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B'nai B'rith · 1923-06-01 · 6 (6.1923) · p. Seite 136

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
2 (1923)
Issue
6 (6.1923)
Date
1923-06-01
Page
Seite 136 (sequence 10)
Language
German
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136 Und so können Sie sich, m. 1. B., leicht vorstellen, welche Arbeit die Logen im Orient zu vollführen hatten und noch immer zu leisten haben, in einem Lande, das, sich der Fürsorge eifersüchtiger und mächtiger äußerer Einflüsse erfreuend, schon lange vor dem Weltkriege wenigstens teilweise von Kriegsgetümmel wiederhallte und auch heute noch nicht zur Ruhe gekommen ist. So entnehmen wir dem Berichte über die Tagung der Großloge in Konstantinopel vom 13.—16. Juni 1914, daß der Distrikt damals 22 Logen mit 1057 Mitgliedern umfaßte. Das Ansehen, das der Bund im Orient im Allgemeinen genießt, verdient hervorgehoben zu werden. Auch ergibt sich, daß das jüdisch-soziale Moment in den Logen unseres Bundes seine Vertretung nach Außen hin erblickt. So sehen wir Delegierte der s. w. Großloge S. Em. dem Großrabbiner der Türkei Haim Nahoum Effendi einen Besuch abstatten; und es muß auf uns einen merksamen Eindruck ausüben, wenn der Großrabbiner der s. w. Großloge seinen Gegenbesuch abstattet und die Tagung aus diesem Anlasse auf kurze Zeit unterbrochen wird, während welcher Begrüßungsansprachen seitens des s. w. Großpräsidenten und des Großrabbiners gewechselt werden. Auch Bruder Henry Morgenthau kommt in seiner Eigenschaft als Gesandter der Vereinigten Staaten und lädt die s. w. Großloge auf seine Residenz in Jenikeny, von welchem Besuche der uns bekannte Br. Dr. Israel Auerbach, seiner Zeit Großsekretär des Distriktes XI., in begeisterten Worten erzählt. Bezeichnend für die Einsicht, die bereits im Jahre 1914 gewonnen wurde, ist der Wunsch nach individueller Entwicklung der in den einzelnen Ländergebieten vereinigten Logen. Br. Auerbach bringt eine solche Unterteilung in Anregung und zwar: die europäische und kleinasiatische Türkei, Palästina und Syrien, Ägypten, Bulgarien. Es braucht wohl nicht erst hervorgehoben zu werden, daß die Logenarbeit im Orient im Wesentlichen mit der unsrigen übereinstimmt. Nur erachten sich die Logen im Orient noch dazu berufen, in ihrem Generalkomitee wirtschaftliche, intellektuelle, religiöse und soziale Allgemeinfragen der orientalischen Judenschaft zu erörtern. Wir hören, daß in der europäischen Türkei 100.000 Juden leben, davon 9000 Kinder, deren Unterricht in Schulen, die von der Anglo- Jewish Association und dem Hilfsverein Berlin geleitet werden, eine lokale Subvention von 210.000 fcs und eine fremde Subvention von nahezu ebensoviel erforderte. In Kleinasien bescheiden sich die genannten Ziffern in den erwähnten Gruppen auf die Hälfte. Wir finden die Glaubensgenossen auf allen Gebieten des praktischen Lebens vertreten. Im Senate, in der Kammer, in kommunalen Verwaltungen sind Juden, im Stadtrat von Kairo drei Brüder, in Saloniki 5, in Konstantinopel 9, der Bürgermeister von Rhodos ist Bruder und überall werden deren hervorragende Leistungen im Interesse des Allgemeinwohles hervorgehoben. Ein besonderes Augenmerk widmet der Bericht den religiösen Verhältnissen und Riten in der Türkei. Die Klänge spanisch-portugiesischer Romanzen, verbunden mit den melancholischen arabotürkischen Melodien haben sich Jahrhunderte lang erhalten unter den Gewölben der Tempel, wo sie noch heute das Entzücken der Andächtigen bilden und in allen Lagen des Lebens auf die Zuhörer ein-

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