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Jüdische Nachrichten · 1939-03-02 · 9 (2.3.1939) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Nachrichten
Volume
9 (1939)
Issue
9 (2.3.1939)
Date
1939-03-02
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 JÜDISCHE NACHRICHTEN 2. März 1939 Amerikanischer Schritt in der Palästinafrage. Der Botschafter der Vereinigten Staaten in London Kemnedy, suchte Montag den britischen Aussenminister Lord Halifax auf und ersuchte diesen, um Mitteilung von Einzelheiten des neuen Palästinaplanes. Kemnedy hat dabei darauf hingewiesen, dass eine Beschränkung der jüdischen Einwanderung nach Palästina und eine Abänderung des britischen Mandates eine katastrophale Wirkung auf die öffentliche Meinung in Amerika haben würde. England habe sich bekanntlich im Jahre 1934 London. Donnerstag, 23. Februar, vormittags, sind zum erstenmal Vertreter Vertreter der Juden, der Araber und der britischen Regierung zusammengekommen, um zu versuchen, gemeinsam eine Lösung des Palästinaproblems zu finden. Die Zusammenkunft fand in der Gemäldegalerie des St. James Palace untea dem Vorsitz von Kolonienmim'ster Malcolm Mac Donald statt, als dessen persönliches Verdienst das Zustandekommen dieser Drei-Parteien-Besprechungen zu betrachten ist. Von englischer Seite wohnten der Sitzung ferner Aussenminister Lord Halifax und Unterstaatssekretär R. A. Butler bei. Von arabischer Seite wohnten der Sitzung Vertreter Aegyptens und des Irak bei. Die palästinensisch-arabische Delegation hatte sich ausdrücklich geweigert, an den Besprechungen teilzunehmen. Die Besprechungen, die über allgemeine Prinzipien nicht hinausgingen, haben — wie es heisst — in einer „freundschaftlichen Atmosphäre" statgefunden. Die arabischen Delegierten, so verlautet, schlugen vor, dass die bereits in Palästina lebenden Juden sich mit einem unabhängigen Palästina auf der Basis gleicher Rechte für alle Bürger und besonderer Garantien für den Schutz der Jüdischen Minderheit einverstanden erklären sollen. Gegen Stockholm. Der Vorschlag des Staatsausschlusses auf Gewährung einer Unterstützung von 500.000 schw. Kronen aus Staatsmitteln an Flüchtlinge gab Anlass zu einer regelrechten Diskussion über die Judenfrage in der Zweiten Kammer des schwedischen Reichstages. Im Staatsausschuss hatten die Vertreter der Rechten und des Bauernbundes Vorbehalte gegen eine Berufsausbildung der Flüchtlinge, im Lande gemacht und dabei ins Treffen geführt, es werde Flüchtlingen, die eine Arbeitsqualifikation besitzen, leichter fallen, in Schweden zu verbleiben. Die Sprecher der erwähnten Parteien wiederholten vor dem Plenum des Reichstages ihre Vorbehalte. Ihnen trat der Sozialdemdkrat Vougt entgegen, der sagte, man möge doch die Dinge beim richtigen Namen nennen, es handle sich einfech um einen Widerwillen der rechtsorientierten Kreise, Juden ins Land kommen zu lassen. Die Juden aber, fuhr Vougt fort, seien ein nützliches Element für jedes Land. Es gibt überhaupt kein Judenproblem an sich, die antisemitisch infizierten Staaten schaffen sich selbst ein Judenproblem. Paris. In einem „Von Evian ins Nichts" betitelten Artikel stellt das „Neue Tagebuch" fest, dass die Arbeiten der Evfan-Konferenz gescheitert sind: „Gibt es angesichts dieses Mankos an irgendwelchen Resultaten, selbst unter psychologisch ängstigsten Umstände noch Hoffnung auf das weitere Wirken des verpflichtet, keine Aenderung des Palästinamandates, ohne die USA vorher zu verständigen, vorzunehmen. Der jüd. Nationalrat protestiert. Der nationalrat der palästinensischen Juden hat eine amtliche Erklärung abgegeben, in der es heisst, dass die Juden den englischen Plan ablehnen, da dadurch die Juden in Palästina zur ewigen Rolle einer Minderheit verurteilt wurden. „Es wird im Lande Israels kein jüdischer Ghetto geben!", heisst es in der Proklamation. weitere jüdische Einwanderung wandten sie sich mit der Begründung, dass deren Ziele politische seien; gegen eine zeitweilige Zulassung von Flüchtlingen in Palästina hätten sie nichts einzuwanden. Die jüdischen Delegierten haben, wie es heisst, erklärt, in der Frage der Einwanderung und der Auferlegung eines Minheiten Status keinerlei Konzessionen machen zu können. Sie wiesen auf die historischen Rechte in und auf Palästina hin, sowie darauf, welch grossen Trost das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit mit Palästina den jüdischen Massen in dieser tragischen Stunde ihrer Geschichte bietet. Demgegenüber erklärten die Vertreter der arabischen Staaten, die Frage des Schicksals Palästinas müsse in den Händen der Mehrheit des Heiligen Landes liegen, dieser müsse insbesondere das Recht zustehen, in Fragen der Einwanderung zu entscheiden. Schliesslich wandten sie sich gegen die „zionistische Tendenz" den Begriff Jüdisches Nationalheim als Jüdischer Nationalstaat zu interpretieren. Hier w*jrde die Diskussion beendet. Am Freitag, 24. Februar, Nachmittag fand die zweite jüdisch-arabische Aussprache unter Mitwirkung von Vertretern der Regierung staat. Die Sitzung dauerte insgesamt 20 Minuten. Das jüdische Volk hat unter allen Völkern die tragischste Geschichte, es ist das geschlagenste Volk der Weltgeschichte überhaupt; weit entfernt davon, irgend jemand beherrschen zu wollen, hat dieses Volk nur den einen Wunsch, endlich zur Ruhe zu komme, allenfalls sich in Palästina ein Heimat Selbstbestimmungsrecht zu schaffen. Von je waren politische u. religiöse Flüchtltnge die wertvollsten Menschen. Haben nicht die Hugenotten zu Deutschlands Fortschritt sehr viel beigetragen? Sollen wir es — rief Abg. Vougt — zulassen, dass Europa von aller Intelligenz entblösst wird? Er erinnerte an Spanien, welches nach der Vertreibung der Juden geistig gesunken war und wies darauf hin, dass Konstantinopel nach der Einwanderung der Juden zum Aufstieg gelangte. Andere Redner schlössen .sich den Ausführungen Vougts an und geisselten u. a. die Haltung der Studentenschaft der Universität Apsala, die eine Resolution gegen die Aufnahme von Flüchtlingsstudenten gefasst hat. Komitees? Man muss es verneinen, — so wie man verneinen musste, dass eine Paravent-Institutionen hier überhaupt etwas tun kann. Die einzige Möglichkeit war immer und wird immer sein, dass die Staaten, die überhaupt in Frage kommen, sich zur Aufnahme der paar Hunderttausend proportioneil zu ihrer eigenen Bevölkerungszahl verpflichteten oder verpflichtet werden. Für keinen Staat wird diese Quote auch nur 1 Prozent der Bevölkerung erreichen, für keinen wird sie irgendwie ins Gewicht fallen. Dies war, ist und bleibt die einzige Lösung. Aber auch für sie drängt allmählich die Zeit. Vor zwei Jahren hätte man die Menschen noch mit einem mässigen Kapital über die Grenze bekommen. Heute haben sie nur noch ihre Gesundheit und ihre Kleidung. In zwei, drei Jahren werden es Wracke in Fetzen sein." Rumänien gibt Antisemitismus auf. Rückgabe aller Konzessionen. London. „Daily Telegraph" meldet aus Bukarest : In Rumänien ist in der jüngsten Zeit überall ein Nachlassen der antijüdischen Maßnahmen zu beobachten. Infolgedessen haben hunderte von Juden ihren Plan, auszuwandern aufgegeben. Die scharfen antisemitischen Maßnahmen, die vor einiger Zeit ins Auge gefasst worden waren, sind damals mit der Notwendigkeit begründet worden, der „Eisernen Garde" einen der bestechenosten Agitationspunkte zu nehmen. So wurden damals die antijüdischen Gesetze im Interesse der Juden selbst eingeführt. Die mutige Haltung König Carols und seines Innenministers Calinesku hat die Eiserne Garde ohnmächtig gemacht. Die Revision der Statsbürgerschaften wird in vernünftiger und entgegenkommender Art durchgeführt. Selbst jene Juden, die verhältnismässig spät in Rumänien eingewandert und infolgedessen ihrer Staatsbürgerschaft entkleidet worden sind, dürfen jetzt damit rechnen, die Arbeitsbewilligung zu bekommen. Hunderte von Konzessionen zum Ausschank von Wein und Spirutosen sind jüdischen Besitzern von Gasthäusern und Schankstuben zurückgegeben worden. Die Drohung, jüdische Kaffeehäuser zu schliessen, ist nicht durchgeführt worden. Die Aberkennung^ der Praxis von Advokatnn, Aerzten und Ingineuren ist Rückgängig gemacht worden. Die Juden können auch Mitglieder von Vereinigungen werden, aus denen sie bisher ausgeschlossen worden sind. Es ging keine antisemitische Propaganda mehr in Regierungszeitungen und Juden werden auch als Mitglieder in der neugebildete Vaterländische Front aufgenommen, jene Regierungsorganisation, die alle Parteien umschliesst. Die bekantesten Antisemiten wurden von der Leitung der Vaterländischen Front ausgeschlossen. Im Rat dieser Front, die 150 Mitglieder zählt, gibt es nur zwei Personen, deren antisemitische Haltung stark hervortrat, nämlich Cuza und Istrati. Eine flammende Ansprache des Oberraes. Akiba Schreibers zum 7. Adar. Bratislava. Wie alljährlich hielt auch heuer seiner Ehrw. Herr Oberrabbiner Akiba Schreiber anlässlich des siebenten Adar einen grossangelegten u. inhaltsreichen Vortrag. Herr Oberrabbiner benützte die Gelegenheit auf die traurige Lage ges jüdischen Volkes hinzuweisen. Alle Anstrengungen und Hilfsaktionen unsererseits, so wichtig und bedeutend sie auch sind, stellen nur eine ganz kleine Teillösung dar. Die wirkliche Hilfe könne uns nur der Allmächtige verleihen. Der Ewige wartet aber auf unsere Tschüwo, beeilen wir uns daher mit unserer Reue une Verbesserung und haben wir etwas mehr G-ttvertrauen, dann wird die wirkliche und endgültige Hilfe nicht ausbleiben. Die Zuhörer waren sichtlich von diesen vom Herzen zu den Herzen dringenden Worten sehr gerührt und wir wollen hoffen, dass sie ihre Wirkung nicht verfehlen werden. — Dr. Geza Fisch Augenarzt Bratislava, Sladkovicova 11. ord. 10—12 u. 3—5. Erste Zusammenkunft zwischen Vertretern der Juden Araber und Englands. Judendebatte im schwedischen Reichstag. Nach der Evian-Konferenz rasche Hilfe nötig.

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