Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1896
- Issue
- 14 (23.10.1896)
- Date
- 1896-10-23
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Deutsch Genehmige cV^lasSen werden 1 üannover bereits 1 öffentlichen '• den vorgesetzten r «licht zq machen, ' Peusionskasse beiucherung sich einrr Dr. Mannheimer i Grossherzog von heutige Hauptveri dem Minchagebete erfolgte ein Spazierh die Mitglieder um derat zu Oldenburg elchem auch viele nde sich beteiligten, örtliche Stimmung, »er die Mitternachts: »ndere durch Trinki, sowie durch eigens?rufen. Mit Becht nkommen und die Idenburg rühmend heimer, der sich um des Ganzen so sehr i V29 Uhr. iaale der „Union" ind erledigt einige e Kechnung wird id Strauss geprüft, itzenden als Rechrun erhält Kollege mEeferat: „Ueber ligen einleitenden ner solchen Frage i Ref. zw Entücher über Er das sich die Gunst 3hrerschaftsicne.re» mg und richtige Wiehre nach den Dutums. Die IQ icher seien nach Büch in religiöser ügen. Z*ar be' &*«S Z ,er es genüge den was an vor rVe bewiesen i ende ein der neu^en Jeschnrnn. Halbnioiiat88(4lirift für Pädagogik, Homiletik und Litteratur. (Beilage zur Allgemeinen Israelitischen Wochenschrift.) No. 14. Berlin, 23. October. 1896. Inhalt: Lieder eines Semiten. Von S LieSthim, Die Leserkonferenzen. Predigen und „Predigen." Lieder eines Semiten* Wir haben uns allmählich daran gewöhnt, die Antisemitenfrage mit jener Ruhe zu betrachten, wie sie die Gewöhnung und die Resignation erzeugten. Was nützen uns Klagen oder Schelten, ruhige Widerlegung oder leidenschaftsvoller Kampf? Jene Feinde, die in offenem Streit gegen uns stehen, sind in ihren Kampfmitteln nur ausnahmsweise ehrlich; die meisten sind böse und viele, was noch schlimmer ist, dumm obendrein; jeder Kundige weiss, dass dies die schlimmste Mischung ist. Zu solchen Aeusserungen fühlt man sich in einer Zeit versucht, wo grosse Städte sich zu Bürgermeistern Leute wählen, die den Kampf gegen ihre jüdischen Heimatsgenossen sich zu ihrer obersten Lebensaufgabe machten, wo der mit den Lügenabfällen vergangener Jahrhunderte gemästete Hass sich bis zu dem Wahn versteigt, dass die Austreibung der Juden eine Rettung aus den wirtschaftlichen Wirrnissen unserer Epoche werden könnte. Dieser lächerliche Irrtum wird naturgemäss früher oc^er später einer besseren Erkenntnis weichen, und dann wird die antisemitische Partei ihre politische Existenzberechtigung verlieren müssen, aber wann wird die unabsehbare Summe von Hass und Vorurteil, die in die deutsche Volksseele getragen worden ist, schwinden? In solcher Stimmung griff ich wieder nach jenem Buch, das mich so tief ergriffen hatte, als ich es zuerst las, nach den „Liedern eines Semiten!"*) Das Büchlein ist s. Z. anonym erschienen; aber sein Autor hat sich inzwischen zu seinem Werke bekannt. Es ist der auch sonst mit lyrischen, novellistischen und dramatischen Werken an die Oeffentlichkeit getretene Schriftsteller Dr. J. Loewenbera:, Direktor einer höheren Mädchenschule in Harn- O" bürg. Warum hat dieses Buch, das, wie kein anderes in der gewaltigen Flut der philosemitischen Litteratur uns ans Herz greift, keinen grössern buchhändlerischen Erfolg errungen? Schuld daran war wohl vor allem die Abneigung des Lesepublikums jmiten. Hamburg, ih. 70 Pt, geb. 1 Mk. gegen jene Litteratur und Poesie, die sich den Schmerz und die Not zum Stoffe wählt, die Angst davor, in seinen eigenen Wunden zu wühlen und den Schmerz auch dann, wenn er schläft, unnötig zu wecken. Was aber diesem Buche ziemlich sicher den Weg zu einem grossen Erfolg erschliessen müsste, das war die tiefeingewurzelte, unausrottbare, sorgfältig gepflegte Abneigung des deutschen und jüdisch-deutschen und deutsch-jüdischen Publikums gegen Lyrik£überhaupt. g£ Löwenberg findet in diesen Gedichten Töne, wie sie nur einem echten Dichter gelingen; warme Herzenstöne von unmittelbarster Empfindung und Eindringlichkeit. Lassen wir ihn selbst reden: Mein Kind kam heute von der Schule her, Den Kopf gesenkt, das Auge thränenschwer. ,,Was ist dir, Knabe? Dich drückt eine Last, Sag frei heraus, was du verbrochen hast." Da schmiegt er sich in meinen Arm hinein: ,,Ist's denn so schlimm, o Vater. Jude sein?" „Ein Schicksal ist's und eine schwere Pflicht, Mein Kind, was Buben sprechen, acht es nicht. ,,Der Lehrer selber hat es vorgebracht, Die ganze Klasse hat darob gelacht." So war's bisher noch immer nicht genug, Was grimmer Hass an gift'gen Früchten trug? Fällt auch die Kindesseele, rein und klar, Ein Opfer auf des Molochs Blutaltar? Mann gegen Mann! ist auch der Kampf nicht gleich; Mann gegen Kind — das ist ein schlechter Streich! Das ist Verrat an kindlichem Vertrau'n, Ist Schändung, Mord, — michpackt ein wildes Grau'n. Ihr habt verhöhnt mich, habt mich angespie'n, Bedauert hab ich euch und euch verzieh'n. Ich war zu stolz, wes ihr euch auch erfrecht, — Um meines Kindes Thränen heisch' ich Recht! Ja wahrlich! Wir heischen Recht um unsrer Kinder Thränen! Aber wir heischen auch Recht um unseren eignen Schmerz. Man muss die Werke Loewenberg's, des Dichters dieser Lieder, kennen, um zu begreifen, welch' ein guter Deutscher er ist, wie er mit leidenschaftsvoller Hingabe für deutsche Kultur und deutsche Kunst kämpft und wie furchtbar ihn das Verhalten seiner christlich-germanischen Vaterlandsgenossen schmerzen muss. Da übermannt ihn so etwas wie jüdischer Adelsstolz: