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Jüdische Nachrichten · 1939-01-19 · 3 (19.1.1939) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Nachrichten
Volume
9 (1939)
Issue
3 (19.1.1939)
Date
1939-01-19
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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19. Januar 1939 JUDISCHE NACHRICHTEN 7 BERICHTE KALENDER SCHABOS YOEROH, SCHEVAT i. Schabbos Rajsch-Chajdesch Lichtzünden (in Bratislava).....4.30 nsti'-Ausgang.........5.20 jjötp nxnp |ÖT tjlD 9.— pmn nprca pban nron ...... 6.30 Die Adresse der Brtislavaer Redaktion ist: Bratislava, Grössling 12. Sämtiiche Zuschriften und Geldüberweisungen sind an diese Adresse zu richten. — Das jüdische Problem von Chamberlain und Mussolini berührt. Rom. Wie die ITA zuverlässig erfährt, ist man in massgebenden politischen Kreisen überzeugt, dass im Verlaute der Besprechungen zwischen Chamberlain und Mussolini im Palazzo Venezia am Nachmittag des Donnerstag 12. Januar, bei der Behandlung der wichtigen internationalen Fragen auch die jüdische Frage berührt wurde. „Die Judenfr^ge werde ohne Nachahmen gelöst". Prag. Das Organ der Regierungspartei „Venkov" schreibl, es unterliege keinen Zweifel, dass die Judenfrage, ebenso wie in allen Ländern, die sich in der Einfluss-Sphäre der Achse Rom-Berlin befinden, auch in der Tschecho-Slovakei gelöst werden wird. Die Judenfrage sei zwar innenpolitisch bedeutungslos, belaste aber die Entwicklung der aussenpolitischen Beziehungen. Die Regierung werde sie den eigenen Erfordernissen entsprechend, ohne Diktat von aussen, ohne Nachahmung eines fremden Musters, offen und loyal lösen, Vorsicht sei hierbei geboten. — Der Status der amerikanischen Juden in Italien wurde seit der Unterredung zwischen Botschafter Philipps und Mussolini nicht geklärt. Rom. In eingeweihten Kreisen verlautet, dass es im Verlaufe der 40 Minuten dauernden Unterredung zwischen dem amerikanischen Botschafter in Rom William Philipps und Mussolini zu keiner Einigung über die Frage des Status der in Italien lebenden amerikanischen Juden gekommen ist. Desgleichen ist die seitens der amerikanischen Regierung unmittelbar nach Veröffentlichung des italienischen Dekrets, das sämtliche ausländischen Juden zwingt, bis zum 12. März 1939 Italien zu verlassen, an die ital. Regierung ergangene Note nicht beantwortet worden. Die amerik. Regierung hat ihren Botschafter nunmehr strikte angewiesen, eine Unterscheidung in der Behandlung der amerikanischen Staatsbürger in Italien nicht zu akzeptieren. In seiner Unterredung mit Mussolini hat Botschafter Philipps dem Duce eingehend die Stellung Roosevells und der amerikanischen Oeffentlichkeit zu dieser Frage dargelegt und festzustellen versucht, wie weit Mussolini bereit wäre, an einer grosszügigen Lösung des Flüchtlingsproblems mitzuarbeiten. •— In Polen wird die Judenfrage gemeinsam mit den jüdischen Vereinigungen gelöst. Havas meldet : Ministerpräsident General Skladkovski erklärte im polnischen Sejm, dass in Polen die Judenfrage nicht mit Gewalt, sondern durch die Zusammenarbeit der Regierung mit den jüdischen Vereinigungen, die sich mit der Auswanderung befassen, gelösst werden würde., — Die ausländischen Juden auf Rhodes müssen die Insel bis 28. Februar verlassen. Laut einer in Paris eingetroffenen Meldung haben die italienischen Behörden auf Rhodes sämtlichen auf der Insel lebenden ausländischen Juden mitgeteilt, dass sie bis spätestens 28. Februar auswandern müssen, widrigenfalls die zwangsweise „Abschiebung und die Auferlegung einer Geldstrafe von 5000 Lire, verfügt werden. Fast sämtliche auf Rhodes lebenden 4000 Juden sind Ausländer. Viele von ihnen sind dorthin \\. , nd der griechisch-türkischen Feindseligkeiten 1920 bis 1922 aus Smyrna geflüchtet. Eine Abordnung der auf Rhodes lebenden Juden sprach bei den Behörden vor. Auf ihre Frage, wohin die ausgewiesenen Juden auswandern sollen, wurde ihnen zur Antwort gegeben : „Ueberall hin, nur nicht auf italienischen Boden." — Senator Borah: In den USA kann man, ungeachtet Rasse oder Religion, ein Amt bekleiden. Washington. In einer Sitzung der juristischen Kommission des Senats wandte sich Senator Borah gegen die in manchen Kreisen geäusserte Ansicht, dass die Berufung von Prof. Felix Frankfurter in das Oberste Gericht ein Anwachsen des Antisemitismus in den Vereinigten Staaten mit sich bringen könnte. Es ist, sagte er, das Prinzip unserer Regierung, dass man ungeachtet Rasse oder Religion ein Amt bekleiden kann. — Die Vorbereitungen zur Entsendung einer Untersuchungskommission nach Britisch-Guyana abgeschlossen. London. Das Colonial Office bestätigt, dass die Vorbereitungen zur Entsendung einer Untersuchungskommission durch amerikanisch-jüdische Organisationen nach Britisch-Guyana abgeschlossen worden sind. Die lokale Regierung in Britisch-Guyana, sowie Fachleute auf dem Gebiete der Landwirtschaft werden die Kommission in ihren Arbeiten unterstützen. — Der neue Flüchtlingskommissar verhandelt in Prag. Prag. Der neue Völkerbundhochkommissar für die Flüchtlinge Sir Herbert Emerson weilt gegenwärtig in Begleitung des ersten Sekretärs des Hochkommissarials Lord Duucannon in Prag, wo er mit den zuständigen Behörden und den Auswanderungsorganisationen über die Auswanderung jüdischer und politischer Flüchtlinge, insbesondere der aus Deutschland-Oesterreich, verhandelt. In Völkerbundkreisen ist man über das weitere Schicksal der 1200 politischen und der 3000 jüdischen Flüchtlinge in der CSR. äusserst besorgt; man sucht gegenwärtig Mittel und Wege, um ihnen eine baldige Auswanderung zu ermöglichen. ■^Äm 14. und 15. Januar „Palästina- Konferenz" in Washington. New York. Am 14. und 15. Januar findet in Washington eine „Palästina-Konferenz" statt, zu der Hunderte führende jüdische Persönlichkeiten aus allen Teilen der Vereinigten Staaten erwartet werden. Es werden Referate über Palästina im J. 1938 und über die Rolle der amerikanischen Juden beim Aufbau Palästinas gehalten werden. Die Koferenz wird u. a. von dem führenden cecho-slovakischen Gesandten in London Jan Masaryk, dem Vorsitzenden der Joint Distribution Gommittee Campaign Rabbi Jonah B. Wise und dem palästinensischen Arbeiterführer Joseph Baratz begrüsst werden. — Die palästinensisch-rumänische Handelskammer in Bukarest aufgelöst. Bukarest. Die Behörden haben die palästinensisch-rumänische Handelskammer in Bukarest mit der Begründung aufgelöst, dass sie die gesetzlichen Bestimmungen über Aussenhandel und Devisenbeschränkungen verletzt und von den Mitgliedern Beiträge und Spenden angenommen hat. In den rumänischen Wirtschaflskreisen ist man über die verfügte Auflösung überrascht; sie halten die gegen die Kammer erhobenen Beschuldigungen für absolut schuldlos. Man betont in diesem Kreisen, dass die palästinensisch-rumänische Handelskammer eine der besten Institutionen dieser Art in Rumänien gewesen ist und dem Lande wertvolle Dienste geleistet hat, zeigt doch die palästinensischrumänische Handelsbilanz ein Verhältnis von 6: 1 zugunsten Rumäniens. Darin, dass die Kammer von ihren Mitgliedern Beiträge und Spenden eingenommen hat, könne keine ungesetzliche Handlungsweise erblickt werden; dieser Vorgang sei ganz normal und in sämtlichen in Rumänien etablierten Handelskammern üblich. — Der oberste Chef der Terrorbanden in Palästina tritt zurück. London. Blättermeldungen aus Damaskus zufolge hat Abdul Rahim el Haj Mohammad seine Funktion als oberster Chef der arabischen Terrorbanden in Palästina niedergelegt und Palästina verlassen. Er ist bereits in Damaskus eingetroffen. KORRESPONDENZEN: * RABBINERAFFIDAVIT : Rabbiner, die als solche in einer jüdischen Gemeinde der USA. akzeptiert sind, können ausserhalb der normalen Quote nach Amerika auswan- C AN ADA : Einwandern können : 1.) Frauen (und Kinder unter 18 Jahren), deren Gatten oder Väter sich in Canade aufhalten und auf gesetzlichem Wege dorthin eingewandert sind. Erforderlich ist eine Genehmigung der canadischen Regierung. (Permit) 2.) Ledige Mädchen, die zum Zwecke der Eheschliessung zu ihren Bräutigam nach Canada reisen. (Permit erforderlich.) 3.) Landwirtfamilien, die sich in Canada ansiedeln und Farmwirtschafl betreiben wollen. Besondere Bewilligung und Nachweis von mindestens 1.000 Dollar sind erforderlich. Aerzliche Untersuchungen ist bei allen Fällen obligatorisch. Angehörige anderer als landwirtschaftlicher Berufe haben fast gar keine Aussicht einwandern zu können. Dessen ungeachtet zeigt Canada die Bereitschaft, jüdische Emigranten freier Berufe, sofern sie Ingenieure und Chemiker sind, aufzunehmen, nicht aber Aerzte und Juristen. CHILE : Wir berichteten bereits vorige Woche, dass nach Chile derzeit Einwanderungsmöglichkeiten bestenen. Der Mindestbetrag der hierzu pro Person erforderlich ist, beträgt 120 Pfund, für die Frau 60. Pf., für Kinder je 50 Pfund. Anmeldungen nimmt die Hicem, Zentrale in Rratislava entgegen. * In dieser Rubrik wollen wir alle Anfragen allgemeiner Natur, ständig beantworten. BSBS^^^^^^SSBSBB^^^^^^BE^EBIE^^HSnHBBHHDKHlH^HIflH^BB^HI — Das Verteilungskomitee des Baldwin- Fondes konstituiert. London. Lord Baldwin hat die folgende Zusammensetzung des Verteilungskomitees des Lord Baldwin-Fondes bestätigt : Lord Baldwin, Vorsitzender; Generalmajor Sir Neill Malcolm, Vizevorsitzender; Lord Grey, Lord Bearsted, Lord Rankeiiiour, Lord Rothschild, Sir Geoffrey Frey, Abg. Geodfrey Nicholson, Rev. Henry Carter und Rev. R. C. Macanna. Das Komitee wird die aufgebrachten Gelder unter Christian Council for Refugees, den Council for German Jewry und den Scottish National Council aufteilen. — Bnruhigende Erklärungen des litauischen Ministerpräsidenten zur Judenfrage. London. Der Korrespondent des „Daily Telegraph" in Kaunas berichtet seinem Blatte über ein Interwiew, das ihm der litauische Ministerpräsident Maronis gewährte und in welchem dieser u. a. zu den im Ausland verbreiteten Meldungen über ein Anwachsen des Antisemitismus in Litauen Stellung nahm. Danach habe Ministerpräsident Maronis erklärt, dass sich die litauische Regierung mit aller Schärfe ge. gen jede Diskriminierung der Minderheitendarunter auch der jüdischen Minderheit, wende, — Eine schwedische Meldung über die geplante Gründung einer Wanderungsbank. Stockholm. „ venska Dagbladet" meldet, dass eine Gruppe von jüdischen Finanzleuten in Schweden, Polen und Vereinigten Staaten den Plan hat, in Amerika eine Bank zur Erleichterung der jüd. Auswanderung aus Deutschland und Polen zn gründen. Der Bankier Olaf Aschberg begebe sich dieser Tage nach Paris, um dortselbst die Verhandlungen im Zusammenhang mit diesem Plan zu führen. Im Anschtuss daran werde er sich am 18. Januar nach New York einschiffen. Das Projekt soll später einer Reihe Regierungen zur Prüfung und Unterstützung unterbreitet werden. Die Hauptbüros der zu gründenden Bank sollen sich in Polen und den Vereinigten Staaten befinden. — Bis auf weiteres keine Einwanderung jüdischer Flüchtlinge auf Trinidad. London. Der Executivrat der Insel Trinidad hielt eine ausserordentliche Sitzung ab, in der er sich mit der staendig zunehmenden Zahl der aus Europa eintreffenden jüdischen Flüchtlinge befasste. Im letzten Halbjahr trafen mehr als 500 jüdische Fluechtlinge auf der Insel ein, weitere Fluechtlinge werden erwartet.

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