Mannheim
Compact Memory

Jüdische Nachrichten · 1939-01-26 · 4 (26.1.1939) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Nachrichten
Volume
9 (1939)
Issue
4 (26.1.1939)
Date
1939-01-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9607246-9597272-9597291--21-9597292
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

ZIDOVSKE ZPRAVY?rgan vleob. zaujmov orth. fldovitva. WöSnaKJ "VE r«3"i5< yrcjnrwrx .ihbx n-i ♦ooiBiynv «ntsiN cjh Erscheint jedan Donnerstag ♦P'B1? tD'sin loa» 1 'aK»na"KTiK^D',toK,na «ra Bratislava*Presov, am 26. Januar 1939. IX. Jahrgang. * No. 4. RICHT ORGAN FÜR DIE TRADITIONELLEN UND ALLG. INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Bratislava, Grössling 12 Pretov, Jarkova ul. 36. 1 ABONNEMENTSPREISE: Ganzjährig K£ 80.- Halbjährig K£. 40: M HERMAN KLEIN. Mit Übernahme von 3 Nummern ist das Abonnement anerkannt. wxüüi' mt'impmi!fw^miwwfi^1wsswn m^^-w 'ip'ipV'VWW'W^ WOHIN? Einige Zeitungen brachten die Nachricht, dass Mussolini mit der Bedingung, dass auch England und Frankreich ihrerseits beitragen, geneigt wäre von einem Teil Abesiniens ein autonom jüd. Stadt zu gründen. Sir Artur Salter, Mitglied des engl. Unterhauses schrieb einen Art. im Times, England soll von seinem Kolonialreich der jüdischen Siedlung ein entsprechendes Territorium zur Verfügung stellen. Dieses Gebiet soll ein neues Dominion des engl. Weltreiches sein. Um diese Pläne ist es wieder still geworden. Ein permanentes Wanderen von Land zu Land charakterisiert die Lange zweitausendjährige Galutgeschichte des jüdischen Volkes, aber noch nie während dieser Wandergeschichte war die Zahl der Juden die sich in Not befinden so gross wie heute. Das Judentum in ganz Europa, ausgenommen einige Weststaaten wo die Zahl der Juden nur gering ist, steht vor dem Abgrund oder Auswanderung. Fast alle unsere Brüder suchen irgendwo auf der Erde einen Platz wo sie ruhig ohne gehetzt zu werden und ohne jeden Tag neue Judengesetze zu befürchte, leben könnten. Es werden Kolektiven zu zehn oder sogar hunderte Familien organisiert um sich in Länderen niederzulassen die für Europäer, oder wegen der dortigen klimatischen oder anderen Verhältnissen, gar nicht geeignet sind, wie Guayana, Bolivien oder sogar Alaska. Es geht eine Wanderung nach allen vier Himmelsrichtungen, Rhodesien, Neu-Zeeland, Nikaragua, Cuba usw. und überall bleiben sie eine Minderheit wo sie nur geduldet werden. Im Jahre 1905 als die Pogrome von der zaristischen Regierung in Russland organisiert wurde, da wanderten die Juden in Massen konzentriert nach den Vereinigten Staaten v. Amerika. Diese konzentrierte Wanderung nach der USA. war auch keine Lösung des Wanderenmüssen Problems, jedoch wurde ein neuer jüd. Zentrum in der USA. geschaffen, dass dem Gesammtvolke nach Jahren sowohl wirtschaftlich wie kulturell vom Nutzen war. Wohin führt aber diese jetztige dezentralisierte und unorganisierte Wanderung? Von einer Zersplitterung in einer noch grösseren! Wie die Lage der Juden in Europa ist, bleibt nichts übrige als ein Exodus, In den allernächsten Jahren müssen fünf bis sechs Millionen ihre Wohnsitze verlassen. Wie aber dieses Exodus vor sich Der Waad-Leumi warnt die brit. Regierung. Der Waad Leumi hielt eine dringende- Konferenz ab, die sich mit dem von der' Jewish Agency gemachten Vorschlag, dass der Waad Leumi drei Delegierte für die bevorste-5 hende Londoner Palästinakonferenz, die einen vollen Tag dauerte, veröffentlicht der Waad Leumi eine Proklamation, in der die britische Regierung gewarnt wird, ihre gegenwärtige „Politik des sich dem Terror Auslieferns" fortzusetzen. Diese Politik, so heisst es in der Proklamation, hat ihren Ausdruck gefunden in der Ablehnung der Zulassung von 10,000 Flüchtlingskindern aus Deutschland in Palästina, für welche die Verantwortung zu übernehmen der Jischuw sich bereit erklärt habe. Die wiederholt seitens der britischen Regierung erfolgten Ankündigungen, dass Aenderungen in Palästinamandat vorgenommen werden würden, hätten zu einer Verschärfung des Araberterrors im Lande geführt. Diese Ankündigungen hätten auch die Pazifisierungsbestrebungen der britischen Truppen in Palästina beeinträchtigt - und sie würden auch in Zukunft dem Lande nur weitere Katastrophen bringen. ' Entgegen einer früheren Meldung, wonach der Waad Leumi bereits beschlossen habe j* drei Delegierte zur Londoner Palästinakonferenz zu entsenden, wird jetzt mitgeteilt, daß hinsichtlich des diesbezüglichen Vorschlage der Jewish Agency noch kein Entschluss gefasst worden ist. Juden. Araber und Engländer beraten gemeinsam in Tel-Aviv. Zum erstenmal seit Ausbruch der neuen Unruhewelle i. J. 1936 versammelten sich in Rotary-Club zu Tel Aviv arabische Notabein, Engländer und Juden zu einer gemeinsamen Beratung. Die Redner aller drei Parteien, unter ihnen der arabische Bürgermeister von Jaffa, der Vizebürgermeister von Tel Aviv Dov Hos und der englische Richter Gressol, unterstrichen die Notwendigkeit der Zusammenarbeit aller Palästina bewohnenden Nationalitäten. Ministerpräsident Stojadinovitsch zur Judenfrage. Der Belgrader Korrespondent des „Petit Parisien" veröffentlicht ein Interwiew mit dem jugoslavischen Ministerpräsidenten Dr. Stojadinovitsch. Der Ministerpräsindent erklärte „Antisemitismus existiert nicht in Jugoslavien. Die 80.000 jugoslavischen Juden haben völlig gleiche Rechte wie die anderen Bürger. Unsere Stellung, seit Monaten festgelegt, ist unverändert: so lange die Juden ihre Loyalität beweisen, wie es beispielweise stets die Belgrader Juden getan haben, gibt es keine jüdische Frage. Die Zukunft wird also von den Juden selber abhängen. Nur ein Mangel an Loyalität auf ihrer Seite würde die Lage verändern können." geht wird das Problem nicht gelöst sonderen verschleppt. Es gibt nun eine wichtige Endgültige Lösung und die ist dass eine Masse, so gross wie nur möglich nach Palästina kommt. Wenn der Weg, wie Jabotinsky sagte, der über die Brücke führt nicht frei ist, dann durch den Weg der unter der Brücke geht.. . Palästina hat aber nicht die Möglichkeit jene grosse Zahl aufzunehmen, die eben auswanderen müssen. England hat uns Juden Transjordanien, das auch in der Belfour Deklaration einbegriffen war abgenommen, wir haben das Recht daher, von England ein entsprechendes Territorium als Ersatz zu verlangen. England hat viele Kolonien die sehr wenig bevölkert sind und wir Juden ein Volk von 17 Millionen haben auch ein Recht zu Leben! England hat die Möglichkeit uns eines Ihrer Kolonien als autonomes Gebiet abzutreten, wo dieses gehetzte Volk ein eigenes Land neben Palästina, das klein ist weil durch England verkleinert aufbauen kann. Ein Land das unser sein wird, wo wir in absehbahrer Zeit die Mehrheit bilden werden und es so einrichten wie es uns wirtschaftlich und kulturel am Besten entspricht. Das englische Volk und auch ander Kulturvölker haben ihre Sympathien gegenüber uns Verfolgten bekundet. Von diesem Mitleid haben wir aber bis nua nur schöne Worte wie Proteste und Konferenzen, nichts oder nur sehr wenig praktisches. Wir erwarten vom engl. Volk eine wirkliche Hilfe und diese kann nur sein, dass sie und eins ihrer vielen Kolonien zur Verfügung stellt, damit die Wanderung nach Erez Jisroel und nach diesem einem Lande ausser E. J. konzentriert wird. Nur so wird das Problem richtig gelöst. Was jetzt vor sich geht ist nur ein Flüchten von einem Golus ins andere, und in einem Jahr oder nach zehn Jahren ist das Schreckliche wieder da — „Wohin"? Efraim Hr.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.