Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1896
- Issue
- 9 (15.7.1896)
- Date
- 1896-07-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Inhalt: Poesie und Geist der Messias-Apokalypse. Von Dr.D.Leimdörfer. Konferenzberichte. <Süddeutsch!., Westlaien-Rheinland.) Notizen. (Geschichtliche Entwicklung unseres Gottesdienstes.'» Poesie und Geist der Messias- Apokalypse. Studie zur Kaddischlitteratur. Von Dr. ]). Leimdörfer, Prediger zu Hamburg. (Fortsetzung.) So sehr willkommen diese aus der Apokalypse selbst hervorgehenden Bestimmungen der Zeit, der Heimat und der Denkweise des Verfassers sein dürften: eine Thatsache scheint in ihr begründet zu sein, auf die meines Wissens noch nicht aufmerksam gemacht worden, nämlich die: dass nicht — wie allgemein angenommen wird — die Legende von Rabbi Akiba mit dem Waisenkinde im Tana debe Elia und Traktate Kalla, als die allererste geschichtliche Grundlage für die Einführung des Kaddischgebets als Waisenandacht zum Zweck der Erlangung des Seelenheils der Heimgegangenen gelten kann, sondern die in Rede stehende. Diese, mag sie auch weniger gekannt und wegen des lange nicht so bedeutend gewesenen vermeintlichen Autors (Elieser Ben Jacob) als wie es Akiba war, den jene Legende zu ihrem Haupthelden macht, weniger beachtet worden sein, dürfte entschieden älter sein. Ja, es ist sogar möglich, dass die Sage von der Wirksamkeit des Kaddisch zur Erlangung der Seligkeit für die Toten bei Akiba eine Nachbildung dieser Legende ist. welche einem, um ein Jahrhundert früher lebenden Gelehrten in den Mund gelegt wird und ausserdem origineller im Inhalt, urwüchsiger auch in der Form erscheint. Während in der Akibasage die nächtliche Vision den Gelehrten auffordert, das unwissende Kind des verstorbenen Vaters im Kaddischgebete zu unterrichten, treten in diesem Midrasch die eigenen Mütter gleichsam „sorglos", „schaananoth" — ruhig, holdselig, selbstbewusst auf, denn ihre Kinder sind nicht unwissend zurückgebhieben; haben sie, die Frauen, doch dafür gesorgt und sich redlich gemüht, ihren Kindern Lehrer zu verschaffen, denen sie mit eigener Hand den Lohn für den Unterricht übermittelten — „schehaju nothnoth sechar al benehem lelamdom Thora, Mikra, Mischna." Selbstbewusst, voll Seligkeit stehen die Mütter da bei dem Gedanken, ihre Kinder seien nicht unwissend in der für sie notwendigen Gotteslehre; sie sind, weit entfernt, das göttliche Lehrhaus zu meiden, vielmehr zu glückselig, an dessen Umzäunung zu horchen lauschen und an der Huldigung des Herrn teilzu nehmen. (Schluss folgt.) Lehrerkonferenzejpu IL Südwestdeutsclier Verband israelitischer Lehrer undCultus-Beamten. Die diesjährige Jahresversammlung unseres Verbandes fand gemäss der Einladung des Vorstandes am 24. und 25. Mai d. J. nachmittags 3 Uhr beginnend, in Trier im Beratungssaale des Gemeindehauses statt, welcher vom Vorstande der dortigen Synagogen-Gemeinde mit dankenswerter Bereitwilligkeit zur Verfügung gestellt war. 1. Tag. Mit herzlichenBegrüssungsworten bewillkommnete der Vorsitzende, Koll. Eppstein - Hoppstädten, die zahlreich erschienenen Mitglieder. Unier allseitiger Zustimmung hob er hervor, dass es endlich doch gelingen möge, die Ideen Pestalozzis, dessen Andenken in diesem Jahre von den Lehrern Deutschlands gefeiert wird, auch für die jüd. Religionsschule fruchtbar zu machen. Er gedachte mit innigen Worten des kürzlich verstorbenen, für das Vereinswesen und die Hebung unseres Standes hochverdienten Kollegen Sender-Tholey, dessen Andenken von der Versammlung geehrt wurde. — Herr Oberrabbiner Dr. Bassfreund, Trier begrüsste die Versammlung im Auftrage d. D. J. G. B., der auch in diesem Jahre einen Zuschuss zu den Reisekosten gesandt hatte. Bei der Vorstandswahl wurde der bisherige Vorsitzende, Eppstein-Hoppstädten und dessen Stellvertreter Nussbaum-Trier wieder- und Ransenberg- Neuwied zum Schrift- und Kassenführer neugewählt. — Der Kassenbericht ergab einen Bestand von ca. 50 M. In der Beratung über Eintritt in den Lehrerbund gab der Delegierte, Eppstein-H. auf besonderen Wunsch einen Bericht über die Verhandlungen der Delegierten- Versammlung in Berlin obgleich die Zeitungsberichte längst bekannt sind. Seine Darstellung stand in vollem Gegensatze zu den Berichten, die in Zeitungen und Vereinen in gehässiger Weise von Feinden des Lehrerbundes abgestattet sind und rief den Eindruck hervor, dass mehrere Delegierte mit der Absicht nach Berlin gekommen seien, um die geplante Vereinigung zu verhindern und den Zusammen schluss zu hintertreiben. Einstimmig wurde darauf der Beitritt »