Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1896
- Issue
- 16 (15.11.1896)
- Date
- 1896-11-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Franz Delitzsch hat in seiner Broschüre ״Ernste Fragen an die (Gebildeten jüdischer Religion, Leipzig 1888'* pag. 59 fgg. die meines Wissens bis jetzt noch nicht widerlegte Behauptung aufgestellt, dass das jerusalemische Thargum an zwei Stellen, nämlich zu Gon. 3.10 b und ib. 49,18, eine Uebereinstimmung mit dem Christen turne aufweise. Bezüglich der ersten Stelle sagt Delitzsch: ״Es liegt da, wie das andere jerusalemische Thargum zeigt, die Anschauung zu Grunde, dass der durch die Geschichte sich hindurchziehende Kampf der Schlange und der Menschen miteinander ein fortgehendes Siegen und Erliegen ist, ein Kopfzertreten d. i. ein Siegen derer, welche sich zu Gottes Gesetz halten, und ein Eersensticherleiden und also Erliegen derer, die Gott und sein Gesetz verlassen. Die Erscheinung des Messias aber entscheidet den endgiltigen Sieg und bringt Heilung auch dem Fersenstiche, welchen die Menschen von der Schlange erlitten, während diese selbst unter dem Eluchbann bleibt. JedenfaHs sagt das Thargum, dass die in dem Wrteilssprnch über die Schlange * einverwobene Yerheissung ihre schliessliche Erfüllung durch die Erscheinung des Messias finden wird, und das ist eine nicht hoch genug anzuschlagende Uebereinstimmung mit dem Christenturne." Wenn wir uns jedoch die betreffende Stelle im Thargum selbst ansehen, so werden wir leicht erkennen, dass die Worte 'הוא ישופך ער in beiden Versionen dem Sinne nach umschrieben werden, wie folgt: Wenn die Söhne des Weihes die Gebote der Thora beobachten, so werden sie der Schlange den Kopf verwunden, thun sie das aber nicht, so wird die Schlange ihnen in die Ferse stechen. Dann aber folgen zwei Zusätze, welche im Fragmententhargum noch in gleicher Weise mit □בר beginnen. Der erste dieser Zusätze ist veranlasst durch die im Ber. r. zur Stelle s. n. R. Levi sich findende Ansicht, dass zur Zeit des Messias allen Geschöpfen Heilung werde ausser der Schlange (הכל מתרפאין הרן מנחש)> eine Ansicht, die ihrerseits augenscheinlich den Worten ונהש עפר להמר Jes. 95,25 ihren Ursprung verdankt. Der Sinn dieses Zusatzes ist demnach afferdings, wie Delitzsch meint, der, dass die Schlange auch nach dem Erscheinen des Messias unter dem Fluchbann bleibt, aber nur insofern, als sie eben auch dann immer noch Staub aber auch nichts anderes also auch nicht die Menschen fressen wird; d. h. selbst Mensch und Schlange werden in Frieden mit einander leben. Genau denselben Gedanken hat auch der zweite Zusatz zum Inhalte, er bildet die Erklärung zum ersten und ist sicherlich erst später zu dem Ganzen hinzugekommen. Nach berichtigtem Texte lautet derselbe in der Uebersetzung: Jedoch sie werden Frieden schliessen miteinander am letzten Ende der Tage in den Tagen des gesalbten Königs; mit anderen Worten: wenn auch Feindschaft sein wird zwischen Mensch und Schlange, so wird doch diese Feindschaft nicht ewig dauern, sondern auch sie werden in Frieden miteinander leben, wenn herangekommen ist die Zeit, von der der Prophet sagt: ״Wolf und Lamm werden weiden zusammen u. s. w." Jes. 65,25. Das aber ist ein echt jüdischer Gedanke! Auch Pseudojonathan hat diese beiden Zusätze, nur mit dem einen Unterschiede, dass er sie. durch ein Wav copulativum verbindet, ein deutlicher Beweis dafür, dass er hier das Fragmententhargum als Vorläge benutzt hat. Aus der zweiten oben erwähnten Stelle glaubt Delitzsch beweisen zu können, dass schon im Thargum jeruschalmi der Messias als Mittler einer ewigen Erlösung bezeichnet werde. ״Nach der einen Fassung", so sagt D. wörtlich, ״leistet Gott diese bleibende Erlösung durch sein Wort, welches seine Offenbarung in der Welt und Geschichte vermittelt (neutestainentlieh durch seinen Logos) nach der anderen durch den Messias, Sohn Davids; dieser ist, wenn man die zweierlei Fassungen kombiniert, der persönliche, menschliche Mittler seiner Offenbarung, in welchem (ungesucht drängt sich dieser Gedanke auf) sein Wort (מימרא) gleichsam Fleisch geworden." Allein auch hier stellt sich uns nach einer vorurteilsfreien Betrachtung des Textes die Sache ganz anders dar. Nach der einen älteren Fassung, die 11ns ebenfalls im Fragmententhargum erhalten ist, lautet nämlich jenes Thargum in der Uebersetzung: Es sprach unser Vater Jakob: Nicht auf die Erlösung Gideons des Sohnes Joas hoffet meine Seele, denn sie ist eine zeitliche Erlösung, und nicht auf die Erlösung Simsons, des Sohnes Manoachs, hoffet meine Seele, denn sie ist eine vergängliche Erlösung, sondern auf die Erlösung, die du deinem Volke Israel zu bringen verheissen hast, auf j ene Erlösung hoffe ich, Ewiger." .Denn wie ich aus einer in der I# V׳;f M■■ ■|;r