Mannheim
Compact Memory

B'nai B'rith · 1923-05-01 · 5 (5.1923) · p. Seite 125

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
2 (1923)
Issue
5 (5.1923)
Date
1923-05-01
Page
Seite 125 (sequence 25)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9582244-9582244-9597527-9597621--0128-9597646
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

125 hören, wie gut sie im Asyl aufgehoben seien. Was ihn aber am meisten gefreut habe, das waren die Berichte einzelner Patienten über ihre Behandlung und die glänzenden Fortschritte zur gänzlichen Gesundung, wobei sie die aufopfernde Behandlung des Anstaltsarztes Dr. Kohn, eines Neffens unseres Bruders Moritz Kohn, nicht genug loben konnten. Er habe erst da ermessen können, welchen Segen das Asyl für die unglücklichen Kranken bedeute, und er könne allen 1. Brüdern nicht warm genug ans Herz legen, die Erhaltung des Asyls nach Kräften zu fördern. — Ihre Förderung gelte einer unserer segensreichsten Schöpfungen und wir müßten unseren ganzen Stolz darein setzen, einer so musterhaft geleiteten Anstalt eine gesicherte Zukunft zu schaffen. — Zum Schluß sprach auch Br. Expr. Langendorf Br. Knina die verdiente Anerkennung für seine liebevolle Mühewaltung aus, die es ermöglicht habe, daß zahlreiche Kranke Aufnahme und Erholung in Meran finden konnten. Die Hungersnot in der Ukraina. Wir haben bereits im Vorjahre auf Grund von Gutachten der Delegierten verschiedener Hilfsorganisationen über die schreckliche Notlage im Hungergebiete berichtet (vgl. 1. Jahrgang, April-Heft s. 84 und Seplember-Heft S. 151). In beiden Fällen wurde mit Sorge der Zukunft, insbesonders dem Winter, entgegengesehen. Wie sich die Sachlage inzwischen gestaltet hat, kann nunmehr dem kürzlich erschienenen, Paris, 19./3. 1923 datierten ,,Bulletin Nr. 3 du Comite executif de la Conference universelle juive de secours" (C.U.J. S.) entnommen werden. Danach bezeichnet das Jahr 1922 den Beginn der wahrhaft universellen Tätigkeit dieser Vereinigung. In dieser Zeit wurden im Ganzen 12 Millionen Franks aus 27 verschiedenen Ländern aufgebracht und Unterstützungen an die jüdische Bevölkerung und die Flüchtlinge in einer ganzen Reihe von Staaten verteilt, unter denen auch die Tschechoslowakei genannt wird. Für die ungeheuere Zahl der Waisenkinder aus der Pogromzeit, welche noch durch die Periode des Hungers und der Epidemien bedeutend vermehrt wurde, sind Kantinen eingerichtet worden; es wird interessieren, daß unter den drei um die diesbezügliche Propagandaarbeit besonders verdienten Delegierten der Name Frau Dr. R. Buchmils an erster Stelle genannt wird. Solcher Kantinen wurden in der Ukraina 24 in verschiedenen Orten eingerichtet, welche von Komitees aus der ganzen Welt erhalten werden; als Sitz der Unterstützung wird bei der Kantine von Zdei-Menucho mit 360 Kindern Prag, bei iener in Zaporogii, dem früheren Alexandrowsk, mit 300 Kindern, die Tschechoslowakei genamr. Besondere Formen der Hilfeleistung wurden ferner den jüdischen Ackerbaukolonien, den Intellektuellen,den Flüchtlingen und den Chaluzim gewidmet. Über die allgemeine Lage in der Ukraina berichtet in einem längeren „Rapport" H. Isak O c h b e r g, der Vertreter der jüdischen Hilfsorganisationen in Südafrika und Präsident der im November 1922 von der C. U. J. S. in die Ukraina entsendeten Abordnung; aus diesem Berichte ist hervorzuheben: ,,Der größte Teil der jüdischen Bevölkerung ist völlig ruiniert und nicht in der Lage, die elementarsten Lebensbedürfnisse zu befriedigen. Vor allem sind die Intellektuellen und die ehemalige Bourgoisie in einer kritischen Lage. Das Leben dieser Männer der Wissenschaft, dieser Professoren, dieser Leute, welche früher ein schönes Vermögen besessen haben, dieser Männer und Frauen, die nun in Verzweiflung um Hilfe flehen, würde Ihnen das Herz brechen." Die Hilfeleistung müsse nach einem praktischen, vorbestimmtenPlane geschehen, sei aber auch da schwierig genug. Die von manchen Organisationen eingeführte Sendung von Lebensmittelpaketen anMittelspersonen, welche mit der Verteilung an die bedürftige Bevölkerung betraut werden, sei wenig zu empfehlen, da viele dieser Personen an der Erfüllung ihrer Mission verhindert werden, und sei oft auch unpraktisch, wenn man erwägt, daß z. B. die Pakete der A. R. A. (American relief administration), deren Ankaufspreis 10 Dollar beträgt, in der Ukraina selbst höchstens 4 Dollar wert sind. ,,Die Tätigkeit der C. U. J. S. auf dem Gebiete der Individualhilfe nimmt tatsächlich von Tag zu Tag an Ausdehnung zu. In Odessa z. B. hat der Vertreter der C. U. J. S. bis Anfang November v. J. 200 Fälle von Einzelaushilfen verzeichnef; im November stieg diese Zahl auf 700, in den ersten Dezembertagen auf 1300, und an dem einen Tage des 5. Jänner d J. haben sich infolge der Reorganisation der Individualhilfe in Odessa allein 4000 Personen an die letztere gewendet." Von Ochberg wird ganz besonders die sog.,,rekonstruktive" (aufbauende)Hilfe empfohlen, worunter er die Bemühungen versteht, namentlich Handwerkern und Gewerbetreibenden durch Einrichtung von Werkstätten u. dgl. die Gründung einer Existenz zu ermöglichen. Hier sei

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.