Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1896
- Issue
- 11 (15.8.1896)
- Date
- 1896-08-15
- Page
- Seite 56 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 56 — Erde ein Heiligtum Gottes gewesen, um das sich alles gesammelt, das allen Segen gespendet! Auch äusserlicn symbolisch gelangte der Segen des jüdischen Hauses zum Ausdrucke in dem Segen den dio Eltern den Kindern am Sabbat zu erteilen pflegten. Mit welcher bezaubernden Güte falteten die Eltern die Hände! Mit welcher demütigen Andacht beugten die Kinder das Haupt! Wie hoch wusste der Jude den elterlichen Segen zu schätzen! Schon in uralter Zeit stritten ja zwei Brüder um den väterlichen Segen: Jacob und Esau. Isak spendete den Segen und Rebekka verschaffte ihn dem würdigeren Sohne. Diese Sitte der Segenspende will sagen, dass die Eltern den Kindern den Segen der Gottesfurcht und Menschenliebe spenden sollen. Denn nur die Eltern können auf das Gemüt des jüdischen Kindes bleibend wirken. Die Mutter besonders ist zur Seelenrettung geeignet, ist nach Geschichte und Sage der rettende Engel unserer hervorragenden Männer in ihren Jugendnöten. Nur wo die Gefahr die den Geisteshelden bedroht, so gross ist, dass sie keine Mutter lebend erfahren kann, nur da ist nicht die Mutter, sondern ein himmlisches Wesen der Bote des Heiles, der allen drohenden Mächten ein machtvolles Halt zuruft. So vollbringt in der Akeda ein Engel Gottes die erlösende That, weil die Gefahr, in der Isak schwebt so schreckenvoll ist, dass eine Mutter mit ihr nicht in Verbindung zu bringen ist Dass Sara nach dem Midrasch die blosse Kunde der Gefahr ihres Sohnes nicht zu überleben vermochte. Meine Andächtigen! Auch die Gefahr in der das Israel der Gegenwart schwebt, erweckt oft die Befürchtung, dass wir uns nicht selbst als Menschen zu helfen vermögen, dass das Judentum ohne übernatürliche Hilfe in der Menscheits-Geschichte zu wirken aufholte, allein unsere Geschichte zeigt uns, dass jüdische Mütter den Akedageist nur selten verlieren, die Auferstehung des Akedageistes immer wieder bewirken! In dieser Hoffnung auf die Unsterblichkeit der jüdischen Religiosität und Familienliebe erheben wir uns heut am Rosch-Haschana zu den ruhmreichen Ahnherrn unseres Stammes, die der Menschheit als Muster und Meister der Gottesfurcht und Menschenliebe gelten, in dieser Hoffnung blicken wir froh und zuversichtlich in die Zukunft, in der anerkannt werden wirddieReligiositätund Familienliebe Israels! Das walte Gott von Moria! Amen. Lehrerkonferenzen. Landrabbinatsbezirke Emden-Oldenburg*) Erste Sitzung am 21. Juni 1896, nachmittags 1 Uhr, a) in der Religionsschule zu Oldenburg. *) Anwesend die Herren: Landrabbiner Dr. Löb-Emden und Landrabbiner Dr. Mannheimer-Oldenburg, als Ehrenmitglieder. Rabbiner Dr. Rosenack, als Gast. Hauptlehrer Levy- Norden, Vorsitzender Lehrer Löwenstein-Jever, stellvertr. Vorsitzender Lehrer Apt-Emden, Lehrer Bernheim - Varel, Lehrer Fink-Neustadt-Goedens, Lehrer Frankenstein-Osnabrück, Lehrer Gottschalk-Esens. Lehrer Herzberg-Oldenburg, Lehrer Klein-Bingen, Lehrer Lachmann-Bunde, Lehrer Levy-Wittmund, Lehrer Lutheim-Dornum. Lehrer Ludwig-Meppen. Lehrer Oberschützky - Osnabrück, Lehrer Schüler - Wilhelmshaven, Hauptlehrer Selig-Emden, Lehrer Speyer-Sögel, Lehrer Weinberg-Delmenhorst, Lehrer Wolff-Aurich, Schriftführer. Mit Entschuldigung fehlte: Lehrer Meyer-Laar._ Der Vorsitzende, Hauptlehrer Levy-Norden eröffnet die Verhandlungen, indem er die Versammelten in herzlichster Weise begrüsst, für deren Erscheinen dankt und einige geschäftliche Mitteilungen macht, u. a. dass aus der Verbandskasse ein Reisezuschuss gewährt sei. Darauf werden die Kinder in die Klasse geführt und Kollege Selig-Emden hält nun die übernommene Lehrprobe im Bibellesen. Als Thema hatte er sich Jes. Kap. 1, Vers 1—9, gewählt, das er in Stunden nach den methodischen Grundsätzen, die für die schulgemässe Behandlung eines Lesestücks massgebend sind, durcharbeitet. Nach dieser Lehrprobe werden die Verhandlungen fortgesetzt. b. im Saale der ,,Union". Hier widmet der Vorsitzende sein erstes Wort unserem erhabenen Kaiser und schliesst mit einem Hoch auf 8e. Majestät, in das die Versammelten begeistert einstimmen. Alsdann überbringt Herr Dr. Mannheimer als Delegierter des D. I. G. B. in herzlichen Worten die Grüsse und Wünsche desselben, worauf der Vorsitzende den Herrn Delegierten bittet, dem D. I. G B. namens der Konferenz danken zu wollen. Aus der nun folgenden Besprechung der Lehrprobe, an der sich die Herren Dr. Löb, Dr. Mannheimer, Lewy-Wittmund und Apt-Emden beteiligen, geht hervor, dass man im allgemeinen den Ausführungen zustimmt und namentlich die methodische Behandlung des Themas als eine richtige anerkennt. Kollege Selig erhält darauf das Wort zu seinem Berichte über den Erfolg des Bibellesens, in welchem er zunächst auf die Faktoren hinweist, die auf den Erfolg des Unterrichts von Einfluss sind. Ein Faktor, mit dem der Lehrer (besonders) zu rechnen habe, sei vor allem die Zeit. Da nun aber das Bibellesen erst seit Kurzem in seiner Schule betrieben werde, so könne von einem sichtbaren Erfolge desselben heute noch nicht die Rede sein, da es sich ja erst bei dem heranwachsenden Geschlechte zeigen müsse, ob dieses mehr Gefallen als bisher an der Lektüre der Bibel finde und sich gedrungen fühle, letztere zu einem unbestrittenen Familienbuche zu machen. Ref. gesteht auch, dass er selbst mit den Erfolgen in der eigenen Schule unzufrieden sei und berichtet, wie der Schulvorstand der Gemeinde Emden die Einführung der Auerbach'schen Schulbibel Teil II. erfreulicher Weise materiell ermöglichte. Nachdem noch der Bericht über die Vorteile, die sich aus dem Bibellesen ergeben, eingehend sich verbreitet und einzelne methodische Winke giebt, schliesst Ref. seinen mit Beifall aufgenommenen Vortrag, für welchen der Vorsitzende den Dank der Konferenz ausspricht. Nach Eröffnung der Debatte erhält zunächst Kollege Ludwig das Wort. Er bemerkt, dass er dem Gegenstande sympathisch gegenüber stehe, aber nur bedauern könne, dass so wenig Zeit für denselben vorhanden sei. Er halte es für erspriesslich, in einer besonderen Unterrichtsstunde allwöchentlich auf den Inhalt der Haftara einzugehen. Herr Dr. Mannheimer glaubt, dass der Vorteil des Bibellesens nur in der Bekanntschaft mit dem Inhalte der Bibel und der Konzentration der Religionsgegenstände bestehe._ (Schluss folgt). Druck von E. tiuttkus vorm. i±. Post, Tilsit. Verantwortlicher Redakteur: A. Levin, Verlag von Siegfr. (Jronbach, beide in .Berlin. —