verhältnismäßig wenig ist. Der Bericht bittet das Joint-Committee um ganz enorme Beträge. 500.000 Dollar sollen die Errichtung eines Waiseninstitutes und dessen Erhaltung für die Dauer von 6 Jahren kosten, 100.000 Dollar ein Greisenasyl und 100.000 Dollar eine Kinderkrippe. Die bisherige Schulsubvention für 15.000 Kinder in Konstantinopel und Umgebung soll von 16.000 t. Pfund auf 50—60.000 t. Pfund erhöht werden. Und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.