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B'nai B'rith · 1923-03-01 · 3 (3.1923) · p. Seite 63

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
2 (1923)
Issue
3 (3.1923)
Date
1923-03-01
Page
Seite 63 (sequence 19)
Language
German
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Umschau. 63 Das von den B'nai B'rith-Logen in Böhmen gegründete Israelitische Knabenwaisenhaus in Prag-Weinberge feiert in diesem Jahre sein 25 j ä h r i g e s Jubiläum. Anläßlich dieses Gedenktages gibt die Direktion einen erweiterten Jahresbericht als Festschrift heraus, welcher die Geschichte, den Werdegang, die Erfolge der 25jährigen Tätigkeit dieser Anstalt, einen Nachruf für sämtliche während dieses Zeitraumes dahingeschiedenen Direktionsmitglieder sowie einen umfassenden Finanzbericht enthält. Aus diesem Berichte ist hervorzuheben, daß die Anstalt, im Jahre 1898 mit 16 Knaben eröffnet, schon im Jahre 1903 50 Zöglinge versorgte. Im Jahre 1908 wurde eine Zweiganstalt in Luck errichtet und von nun an bis zum Jahre 1919 75—78 Waisenknaben in den beiden Anstalten beherbergt. Seit der durch verschiedene Umstände veranlaßten Auflassung der Lucker Anstalt versorgen wir 50—56 Knaben In unserem Weinberger Waisenhause. Während unseres 25jährigen Bestandes wurden 230 Knaben aufgenommen und 180 entlassen. Alle diese Zöglinge verließen die Anstalt für ihren Beruf gut vorbereitet, 20 von ihnen sind zur Selbständigkeit gelangt, die meisten befinden sich in guten, zum Teil sehr guten Stellungen. Mißerfolge haben wir erfreulicher Weise nur in sehr wenigen Fällen zu verzeichnen. Aus dem Finanzbericht und den beigefügten Tabellen ist zu entnehmen, wie durch die während des Krieges und noch mehr in der Nachkriegszeit stets wachsende Teuerung der Aufwand gestiegen ist, was am besten durch die Tatsache gekennzeichnet wird, daß die Erhaltungskosten eines Knaben von K 676 im Jahre 1913 auf K 5485 im Jahre 1922 und der Gesamtaufwand in denselben Vergleichs-Jahren von K 59.000 auf nahezu K 300.000 gestiegen sind. Da auch für die nächsten Jahre keine nennenswerte Herabsetzung des Aufwandes zu erwarten steht, so hat die Direktion des Waisenhaus-Vereines beschlossen, anläßlich des 25jährigen Jubiläums eine großzügige Aktion behufs Kräftigung unserer Fonde zu unternehmen, die es uns ermöglichen soll, unsere Anstalt auf der bisherigen Höhe zu erhalten, um keinem bedürftigen Waisenknaben die Aufnahme aus Mangel an Mitteln verweigern zu müssen. Bei dieser Aktion, die sich auf weiteste Kreise erstrecken soll, rechnen wir auf die tatkräftige Unterstützung der B'nai B'rith-Logen. Die Prager Logen haben schon seit einer Reihe von Jahren ein Propaganda- Komitee für unser Waisenhaus ins Leben gerufen, welches rastlos bemüht ist, demselben Mitglieder, Gönner und Spenden zuzuführen und das sich auch jetzt in den Dienst der Jubiläumsaktion stellt. Wir apelHeren hiermit auch an alle Logen in Böhmen, die Aktion des Waisenhaus-Vereines aufs Kräftigste zu unterstützen. Das Interesse der auswärtigen Gemeinden für unser Waisenhaus sollte umso größer sein, als wir vorwiegend Knaben vom Lande in unsere Anstalt aufnehmen. Die anläßlich des Jubiläums zu veranstaltende Festsitzung findet im Waisenhause, Weinberge, Komenskygasse 16, voraussichtlich am 15. April statt, wozu noch besondere Einladungen ergehen werden. Die Direktion. Die jüdischen Kurse der w. „Bohemia" stellen einen Versuch dar, den geistigen Unterbau unseres Logengedankens zu erhöhen: sie wollen neben die brüderliche Bereitschaft die gemeinsame Erarbeitung jüdischer Werte setzen. Sie knüpfen also an die hingebungsvollen Bemühungen Br. Prof. P o 11 a k s s. A. und Br. Prof. W e i n e r s an; sie gehen aber insofern darüber hinaus, als sie den verschiedenartigen persönlichen Neigungen des einzelnen durch ihre Mannigfaltigkeit entgegenkommen wollen und das jüdische Problem, sei es religiös oder historisch oder sprachlich, gleichzeitig von verschiedenen Temperamenten darstellen lassen. Denn nicht Wissensmehrung um der Kenntnisse willen ist das Ziel der Kurse, sondern Bereicherung des lebendigen jüdischen Gefühls. Darum liegt der innern Struktur der Kurse das zugrunde, was uns gegenwärtige innere Notwendigkeit ist. Der Erwachsene hat nicht mehr Zeit, jenen Bewußtseinsniederschlag abzuwarten, den eine schulmäßige Behandlung des Wissensstoffes allmählich schafft. (Siehe hiezu auch Br. Dr. Spiegels Artikel in dieser Nummer.) Sollte aber das leben-

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