B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 3 (3.1923)
- Date
- 1923-03-01
- Page
- Seite 51 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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51 aber der Zweck ist tatsächlich zu wichtig", unc, ohne daß eigentlich etwas geändert worden wäre, ist die Angelegenheit im besten Sinne geordnet, die Entschuldigung als bloße Ausrede erkannt und verworfen, dem wertvollen Zwecke jedoch ganz anders gedient. Ein anderer Fall: Es wird für eine wohltätige Institution gesammelt. Auch da sagt so mancher der Angesprochenen: „Ich, gäbe ja gerne, aber die Zeiten sind sehr schlecht", der ohne viel Überwindung sagen könnte: „Die Zeiten sind wohl gar nicht gut, aber für diesen Zweck muß es dennoch langen." Es ist selbstverständlich, daß diese Folgerungen nur für jene gelten, bei denen eine solche Umkehrung leicht oder immerhin tunlich ist; wo die Entschuldigung wirklich begründet ist, da ist der Ausnahmsfall gegeben, der die Regel vvie immer bestätigt. Aber nicht nt r für solche wie die obenbeschriebenen Beispiele greift unsere Regel d rch. Überall, wo eine Wahl möglich, wo ein Schwanken zwischen zwei Entscheidungen, ja sogar zwischen zwei Werturteilen gegeben ist, kann man die Tatsache bestätigt finden, daß dem zuerst leichtfertig abgegebenen Urteil nach einigem Überlegen ohne allzuviel Überwindung die erlösende Umkehrung entgegengesetzt werden könnte. Wie schnell ist oft das Urteil, nicht nur der Jagend, fertig: „Der oder jener ist zwar garz anständig, aber schrecklich leichtsinnig", „dieses oder jenes Mädchen wohl ganz nett, aber furchtbar häßlich" und wie dergleichen lieblose Bemerkungen in der sog. Gesellschaft häufig genug zu fallen pflegen! Nur eine ganz kleine seelische Umstellung— und wie ganz anders klingt die ihr entsprechende Umstellung der vorher so boshaften Sätze: „Der junge Mann ist wohl etwas leichtsinnig, aber durch und durch anstärdig" oder „Schön kann man das Mädchen gewiß nicht ennen, aber sie gewinnt sehr durch ihr nettes Wesen" u. « w. Warum Lb dies hier hervorhebe? Auch in unserem brüderlichen Kreise würde es nicht schaden, wenn vor dem Aussprechen eine« schärferen Urtxils manchesmal schnell eine kleine innere Revision vorgenommen würde Freie Meinungsäußerung ist zwar eine schöne Sache, aber das B.u.E. unserer Devise verpflichtet zum Maßhalten, und, wer— wie es viele tun — dasW. nicht als Wohl tu n, sondern als Wohlwollen deutet — wird auch in diesem dritten oder besser ersten Punkt der Devise nur umsomehr einen Ansporn in dieser Richtung zu weiser Mäßigung und liebevollerem Entgegenkommen sehen. Im Vorprüfungsverfahren mag manches hingehen, obzwar auch da Meinungsverschiedenheit darüber besteht, ob gegenüber den behandelten Kandidaten mehr Schärfe oder mehr Milde am Platze ist; aber die bereits dem Bunde angehörenden Brüder kann man sich ebensowenig aussuchen wie die leiblichen Geschwister. Und wie ein gedeihliches Familienleben nur dort möglich ist, wo Liebe waltet und abschleifend, ausgleichend, versöhnend wirkt, so kann auch der Bruderbund nur Ersprießliches leisten, wenn seelisches Entgegenkommen die notwendigen Ungleichheiten zu ebnen bemüht ist. Drum bei aller zulässigen Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit mehr Eicht und Liebe, zwar gesunde Kritik und fördernde Ausspra he, aber auch nützliche Rücksichtnahme und brüderlichem Wohlwollen! Und vor -ülem gründliche Überlegung, wohin eher bei Wahl und Wertung das „Zwar", wohin das „Aber" zu setzen ist.