Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Journal
- Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Volume
- 2 (1929). Bestand LBI
- Issue
- 1 (3.1929) Sonderheft: Soziale Woche in Seesen
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 22 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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den Mitarbeitern und den Stellen gegenüber, an die «vir im Interesse der Arbeit und der Arbeitenden diese Forderungen stellen. Im gesamten Gebiet des Tagesheiinarbeit ist für die Jugend der Jugendblinde die Möglichkeit gegeben, produktiv (für sich und für die Sache) mitznarbeiten. Mädchen können bei den Säugl »gen und Kleitikindern, in der Wirtschaft und bei älteren Kindern, Jungen vor allem im 5)ort Helsen, beim Sport, jhandiverk und Spiel, in Lesestllben und Tageskolonien. In den Ferien «»erden einigermaßen befähigte Helfer, die regelmäßig kommen mid «villig sich einordne», zum Rußen aller Parteien «nitarbeiten können, und vielleicht Ist dies ein Weg, geeignete neue Kräfte fiir uns zu gewinnen Dt. Georg üubinsti: Jugendpflegearbeit der Jugendbewegung Zunächst eine prinzipielle Frage: warum überhaupt Jugendpflegearbeit? Die Jugendbewegung logt mit Recht Wert auf die Beantwortung dieser Frage, weil sie allen Anlaß hat, Bestrebungen, die von staatlichen Einrichtungen oder von Gemeinden ausgehen, zunächst einmal mit einem gewissen Mißtrauen gegenüberzustehen. Die Frage beantwortet sich von selbst, «venn wir uns darüber klar werden, daß die jüdische Jugendbewegung nur einen Teit der gesamten Jugend erfaßt. Die Jugendbewegung hat soziologische Grenzen: ihr gelingt es in der Regel nicht, in jüdische proletarisierte Schichten hineinzukommen. Sie hat auch psychologische Grenzen: sie erfaßt nur einen bestimmten Typ der Jugend. Es bleibt eine große Zahl von Unorganisierten übrig, deren Erfassung heute mehr und mehr zu einer selbstverständlichen Aufgabe wird. Die Jugendpflegearbeit soll neben der Arbeit der Jugendbewegung nur subsidiären Charakter haben. Sie soll erst dann einietzen, wenn die Jugendbewegung ihre Aufgabe der Erfassung nicht erfüllt. Sie wird daher von vomherein in der Regel mit einer anderen sozialen Schicht zu rechnen und ihre Methoden hiernach anzupassen haben. Der Jugendpflegearbeit stellen sich im Vergleich zur Arbeit der Jugendbewegung eine Reihe von Schwierigkeiten dar. Die Arbeit der Jugendbewegung steht unter einer leitenden Idee, der Bund stellt Forderungen an die Einzelnen, die freudig erfüllt werden. Der Führer braucht pädagogisch nicht besonders er'ahren zu sein, well die gesamte Arbeit vom Bunde, d. h. von einem Geiamtbewußtsein getragen wird. Anders die Jugendpflege. Ihr fehlt diese leitende Idee. Der Einzelne stellt Forderungen an die Jugendpflegegruppe. Er fragt: was habe ich davon, was gibt sie mir? Er ordnet sich nicht freiwillig unter, denn Unterordnung kennt er von der Schule und von der Arbeitsstelle her. 5)ier will er einmal frei sein, will umworben werden, will die Menschen, die ihm sonst als Vertreter der sozial bessergestellten Klafle erschienen sind, Herabziehen. Er will Unterdrückung, die er selbst erfahren hat, an den Führern vergelten. 22