Jüdische Nachrichten
- Journal
- Jüdische Nachrichten
- Volume
- 9 (1939)
- Issue
- 7 (16.2.1939)
- Date
- 1939-02-16
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 JUDISCHE NACHRICHTEN 16. Februar 1939 Stellung von Gesetz und Ordnung im Lande. Die schwankende Politik der britischen Regierung sei schuld an den jetzigen Unruhen. Die britische Regierung möge den Wert der jüdischen Freundschaft nicht unterschätzen, der Jischuw verfüge, besonders wirtschaftlich, über bedeutende Kräfte. Chamberlain und MacDonald beraten mit den arabischen Delegationen. Unmittelbar nach Abschluss der ersten englisch-jüdischen Arbeitssitzung begab sich Kolonienminitter MacDonald in das Garhon Hotel, um mit den Delegierten der Nashashibi Partei zu verhandeln. Anschliessend daran stattete der Kolonienminister den Mufti-Vertretern einen Besuch ab. Bereits am Vormittag hatte MacDonald in Gegewart der Vertreter Aegyptens, Saudy-Arabiens und des Irak mit den Nsshashibi-Delegierten über die Zusammensetzung der palästinensisshen Delegation verhandelt; diese Verhandlungen waren dann am Nachmittag im St. James Palace fortgesetzt worden. Verhandlungen unter den Arabern selbst fanden schliesslich während eines Empfanges statt, den das Arabische Zentrum in London am Mittwoch nachmittag für die arabischen Delegierten veranstaltete. Premierminister Neville Ghamberlain empfing am Mittwoch nachmittag die Nashashibi- Delegation zu einer kurzen Aussprache. Die weiteren englisch jüdischen Arbeitssitzungen. London. In den zweiten englisch-jüdischen Arbeitssitzung am Freitag vormittag, die zweiundviertel Stunden dauerte und an der von englischer Seite Kolonienminister Malcolm Mac Donald und Unlerstaatssekretär R. A. Butler teilnahmen, machte der erstere seine Bemerkungen zu der von Prof. Ch. Weizmann zur Darlegung der jüdischen Sache abgegebenen Erklärung. Aui die Ausführungen MacDonalds folgte eine kurze Debatte, die allgemeinen Fragen grundsätzlicher Natur gewidmet war. Die nächste Sitzung mit der jüdischen Delegation fand am Monntag nachmittag statt. Am Sonnabend nachmittag fand die zweite englisch-arabische Arbeitssitzung statt, Während am Donnerstag abend mitgeteit worden war, dass zwischen den Mufti- Vertretern und den Nashasbibi-Delegierten eine Einigung über eine gemeinsame palästinensischarabische Vertretung erzielt worden sei, wurde am Freitag bekannt, dass neuerdings wesentliche Schwierigkeiten aufgetaucht sind, die unter Umständen zur Folge haben können, dass weder Ragheb Bey Nashashibi noch Yacnub Effendi Farraj an den Sitzungen der Koferenz teilnehmen werden. Unter den Nashashibi-Leuten ist man der Ansicht, dass Ragheb bey Nashashibi am Donnerstag lediglich unter den vereinten Druck der Regierung und der arabischen Staaten nachgegeben uud das Abkommen unterzeichnet habe. Gewisse Anzeichen sprechen defür, daß die Nashashibi-Gruppe jetzt eine Politik der passiven Resistenz gegen dieses Abkommen betreiben wolle. Die Forderungen der Araber. Am Freitag, 10. Februar, in den späten Abendstunden, wurde ein Communiqune über Die cecho-slov. Presse Die säm. Presse nimmt, je nach Parteizugehörigkeit, zu den Verordnungen über die Revision der Staatsbürgerschaften und die Regelung des Status der Emigranten bezw. deren Ausweisung aus der CSR. Stellung. So schreiben „Lidove noviny", der Grund für die Verordnungen sei in erster Linie in der heuligen internationalen Lage zu suchen; die heutigen Verhältnisse erlauben es der BSR nicht, Emigranten Asyl zu gewähren. Bei der Revision der Staatsbürgerschaften kommen vor allem Personen jüdischer Abstammung in Betracht, deren beide Elternteile Juden sind. Was die Emigranten betrifft, so hänge diese Frage mit dt. internationalen Interessen des Staates zusammen. „Lidove noviny" treten dafür ein, die erste englisch-arabische Arbeissitzung ausgegeben mit folgenden vier Forderungen : Anerkennung des Rechtes der Araber anf vollständige Unabhängigkeit in ihrem Lande. Aufgeben des Versuches, ein Jüdisches Nationalheim in Palästina zu errichten. Widerruff des Mandates und <(der sich aus diesem ergebenden Ungesetzlicheiten" und Ersetzung desselben durch einen Vertrag — ähnlich dem zwischen England und dem Irak geschlossenen Vertrag — auf Grund dessen in Palästina ein souveräner arabischer Staat geschaffen werden soll; schliesslich sofortige Einstellung jeglicher jüdischen Einwanderung und des Bodenverkaufs an Juden. Weizmanns Ansicht über eine ev. Zusammenarbeit mit den Arabern. In seiner offiziellen Erklärung von der Palästina-Konferenz sagte Dr. Weizmann u. a.: Ich bin aufrichtig übezeugt, dass sich die Juden und Araber auf einer gemeinsamen Ebene treffen könnten, die für beide vom Vorteil sein werde. Dies könne aber nur auf der Basis des Mandates geschehen. Es müsste eine jüdische Einwanderung ach Palästina in grossem Umpfange und einsprechend der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes gestattet werden. Die Wurzel des jüdischen Uebels sei die Heimatslosigkeit des jüdischen Volkes. Die Juden müssen doch endlich irgendwo auf der Welt Herren ihres eigenes Geschickes sein. Die Forderung nach Zion sei von uns niemals aufgegeben worden und die jüdische Gemeinde habe dort nie aufgehört zu existieren. Diese unsere historischen Rechte müssen auch die Araber anerkennen. „Ich erhebe die feierliche Bitte, so schloss Weizmann, dass Sie, die britische Regierung meinem Volke in dieser dunklen Stunde Gerechtigkeit widerfahrea lassen." Stephen Wise über die öffentliche Meinung Amerikas. Unmittelbar nach seinem Eintreffen in London gab Dr. S. S. Wise der Jüdischen Telegraphen-Agentur eine Erklärung ab, in der er u. a. ausführte : Die Hauptaufgabe der amerikanisch-jüdischen Delegation zur Londoner Palästinakonferenz wird darin bestehen, die britische Regierung restlos über die öffentliche Meinung Amerikas in Bezug auf Palästina zu informieren. Insbesondere ist es unsere Aufgabe als Amerikaner, die Aufmerksamkeit der britischen Regierung darauf zu zu lenken, welchen Sturm der Entrüstung im Oktober v. J. in Amerika das blosse Gerücht hervorgeruffen hat, dass die Tore Palästinas für die Juden geschlsssen und Beschränkungen für den Bodenerwerb auferlegt werden sollen. Nie zuvor in meinem Leben konnte ich eine so geschlossene öffentliche Meinung feststellen wie damals in den USA : Die Führer des Staates, die hervorragendsten Staatsmänner, die Rektoren der Universitäten brachten ihren stärksten Protest dagegen zum Ausdruck, daß Balfour-Deklaration und Mandat zu gleicher Zeit gefährdet sein und die Tore Palästinas im Angesicht einer riesigen Arme heimatsloser jüdischer Flüchtlinge geschlossen werden sollen. Die Worte, die Präsident damals im Namen der Nation gesprochen hat, waren ein ernster und feierlicher Protest. ■■^■■■■^■■■■■■■■■BSBEWni zu den Verordnungen. dass bei der Durchführung der Verordnungen Ausnahmen gemacht werden, u. zw. hinsichtlich reicher Juden, die von ihrem Barvermögen leben, sowie solcher, an deren Fachkenntnissen und -wissen die CSR. ein direktes Interesse hat, und schliessl: Ein kleiner Staat kann die Judenfrage nicht so regeln, wie es die radikalen Elemente wollen, sondern nur im Rahmen des Möglichen. Dies besonders dann, wenn der kleine Staat deutlich fühlbar von der ganzen Welt abhängig ist. Rumänien z. B. verlangt, dass die Judenfrage durch internationale Zusammenarbeit gelöst werde; dieser Gedanke wird auch in der CSR. als ein vernünftiger und gesunder Standpunkt betrachtet. Orthodoxie und Organisation. (Fortsetzung.) Was hätte eine auf breiter Basis gestellte und nicht nur zeitweise tolerierte, sondern von den massgeblichen Faktoren mit allen Mitteln unterstützte Organisation, alles bieten können? Zunächst die durchdringung des religiösen Primats auf allen Gebieten des jüdischen Lebens! Wie hätten unsere gesamten Institutionen aussehen müssen, wenn die Dynamik der Organisation auf deren Funktionäre und deren Wirken eine entschiedene Ingerenz ausgeübt hätte? Wie hätte das gesamte Gesellschaftsleben grundlegend anders aufgebaut werden können und wie wäre schon heute d :r unbedingte Einfluss einer solchen kraftvollen Organisation bis in die Familie eingedrungen, sodass wir eine gewappnete und gestählte Generation der Schwere der Zeit hätten entgegenstellen können? Wieviel materielle Kräfte zum Aufbau und Ausbau religiöser Positionen hier, aber noch mehr im Lande dem unser ganzes Sehnen gilt, sich da ergeben hätten, wie anders sich die Konstellation der Führung jüdischer Belange in der Welt und auch in Erez Jisroel hinauskristalisiert hätte, alldies können wir ungefähr an den Erfolgen Anderer ermessen. III Doch liegt der Zweck dieser Betrachtung — wie wir bereits sagten — nicht im Negativen. Wir haben vielmehr den grossen Komplex unterlassener Arbeit deshalb skizziert, damit wir daran erkennen, was wir— allerdings unter bedeutend eingeschränkten Möglichkeiten — noch tun können resp. raschest tun müssen. Wir müssen zu allen aktuellen Problemen wenn sie noch so schwierig und noch so wenig erfolgversprechend sind, positiv Stellung nehmen. Die „schew weal taase"-Taktik hat sich nicht nur nicht bewährt, sie hat bereits Katastrophale Folgen gezeitigt. (Fort, folgt.) Propagandachef San© Mach gegen Radikalismus. In Piesfany hielt der PropagandachefSano Mach eine Rede, in der er erklärte, es sei unrichtig, was jenseits der Grenzen und dazu sogar vom katholischen „La Croix" verbreitet werde, dass in der Slovakei ein schreckliches Regime herrschte, dass sogar die Priester verfolge. Richtig sei, dass die Hlinka-Garde auch gegen jene Katholiken auftrete, die die Arbeit der neuen Slovakei stören und fremdes Geld in Volk Unruhe hervorrufen wollen. Man müsse genau die Leute in Augenschein nehmen, die am liebsten jeden Juden und jeden Cechen aus der Slovakei davonjagen möchten, das sei ganz unmöglich. Viele Gendarmen und Offiziere seien Cechen, viele Aerzte und Advokaten Juden allein wenn man diese Personen auf einmal aus der Slovakei davonjagen würde, so hätte man keinen erfahrenen Menschen, die sie ersetzen könnten. „Wir wissen", sagte der Propagandachef, dass das Kapital international ist und dass es sich nur dort hält, wo Ordnung und Rechtssicherheit besteht. Die Slovakei wird eine Anleihe ausschreiben, damit jeder Einzelne zeigen kann, dass er für den Aufbau des neuen Landes alles opfern will, um den Staat in Wohlstand zu bringen. (Selbstredend werden es die Juden in der Slovakei als ihre Pflicht betrachten, bei dieser Anleihe vor den anderen Bürgern des Landes nicht zurückzustehen. Die Red.) — Predseda sloveoskej vlädy dr. Josef Tiso prijal v utorok Rabina Stranskeho zo 2iliny, s ktorym mal rozhovor o rieseni zidovskej otazky v sdvislosti s konferenciou v Londyne. nT3X nDtrrt- Am Freitag-, den 10. Feber ist vom Staatsautobus zwischa Presov-Vranov ein Reisekoffer u. a. mit Tahs und Tefilin verloren gegangen. Wer davw<k Kenntnis hat, wird gebeten nebst Vergütung der Kosten an Sega? Kuffabrik Chusf, es zu melden.