B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 1 (1.1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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MONATSBLÄTTER DER GROSSLOGE FÜR DEN CECHOSLOVAKISCHEN STAAT X„ I. O. B. B. JAHRGANG II. NUMMER i JÄNNER 1923 INHALT: B'nai B'rith=Gedanke und Ethische Gesellschaft. — Die Tagung des General* Komitees. — Festrede zum 10 jährigen Stiftungsfest der w. »Freundschaft«, gehalten in der Festsitzung vom 4. November 192z. — Umschau. B'nai B'rith^Gedanke und Ethische Gesellschaft. Von Br. Dr. Alfred Hock. In einem Briefe an Friedrieh Schiller hat Goethe auf die Tatsache hingewiesen, daß durch die bloße Einstellung der Menschen auf ihre nächstliegenden praktischen Interessen an Stelle der Wahrnehmung allgemeiner Gesichtspunkte der Fortschritt der Wissenschaft ungemein verlangsamt sei. Diesei Satz gilt nicht nur von dem Fortschritt der Wissenschaft, auf den er sich bezieht, sondern ebenso für den Fortschritt der Kultur überhaupt; er gilt auch in allen möglichen Einzelfällen des individuellen und sozialen Lebens, z. B. in Bezug auf die Tätigkeit unserer B'nai B'rith-Vereinigungen, welche, der Erfüllung jüdisch-ethischer Ziele zustrebend, von der Beschäftigung mit den kleinen aber dringenden Fragen des jüdischen Alltags, die sofortiges Handeln, unmittelbare Hilfe erfordern, absorbiert und dadurch ihrem wichtigsten Ziele, der Höherführung der Menschheit, entzogen zu werden Gefahr laufen. Es ist unleugbar: wir müssen die augenblickliche Not— und sie ist wahrlich groß genug— zu lindern suchen, aber wir düifen uns nicht verhehlen, daß auch hier der Effekt unserer Mühen verschwindend klein ist, gemessen an der Aufgabe, welche wir uns in diesei Richtung gestellt haben. Kein Vernünftiger wird freilich erwarten, daß unsere Vereinigungen demnächst ihr ideales Ziel erreichen könnten, wenn sie nur wollten, aber die Frage erscheint berechtigt, ob wir uns seit der Gründung unserer Logen dem Ziele nach Höherführung der Menschheit überhaupt im geringsten genähert haben, ja, ob wir auf dem bisher betretenen Wege uns ihm überhaupt nähern können. Wollten wir uns um dieses ferne Ziel ernstlich bemühen, so wäre unsere erste Atifgabe, uns nach Hilfskräften umzuschauen, die unsere Bestrebungen unterstützen könnten. Tun wir das nicht, dann gleicht unsere Leistung angesichts der Ungeheuern Notlage nur einem Tropfen im Meere, unser Mühen demjenigen eines Arztes, der vor die Aufgabe gestellt, das Geschwür eines Kranken zu heilen, es, ohne jeden Heilungsversuch, mit einem