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Jeschurun · 1896-07-01 · 8 (1.7.1896) · p. Seite 44

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1896
Issue
8 (1.7.1896)
Date
1896-07-01
Page
Seite 44 (sequence 4)
Language
German
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— 44 — Emeritierung eine angemessene Pension und im Falle des Absterbens den Hinterbliebenen eine entsprechende . Versorgung zuteil werden lassen; 4) eine definitive Anstellung durch die Regierung zu erhalten, erscheint bei der jetzigen Strömung aussichtslos, jedoch will der Verein die eventuell vom Verbände der jüdischen Lehrervereine i. d. R. nach dieser Richtung zu unternehmenden Schritte um des Ganzen willen nach Kräften unterstützen; 5) der Verein erhofft eine Besserung in der materiellen Lage der jüdischen Religionslehrer und Kultusbeamten nur von dem Gerechtigkeitsgefühle der Gemeinden und bittet den Ausschuss des ostpreussischen Synagogen - Verbandes, eine Kommission von Gemeindevertretern zu ernennen, die mit dem Vorstande des Vereins gemeinsam die geeigneten Schritte zur Durchführung der oben aufgestellten Forderungen beraten soll. An der Debatte beteiligten sich Birnbaum- Königsberg, Dr. Kamnitzer-Allenstein, Peritz-Königsberg, Gerschlowitz-Marggrabowa, Kuttner - Johannisburg, Gallandt- Lotzen, Kaufmann Rafaelsohn-Allenstein und Rechtsanwalt Schey-Allenstein. Letzterer versprach, die "Wünsche der Lehrerschaft bei dem Verbandsausschusse wärmstens zu befürworten und deren Bethätigung nach Möglichkeit zuunterstützen. — Hierauf trat eine einstündige Mittagspause ein. Die Konferenz-Teilnehmer begaben sich nach dem gegenüberliegenden Hotel „Kopernikus", wo ihnen vonAUensteiner Gemeinde - Mitgliedern ein opulentes Frühstück bereitet war, das liebenswürdige Damenhände zureichten. Um 3 Uhr begannen die Verhandlungen wieder und zwar zunächst mit Verlesung der eingelaufenen Begrüssungsschreiben resp. Telegramme. Solche waren eingetroffen vom Vorsitzenden des ostpreussischen Synagogen-Verbandes, Herrn Stadtrath Eichelbaum- Insterburg, vom Vorsitzenden des Verbandes der jüdischen Lehrer-Vereine im deutschen Reiche, Herrn Rector Dr. Adler-Berlin, vom Ehrenmitgliede des Vereins, Herrn Rabbiner Dr. Bamberger-Königsberg, und von Herrn Rabbiner Dr. Münk-Königsberg, wie von andern behinderten Vereinsmitgliedern und Freunden des Vereins. Darauf hielt Oberkantor Birnbaum-Königsberg einen Vortrag über die Geschichte des Synagogen-Gesanges in Deutschland. (Siehe Hauptblatt. Red.) Den letzten Punkt der Tagesordnung bildete eine Lehrprobe des Kantor Karo-Allenstein über die Einführung in die Liturgie, die dem Vorsitzenden der Verbands-Schulinspektion, Herrn Dr. Rülf, Veranlassung gab, das hierbei sich kundgethane Lehrgeschick des Kollegen Karo, wie die Gewecktheit und das religiöse "Wissen der Allensteiner Religionsschüler anerkennend zu rühmen. Nach einigen Anfragen und Mitteilungen aus der Mitte der Versammlung, das Schul- und Gemeindeleben betr., schloss der Vorsitzende gegen 5 Uhr die arbeitsreiche Konferenz mit Worten des Dankes an die Vertreter der diversen Korporationen, wie an die Lehrer selbst für ihre rege Anteilnahme an den Verhandlungen, wodurch sie zu dem gelungenen Verlauf derselben massgebend mitgeholfen haben. Die Versammlung begab sich unmittelbar darauf nach der Synagoge, wo unter Leitung des Oberkantor Birnbaum-Königsberg ein gemeinsamer Gottesdienst abgehalten wurde. Die Zeit bis 8 Uhr Abends war der Besichtigung der Stadt gewidmet; dann folgten die Konferenz-Teilnemer einer Einladung des Vorstandes der Allensteiner Gemeinde zu einem gemeinsamen Festessen nach dem ,,Deutschen Hause." Wenn die Herzlichkeit und Liebenswürdigkeit der Allensteiner Gemeinde-Vertreter und Gemeinde- Mitglieder schon während der Konferenz - Verhandlungen wohlthuend empfunden worden, so überbot sie hier die höchsten Erwartungen. Dies Gefühl sprach sich auch in den nicht enden wollenden Toasten aus, die zwischen Gastgeber und Gästen gewechselt wurden. Nach der Begrüssung durch den Vorsitzenden der Allensteiner Gemeinde, Herrn Rechtsanwalt Schey, widmete Herr Rabbiner Dr. Rülf-Memel den ersten Trinkspruch in patriotisch begeisterter Rede Sr. Majestät dem Kaiser. Waisenhaus-Inspektor Peritz-Königsberg toastete auf den Verband der Synagogen-Gemeinden Ostpreussens und seinen Präses, Herrn Stadtrat J. Eichelbaum - Insterburg. Prediger Sturmann- Osterode gab den Gefühlen des Dankes gegen den Vorstand und die Gemeinde AUenstein einen warm empfundenen Ausdruck. Herr Rechtsanwalt Schey antwortete darauf in pointenreicher humoristischer Weise mit Glückwünschen für den Verein, der seinen ersten Geburtstag so verheissungsvoll begangen und diesen Tag noch oft erleben möge. Hierauf sprach Herr Kaufmann Feinstein-Königsberg in herzlich ergreifenden Worten auf das Ehrenmitglied des Vereins. Herrn Rabbiner Dr. Bamberger-Königsberg, Prediger Gallandt-Loetzen in geistvoll humoristischer Rede, auf den zeitigen Vorsitzenden der Schulinspektion. Herrn Rabbiner Dr. Rülf-Memel. Von der grossen Zahl weiterer Trinksprüche wollen wir nur noch den begeistert aufgenommenen Toast auf die in grosser Zahl beim Festessen anwesenden und sich um das Arrangement des Festes verdient gemacht habenden jüdischen Damen Allensteins erwähnen. Festlieder^ die der Bedeutung des Tages und der gehobenen Stimmung der Stunde passenden Aasdruck gaben, wie Gesangsvorträge des Oberkantor Birnbaum- Königsberg halfen die Gemütlichkeit und Festfreude auf den Höhepunkt führen. Es war ein Fest, würdig der intelligenten Allensteiner Gemeinde, würdig auch der Gelegenheit, der es galt. Und wie die in Gemeinschaft verlebten Stunden in den Herzen der jüdischen Lehrer Ostpreussens eine nachhaltende begeisternde Wirkung erweckt haben dürften, so ist auch zu hoffen, dass sie bei den jüdischen Mitbürgern Allensteins das Interesse für die religiöse Bildung ihrer Jugend in weitere Kreise getragen und dauernd gefördert haben. A. Peritz-Königsberg, Schriftführer. Verantwortlicher Redakteur: A.Levin, Verlag von Siegir. Cronbach, beide in üerün. — Druck von E. Suttkus vorm. H. Post, Tilsit

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