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Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände · 1929-03-01 · 1 (3.1929) Sonderheft: Soziale Woche in Seesen · p. Seite 20

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Journal
Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
Volume
2 (1929). Bestand LBI
Issue
1 (3.1929) Sonderheft: Soziale Woche in Seesen
Date
1929-03-01
Page
Seite 20 (sequence 22)
Language
German
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größter Bedeutung, so manche durch Unkenntnis erwachsenden Schäden Ennen zeitig umgewandelt werden; den verzärtelten, schwachen, schlecht gehaltenen, nervösen und körperlich untüchtigen, geistig einseitig geführten Ktndem des Ghetto können wir den Weg gehen Helsen zu einer gesunden, nötigen und lebendigen Jugend. Es gilt, den gleich starken Einfluß von Familie und Heim zum hamionischen Zusammenklang zu führen. Vor allem muh mit der Arbeit schon im frühesten Kindesater t*. gönnen werden, und es ist unbegreiflich, daß es in ganz Deutschland nur eine jüdische Krippe für 14 Kinder gibt, die noch dazu durch private Initiative entstanden ist. Wenn wir gesunden Nachwuchs großztehen wollen, dann dürfen wir nicht vergessen, daß das erste Lebensjahr das wichtigste ist. daß der Keim zu Krankheiten, Verkrüppelung ufw. am leichtesten jetzt erstickt werden kann. Es ist schädlich, wenn die arbeitenden Frauen di« Kleinsten, die ihre Mütter am meisten brauchen, die zur Mutter gehören, in Heime geben müssen. Wir finden dann die spät entwickelten, gefährdeten Anstaltskinder, die ohne Muttermilch, ohne das primitivste Recht aufwachsen mußten. Mit der bestehenden Krippe sind die allerbesven Erahrungen gemacht worden, sowohl mit der guten Entwicklung der Kinder als auch mst der Dankbarkeit der Mütter und dem weitgehendsten Einfluß, den man aus die richtige Pflege und Erziehung der Kinder durch den freundschaftlichen Kontakt mit den Müttem ausüben kann. Auch das Kleinkind bis zum dritten Jahr ist bisher stark vernachlässigt worden. Das Alter der Entwicklung zur selbständigen, körperlichen und geistigen Betätigung des Kindes erfordert besondere Aufsicht und Pflege. Das sind die Kinder, die ins Bett gesteckt und eingeschlossen oder auch unter der Aufsicht alter Verwandter oder der Geschwister gelassen werden und dadurch in ihrer Eniwicklung behindert und geschädigt bleiben, was später mit sehr viel mehr Mühe, Zeit und Geld kaum wieder zu behebe« ist. Durch Schaffung von mehr geeigneten Tagesheimen könnte hier viel verhindert und gebeflert werden. Es gibt nur in Berlin drei solcher Heime, zwei davon werden von christlichen Pflegerinnen ge'eitct, weil es angeblich Md wohl tatsächlich keine geeigneten jüdischen Kräfte gibt. Die Arbeit gilt als minderwertig und ist auch recht anstrengend, jedenfalls gehört gerade hierzu gute Ausbildung und Erfahrung hygienischer, pädagogischer und wtrtfchaftlicher Art, wie Ausdauer, Geduld und Liebe zur Klenarbeit. Bei ihrer Notwendigkeit in der Hilfe für Mutter und Kind und dem Liebreiz der kleinen, werdenden Menschen ist es fast unbegreiflich, daß dieser sehr ausbaufähige Beruf bisher so wenig gewürdigt wird. Jüdische Kindergärten gibt es im Reich etwa 35, davon ungefähr zehn in Berlin, mehr und minder gut in Einrichtung und Führung. Besonders die hygienische Seite dieser Arbeit ist, wie schon erwähnt, bei uns zu betonen und entsprechend ln der Vorbildung der Kindergärtnerinnen weit mehr zu beachten, da ja ärztliche Kontrolle allein den Zweck nicht erfüllt und wieder die Beeinflussung der Familie hier sehr wertvoll ist. Im Anschluß daran sei auf die Einrichtung von Esternabenden hingewiesen, die sich nicht ganz leicht in diesen Kreisen durchsetzen werden, aber sicher viel Anregung und Erfolg haben können.

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