Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Journal
- Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Volume
- 2 (1929). Bestand LBI
- Issue
- 1 (3.1929) Sonderheft: Soziale Woche in Seesen
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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organisatorischen Ausbau-. Bei den Vertretern der liberalen Anschauung bedeutet die Bejahung der allgemeinen und jüdisch-eihischen Werte eine starke Hinjührung zur sozialen Arbeit; andererseits liegen bei manchen von ihnen auf Grund ihrer Weltanschauung gewisse innere Schwierigkeiten bei der Anerkennung autonomer jüdischer Wohlfahrtsarleit vor. Bei den Zionisten ist wiederum gerade diese Anerkennung der Autonomie von vornherein gegeben; aber bei manchen von ihnen besteht eine Schwierigkeit für soziale Arbeit hier in der entscheidenden Gerichtetheit auf Palästina. Für die ältere Generation sind sodann in höherem Maße wie für die jüngere Bindungen des Mitarbeiters, besonders auch des ehrenamtlichen, an Institutionen der Wohlfahrtspflege maßgebend, mag es sich um Gemeinden, Vereine oder Anstalten handeln. Die e Bindungen werden als Realbindungen bezeichnet. Daneben treten schon in der älteren, in steigendem Maße aber in der jüngeren Generation Bindungen an soziale Führerpersönlichkeiten, „Personalbindungen", auf. Stärker aber als solche Real- und Personaibildungen ist vor allem bei den Jüngeren die Verbundenheit mit dem Gesamtschiäsal; sie ist für Viele das entscheidende Moiiv nicht nur zu ehrenamtlicher sozialer Arbeit, sondern zur Wahl des sozialen Berufs. Von hier gesehen ist es kein Zufall, sondern in vielen Fällen innere Notwendigkeit, daß jüdische Jugendbewegung, Gedankengänge des Sozialismus und soziale Berufsarbeit in der Idee, stärker noch in oer Praxis, miteinander verbundene, sich gegenseitig verstärkende Dinge sind. Zu der hier einsetzenden Frage der jüdisch-sozialen Berufsarbeit und der Ausbildung da'ür kann nur kurz angedeutet werden, was später einmal eingehend ausgeführt werden muß: Bei vollster Bejahung von Notwendigkeit und Bedeutung der jüdisch-sozialen Berufsarbeit muß leider gegenwärtig noch vor einem zu starken Hineinströmen in diesen Beruf sehr gewarnt werden. Roch sind viel zu wenig Stellen vorhanden, viele von ihnen durchaus unzureichend besoldet. 5ßier liegt eine große Aufgabe vor allem der Gemeinden. Im Anschluß hieran wurde an der Hand amerikanischen Vorbilds Notwendigkeit und Möglichkeit einer jüdisch-sozialen Ausbildungsstötte besprochen und auf die Bestrebungen zum Z u - iammenschluß der jüngeren jüdisch-sozialen Arbeiter hingewiesen. Zum Schluß wurde von der erst sehr langsam ins Bewußtsein tretenden, für die Zukunft aber außerordentlich bedeutsamen i n t e r n a t i o - nalen jüdisch-sozialen Arbeit gesprochen und von ihrem Wert für die Sache, wie für die Verbindung und Stärkung der in den verschiedenen Ländern sozial tätigen Menschen. Zusammenfassend wurde noch einmal festgestellt, daß entscheidend für die soziale Arbeit ist: die Bindung des einzelnen Arbeiters an die Gesamtheit, in gleich hohem Maße aber auch d i e tragende Verbundenheit der Gesamtheit mit der sozialen Arbeit des Einzelnen 5