Jüdische Nachrichten
- Journal
- Jüdische Nachrichten
- Volume
- 9 (1939)
- Issue
- 9 (2.3.1939)
- Date
- 1939-03-02
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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8 jüdische Nachrichten 2. Mätz 1939. Von Woche zu Woche. Jerusalem. Die Palästinaregiernng hat kundgetan, dass Regierungsbeamte und Angestellte, bei denen sich herausstellt, dass sie für die Fonde der arabischen Terrorbanden gespendet haben, fristlos aus dem Dienst entlassen werden. Kaunas. Der Regierungszensor hat sämtliche gegen die Juden gerichtete Artikel in der Samstag- Ausgabe des Blattes „Verslas", des offiziellen Organs der antisemitischen „Verslininki" (Organisation der litauischen Kaufleute und Handwerker), konfisziert, Warschau. Auf einem Bankett der polnisch-jüdischen Vereinigung zur Hilfeleistung an polnische Juden wurden 10.000 Dollar aufgebracht. Ein Teil dieses Betrages ist für Zbaszyn-Flüchtlinge bestimmt. Bukarest' Das Unterrichtsministerium hat verfügt, dass sämtliche jüdischen Mitglieder des Lehrkörpers, die im Zuge der Revision der Staatsbürgerschaften ausgebürgert worden sind, mit Rumänien ersetzt werden. Kopenhagen. Auf der Tagesordnung der drei Tage dauernden Konferenz der noraischen Aussenminister, an der die Leiter der Aussenpolitik Dänemarks, Finnlands, Norwegens und Schwedens teilnehmen, steht u. a. das Flüchtlingsproblem. Zürich. Da die Weiterreise der Flüchtlinge auf grosse Schwierigkeiten stosst, werden Einreisebewilligungen nur erteilt, wenn die Ausreise in ein anderes Land vorher durch ein Visum gesichert ist. Warschau. Der polnische Bildungsminister sagte in eine Rede u. a. Nur ein kleiner Teil der Universitäsjugend ist für die Ausschreitungen an den Hochschulen verantwortlich. Ich erkläre hier, dass die Ordnung an den Hochschulen sehr bald wiederhergestellt werden wird. Antwerpen. Die 250 jüdischen Kinder, die seit Anfang Februar in Belgien eingetroffen sind, werden von dem jüdischen Flüchtlingskomitee erhalten. Gegenwärtig befasst sich das Komitee damit, diese Kinder in Familien in Brüssel und Antwerpen unterzubringen. Prag. Die cecho-slovakische Regierung hat die Verordnung genehmigt, mit der Budgetvoranschlag 1939 für die historischen Länder festgesetzt wird. Von den 49 Millionen Kc, mit denen das Kultus-Budget veranschlagt ist, sind dem jüd. Kultus insgesamt 685.000 Kc zugedacht. Jerusalem. Der Militärgouverneur von Jerusalem hat das Radfahren im Musrara-Viertel und in den angrenzendnn Strassen verboten. Ueber das Viertel war nach dem Attentat auf einen jüdischen Kaufmann am vergangenen Samstag ein 48 stündiges Ausgehverbot verhängt worden. Kaunas. Der litauische Staatspräsident Smetona hat zwei Juden den Gedimini-Orden verliehen, mehrere andere litauische Juden erhielten Auszeichnungen geringeren Grades. Berlin. Die deutschen Wirtschaftszeitungen teilen mit, dass in J. 1938 310 Privatbanken, die 1555 Angestellte beschäftigt hatten, arisiert bzw. liquidiert werden Gegenwärtig gibt es im ganzen Reiche nur noch 520 Privatbanken gegenüber 1.800 i. J. 1933. Alle Privatbanken sind jetzt arisch. Jerusalem. Dem Deir Abu Tor-Viertel von Jerusalem wurde als Strafe für die dort kürzlich erfolgten Attentatsversuche eine Kollektivstrafe von 100 Pfund auferlegt. Warschau. Die Kosten der Erhaltung des Lagers in Zbaszyn in Höhe von 25.000 Floty täglieh müssen die Juden selbst tragen. Tel-Aviv. „Haarez" ist — man nimmt an, wegen eines Artikels über die Londoner Palästinakonferenz — auf eine Woche verboten worden. — Brasilien erleichtert die Einwanderung von Flüchtlinge. Wie „Neue Züricher Zeitung" erfährt, hat die brasilianische Regierung wesentliche Erleichterungen für die Einwanderung rassischer und politischer Flüchtlinge zugestanden. Sie hat ferner die Voraussetzungen für die Normalisierung des Status der 300 sich illegal im Lande aufhaltenden jüdischen Emigranten geschaffen und plant die Erleichterung der Einwanderung insbesonder von Kleinkapitalisten, — Die jüdische Wirtshäuser in Bukarest geschlossen. Bukarest. Das Finanzministerium hat am 15. Februar die Durchführungsbestimmungen zu seiner seinerzeiligen Verordnung, die den jüdischen Weinhändlern in Bukarest die Schanklizenz entzieht, erlassen. Auf Grund dieser Durchführungsbestimmungen ist es fast sämtlichen jüdischen Schankbesitzern mit Datum voa 15. Februar verboten worden, alkoholische Getränke zu verkaufen. Nur etwa 20 Weingrosshändlern wurde die Frist für die Gültigkeit der Lizenzen verlängert. Seil dem 16. Februar bilden die Hauptstrassen in den jüdischen Vierteln vor allem von Bukarest, ein völlig verändertes Bild. Die Rolläden der jüdischen Wirtshäuser sind heruntergelassen, die sonst sehr lebhaften Viertel rund um die Schankstuben sind wie ausgestorben. Durch die Schliessung der jüdischen Gasthäuser sind Hunderte jüdische Kellner brotlos geworden. Lediglich die jüdischen Cafehausbesitzer haben die Erlaubnis erhalten, bis 15. März den Verkauf von alkoholischen Getränken weiter zu betreiben. Aber auch sie werden mit diesem Tage gezwungen sein, zu schliessen, da der Alkahoihandel die Hauptquelle ihres Verdienstes darstellt. — Ausländer bringen der schwedischen Industrie Vorteile. Zwecks Zerstreuung der Befürchtungen vor einer Ueberschwemmung des Landes durch Emigranten wird offiziös mitgeteilt, dass eine allgemeine Zählung der in Schweden lebenden Ausländer ergeben hat, dass in Schweden 13.600 Ausländer leben, von denen höbhstens 4.000 Emigranten sind. Von den 13.000 Ausländern sind nur 3.000 Juden. Eine Enquete hatte gezeigt, dass die Ausländer der schwedischen Industrie Vorteile brachten. Jüdische Einwanderer haben nicht nur neue Industrien errichtet, sondern auch den alten schwedischen Industrien neue Absatzmöglichkeiten eröffnet. — Englische Innenminister für rasche Ausstellung von Transitvisa für Emigranten. London. Im englischen Unterhaus fragte Abg. Harvey, ob der Innenminister von der traurigen Lage der Flüchtlinge Kenntnis habe, die als Durchwanderer nach Kanada, den USA. und anderen Ländern England passieren wollen und denen Verlust von Vermögen und Freiheit droht, wenn sie nicht binnen kürzester Frist ihren gegenwärtigen Wohnort verlassen, und ob nicht die bestehenden Einschränkungen bei der Ausstellung von Transitvisen für solche Durchwanderer gemildert werden könnten. Sir Samuel Hoare : ich achte sehr sorgfältig darauf, dass Flüchtlingen, die in ein Ueberseeland weiterwandern können, bei der Ausstellung von Transitvisen keine Schwierigkeiten gemacht werden. Es sind auch bereits besondere Arrangements durch das Inneministerium in Zusammenarbeit mit privaten Organisationen getroffen worden, auf Grund deren in solchen Fällen ohne jeden Herzug Transitvisen ausgestellt werden sollen. — Berlin. Die Mitteilungen der „Times" über das deutsche Memorandum betreeffend die Durchführung der jüdischen Auswanderung aus Deutschland, das George Rublee dem Interstaatlichen Komitee vorgelegt hat, sind von amtlicher deutscher Seite dementiert worden. Kleiner Anzeiger. Tarif für Konkurse und kleine Anzeigen: Bei einmaliger Einschaltung 80 Heller pro Wort. Fett gedrukt Kc 1.60 Für Steüensuchende 40 resp. 80 Heller. Der Gegenwert ist in vorhinein einzusenden, eventuell in Briefmarken. Zur Weiterleitung der Chifre-Briefe ist K<5 1.— beizulegen, ansonsten werden diese nicht weitergeleitet. Die Adressen der Chifre-Briefe werden nicht ausgefolgt. SUCHE Schneidergehilfen, selbständigen, präzisen Arbeiter in Sacco und Ueberzieherarbeit.v Samuuel Jacubovits. Revuca. SUCHE zum sofortigen Eintritt, verlässliches, jüdisches Mädchen, für kleineren Haushalt. Adresse bei der Bratislavaer Administration. ZUR WEITERLEITUNG von Chifre Briefen ist Kc 1.— in Marken beizuschliessen. 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