Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Journal
- Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Volume
- 2 (1929). Bestand LBI
- Issue
- 1 (3.1929) Sonderheft: Soziale Woche in Seesen
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 19 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Damit sei eine wichtige Aufgabe der Tagesheime, die Erziehung der Mütter, der Einfluß in der Familie, angedeutet. Die Auswahl der Kinder iür die Institutionen erfolgt im Zusammen- «rdeit mit der offenen Fürsorge. Voraussetzung für die Abnahme ist Ab- Wesenheit der Mutier durch Arbeit, Krankheit usw., soziale Notlage, schlechte Wohnung, Erziehungsschwierigkeiten und anderes mehr. Non den Eltern soll zur Wahrung ihres Verantwortlichkeitsgesühls und zur wirtschaftlichen ^lilse der Heime ein entsprechendes Pflegegeld eingezogen werden. Die Folgen der wirtschaftlichen Not, die körperlichen, geistigen und sittlichen Schäden gilt es zu verhüten, zu minder» und nach Möglichkeit zu heilen. Die Richtlinien des Landesjugendamts Berlin enthalten alle notwendigen Forderungen über die bloße Unterbringung der Kinder hinaus zur Förderung ihrer allseitigen Entwicklung. Hier haben die jüdischen Heime noch manches zu tun, um den modernen, berechtigten Ansprüchen nachzukommen. Es herrscht eine merkwürdige Nichtachtung oder nicht genügende Beachtung dieses Zweiges der Fürsorgearbeit, die doch besonders zur Verhütung späterer Mißstände beitrögt. Es wird aber gerade hier gespart bei der Beschaffung geeigneter Räume, an hygienisch notwendigsten Einrlchtungen, an geeignetem Spiel- und Lehrmaterial, an ausreichender, angemeffener Bezahlung und Anstellung von Arbeitskräften. Der tägliche Kampi der für die Heime verantwortlichen Leiter mit den übergeordneten jüdischen Stellen um Einrichtungen und Anschaffungen für die Kinder und um das eigene Recht vertreibt die Menschen aus der jüdischen Arbeit. Unsere jüdischen Heime haben noch stärker als andere die Au'gäbe, den Kindern die Angleichuny an die außerhäusliche Umgebung zu erleichtern und ihnen daneben die Werte ihrer Herkun t zu erhalten. Don unseren Erziehern, die häufig im Gegensatz zu den Kindern aus westjüdischem Milieu stammen, muh deshalb besondere Anpassungskähigkeit, jüdisches Wissen in Verbindung mit den deutschen und allgemeinen Kulturwerten verlangt werden, nahe Beziehung zu den Eltern, Kenntnis ihres Milieus und ihrer Weltanschauung, Achtung vor dem, was uns vielleicht fremd ist und Vermeidung aller Situationen, die die Kinder in ernsten Konflikt mit ihrem Hauie bringen können; Ehrlichkest, Takt und Bejahung des Jüdischen werden uns das Vertrauen der Eltern erwerben und rms erst rich.ig befähigen, den Kindern in lebendiger Wechselwirkung von Heim und Familie gerade das zu geben, was nur wir ihnen geben könnm. Hierzu ist selbstverständliche Vor. Aussetzung eine gute Ausbildung und Befähigung auf pädagogischem, hygienischem, wirscheftlichem und sozialem Gebiet. In der besonderen Situation der ergänzenden Heimfürsorge liegen die Schwierigkeiten der dauernden Umstellung; der Gegeneinfluß der Familie, wie Verzärtelung, schlechtes Essen, Unsauberkeit und anderes sind dauernd fühlbar; man muß mit all den unbe'annten Gröhen rechnen, die den nahen Kontakt von Erziehern nnd Kindern erschweren und man muß immer wieder von neuem beginnen. Dafür bleibi den Kindern ihr Familienleben erhalten, die individuelle nahe Beziehung »on Mutter und Kind muh nicht durchbrochen werden, und die Kinder bleiben verschont von allen Schäden ungenügender Massenerziehung im Waisenhaus, ohne die sehr wichtige Erziehung in und zur Gemeinschaft zu entbehren. Gerade für unsere jüdisck?cn Kinder ist diese Ergänzung von