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Jeschurun · 1896-12-04 · 17 (4.12.1896) · p. Seite 80

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1896
Issue
17 (4.12.1896)
Date
1896-12-04
Page
Seite 80 (sequence 4)
Language
German
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— 80 — und kein Ansehen in seiner Gemeinde geniesse. so sei es wohl selbstredend, dass man seinen Worten, die den Beitritt zu unserm Vereine bezwecken, keine Beachtung schenke. "Wir sollten daher in steter Verbindung mit dem Hause und der Familie zu bleiben und deren Vertrauen zu gewinnen suchen. Auf dem Lande sei dies ja besonders leicht. Hier sei den Lehrer meistens der einzige geistliche Berater und oft komme man mit religiösen Fragen zu ihm. Wenn nicht auf der Kanzel, so doch wenigstens bei der allsabbatlichen Schiur vor trägen, wo die meisten G-emeindemitglieder versammelt seien, böte sich schöne Gelegenheit, durch anregenden Vortrag in geistigen Wechselverkehr mit der Gemeinde zu treten. Verhalten wir uns den Gemeindeinstitutionen gegenüber nicht indifferent und suchen deren Bestrebungen thatkräftigst zu unterstützen. Leben wir nicht nur in, sondern auch für die Gemeinde und seien für deren Wohlfahrt und Gedeihen bedacht. Der Vortragende ermahnte ferner zu einem charakterfesten, standesgemässen Betragen, fern von allem feigen, schmeichlerischen, die Selbstachtung erniedrigenden Benehmen Vornehmen und Reichen gegenüber, denn die Wertschätzung und Hochachtung der Menschen dürfen nicht mit dem Vermögen und dessen Verlust steigen und fallen; ferner zu eifriger Fortbildung zur Erziehung und Bildung unserer Kinder auf positiv religiöser Grundlage und zur Pflege der Kollegialität. Das Band der Liebe und Eintracht umschlinge unsern Veiein, der Geist des Stolzes bleibe fern von unseren Reichen; niemand halte sich zu stolz und vornehm, dem Vereine seine Dienste zu widmen. Zur Förderung eines so humanen Werkes sein Schärflein beigetragen zu haben, erfülle mit wohlthuender Befriedigung und dürfe auf die Anerkennung jedes Wohlgesinnten rechnen. Unser Wahlspruch laute: „Einigkeit im Geiste und im Streben." Zum Schlüsse drückte Referent den Wunsch aus, dass seine Worte, diktiert von dem Dreigestirn Glaube, Liebe, Treue. Eingang und Wiederhall finden möchten in den Herzen der Kollegen zum Wohle der Schule, der Gemeinde, des Standes und des Vereins! Der Vorsitzende machte die Versammlung auf einige litterarische Erscheinungen , aufmerksam, auf den Leitfaden für den Unterricht in der Geographie von Palästina von A. Weiler, Nördlingen und Tabellen zur Gesohlte der Juden und ihrer Litteratur, bearbeitet von Dr. M. Stern und teilte ferner mit, dass der Gemeindebund durch Vermittlung des Herrn Dr. Adler, Berlin, dem Vereine drei Exemplare der „Methodik des jüdischen Religionsunterrichts vou Dr. S. Maybaum" gütigst überwiesen, welche den Mitgliedern zum Zwecke der Lektüre zur Verfügung stehen. Die hierauf vorgenommene Wahl der Verwaltung hatte folgendes Ergebnis: Wiedergewählt wurden: Goldstein-Heidingsfeld, Vrstz , Dr. M. Braunschweiger- Würzburg, Kassierer, Mandelbaum-Würzburg, Schriftführer, Besitzer: Frankel-Bamberg, Hofmann Rothenburg a/T, Neugewählt: Rau-Hirschaid, Mannheimer- Harburg. Als Ort für die nächstjährige Versammlung wurde Ansbach bestimmt. Mandelbaum, Schriftf. Litterarische Anzeigen« * „Glaube und Kritik", von Rabb. Dr. Daniel Fink, Verlag von Hermann Staake-Leipzig. Es ist heutzutage eine Seltenheit, wenn sich in das grosse Bibel kritische Concert, das immer rauschender zu werden scheint, auch eine berufene jüdische Stimme einmischt. Seit der genialen und zwingenden Widerlegung, die Wellhausens wanke Hypothesen durch den immer noch nicht genügend gewürdigten Seminardocenten Dr. D. Hoffmann erfahren haben, hat sich unseres Wissens keine jüdische Feder gefunden, die ungeheuerlichen Angriffe auf unser heiliges Schrifttum mit wissenschaftlichem Ernst und sachkundiger Gründlichkeit zurückzuweisen. Vielmehr war die traurige Thatsache zu registrieren, dass wenn beamtete jüdische Theologen im Kampfe der Meinungen das Wort ergriffen, dies in leichtfertiger Weise nicht für die Bibel, nein gegen sie geschehen ist. Nur die wissenschaftliche Zwerghaftigkeit jener jüdischtheologischen Umstürzler, die in andächtiger und kritikloser Nachbetung Wellhausen-Stadesche Vermutungen in Predigerdeutsch wiederholen, macht es erklärlich, dass nicht ein Sturm der Entrüstung von allen Ernstgesinnten sie beantwortete. Mit um so grösserer Freude werden wir daher das eben veröffentiichte Buch eines Rabbiners begrüssen, das mit gründ- HcherFach- und Litteratur-Kenntnis und in wissenschaftlich-logischer Methode die Hyperkritik der christlichen Universitätstheologen und ihrer jüdischen Nachbeter widerlegt. Professor Meinhold, gegen den die Schrift in erster Reihe gerichtet ist, ist ja wegen seines radikalen bibel-feindlichen Standpunktes aus den Tageszeitungen genügend bekannt. Seine Angriffe gegen die ethische und religiöse Integrität der heiligen Schriften findet in Fink;s Schrift ihre gründliche und eingehende Widerlegung. Auch die bibelkritischen Annahmen Meinholds werden mit richtigem wissenschaftlichem Takt als vage und unbegründete Phantastereien dargestellt und nachgewiesen. Wir können daher das Buch aufs lebhafteste allen denen empfehlen, denen es um eine gründliche Belehrung in diesen wichtigen Fragen zu thun ist Stellen weis hätte die Diction lebendiger sein können. In dem Abschnitt über die beiden angeblich sich widersprechenden Schöpfungsberichte' hätte Verf. nachdrücklicher und schärfer darauf hinweisen müssen, wie sich aus dem verschiedenen Standpunkt des bibl. Erzählers alle Schwierigkeiten leicht lösen und erklären. In Gen. Cap. 1 werden die kosmographischen Fragen des schlichten Menschen in allgemein verständlicher Weise beantwortet, während die Schrift in Gen. Cap. 2 vom anthropocentrischen Gesichtspunkte aus alles Erschaffne in seiner Bedeutung für den Menschen darlegt, die ethische Rechtfertigung des Estherbuches, die dem Verf. recht gut gelungen ist, wäre zweckmässig durch eine Untersuchung über die Tendenz der ganzen Esthererzählung einzuleiten gewesen. Es hätte sich dann gezeigt, wie eine tiefreligiöse Absicht in Composition und Aufbau des ganzen Buches sich nicht verkennen lässt: Die unsichtbar wirkende Waltung Gottes im Geschichtsleben Israels, dargestellt und veranschaulicht in der wunderlosen und doch so wunderbaren Errettung der Persischen Juden aus der Hand ihres Feindes. M. B. Verantwortlicher Kedakteur: A. Levin, Verlag von Sieglr. Cronbach, beide in Berlin. - Druck von E. öuttkus vorm. H. Post, Tilsit.

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