Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Journal
- Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Volume
- 1 (1927-1928). Bestand LBI
- Issue
- 6 (15.12.1928)
- Date
- 1928-12-15
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Mitteilungen des Reichsausschusses der jüdischen J u g e n d v e r b ä n d e mecklenburgischen Städte. Es waren fast ausschließlich soziale Berufsarbeiter. Die Zusammenkunft wurde als ein Weekend bezeichnet, womit zum Ausdruck gebracht werden sollte, daß sie nicht so stark einer eigentlichen Schulung und Diskussion als vielmehr einer Annäherung der Mitglieder dienen sollte. Die Aussprache des Abends erörterte im wesentlichen die Frage, ob für die Zugehörigkeit zur Gilde weitere Voraussetzungen als Herkunft ans der Jugendbewegung und Interesse für soziale Arbeit gefordert werden sollen, ob insbesondere etwa Eür Jedes heu aufzunehmende Mitglied eine Bürgschaft eines bisherigen Mitglieds der Gilde verlangt werden soll. Diese Frage wurde mit Rücksicht auf den gewollt lockeren Charakter der Gilde verneint. Weiterhin wurde erörtert, ob der Gilden-Rundbrief regelmäßig erscheinen soll. Hier stellte man sich auf den Standpunkt, daß ein Vierteljahres - Erscheinen genügen würde. Am folgenden Tage wurde die Frage des Eindringens der Gilde in die Jugendbewegung besprochen. Es wurde auf das bisherige Mißlingen dieser Versuche hingewiesen, was im wesentlichen auf den veränderten Charakter der deutschen Jugendbewegung zurückgeführt wurde, die im Gegensatz zur früheren Generation der Jugendbewegung nicht mehr so unter einem starken Druck stände und daher soziahm Fragen ein viel geringeres Verständnis entgegenbringe. Besondere Aufmerksamkeit wurde der Frage1 der Verbindung mit der Arbeiterwohl fahrt gewidmet, liier wurde festgestellt, daß so erwünscht, ein sehr enges Zusammengehen mit der Arbeiterwohlfahrt auch wäre, dies wahrscheinlich von seiten der Arbeiterwohlfahrt nicht immer gewollt wäre. Bei allen praktischen Anlässen sollte aber die Verbindung erstrebt werden. Dagegen wurde das Eindringen in die Turn- und Sportbewegung für erforderlich und auch nicht unmöglich angesehen. Die Gilde zählt heute einen Kreis von etwa 6—700 Mitgliedern. Die Verbindung mit ihr ist von Seiten des lieiehsausschusses voll aufrecht zu erhalten. SOZIALE WOCHE IN SEESEN Zum ersten Male sollen sich in der Woche vom 25. bis 31. Dezember d. Js. Sozialarbeiter aus dem Kreise der Jugendbewegung, und zwar sowohl beruflich als auch ehrenamtlich tätige und an sozialer Arbeit interessierte Menschen in Seesen vereinigen. Für die Tagung ist folgendes P r o g r a m m festgesetzt : 1. Erneuerungsbestrebungen und Möglichkeiten im jüdischen Heimwesen. 2. Krneuerungsbestrebungen und Möglichkeiten in Hort und Kindergarten. 3. Ansatzpunkte ehrenamtlicher Jugendarbeit in Wohlfahrtskommissionen. 4. Gesichtspunkte für eine jüdische .liigeudpflegearbeit der Jugendbewegung. •*>. Tatsachen aus dem jüdischen Jugendleben der Großstadt. Aussprachen 1. Die Arbeit des Keichsausschusses. 2. Sammlung von Material über die Berufsaussichten, Ausbildung und Besoldung insbesondere der jüngeren Sozialarbeiter. Als Referenten sind im wesentlichen Menschen aus der Jugendbewegung oder der uns nahestehenden Arbeit in Aussicht genommen und zwar: Dr. Hanna Eisfelder, Berlin; Hilde Hochwald, Berlin; Annie Meyerheim, Berlin; Dr. Emmy Strauß, München; Dr. Merzbach, Frankfurt; Martin Sobotker, Berlin: Studienrat Levy Wölfl'. Köln; Edith Cohn, Berlin und Dr. Georg Lubinski, Berlin. Für die Aussprache über Berufsfragen der Sozialarbeiter sind vorgemerkt: Lucie Zobel, Heidin; Dr. Ollendorff, Berlin. Die Tagung ist bereits durch ein Rundschreiben vorbereitet worden, auf das eine Reihe von Anmeldungen eingegangen sind. Da die Teilnehmerzahl beschränkt ist. sind wir nur noch in der Lage, eine begrenzte Anzahl von Anmeldungen entgegenzunehmen, die umgehend an die Geschäftsstelle des Keichsausschusses zu richten sind. Die Kosten der Unterbringung und Verpflegung für die Zeit vom 25. bis 31. betragen M. 20.—. MITTEILUNGEN_ BELEGUNG VON SEESEN IM WINTER Es besteht die Absicht, das Heim schon Anfang Januar zu belegen. Der tägliche Verpflegungspreis beträgt M. 3.— einschließlich Kosten der Heizung. Anmeldungen von Jugendlichen beiderlei Geschlechts besonders auch durch Wohlfahrtsstellen usw. werden umgehend an die Geschäftsstelle des Reichsausschusses erbeten. BERATUNGSSTELLE DES JÜDISCHEN FRAUENBUNDES BERLIN Die Sprechstunde in der Beratungsstelle für Frauen und Jugendliche in Ehe- und Erziehun^sscli wierigkeiten findet Mittwoch von 10-11 Uhr, Münchener Str. 37, statt. Verband Berlin des Jüdischen Frauenbundes e. V. BUCH» UND ZEITSCHRIFTENEINGÄNGE Tätigkeitsbericht für die Geschäftsjahre 1926/27 des Beichsausschusses der deutschen Jugendverbände (Besprechung bleibt vorbehalten). Der Mutter Traum, Chanukkahmärchen in einem Aufzuge von Dr. Siegfried Kessler, Verlag B. Heller, München. Zeitschrift ..Das Zelt", Verlag B. Heller München. Soziale Gilde „Bundbriefe". Hechawer. Heft 6/7, herausgegeben im Auftrage der Bundesleitung des Jung-jüdischen Wanderbundes. HEITERES Die „Deutsche Zeitung" vom 14. September 1928 erfreut ihre Leser durch folgenden Beitrag: Der Wandertrieb der Kinder Israels Volks Wohlfahrtspflege durch Fahiterleichterungen „Der Minister für Volkswohlfahrt hat ein dringendes Bedürfnis anerkannt. Im Einvernehmen mit dein Keichsverkehrsniinisterium und der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft hat er dem folgenden im sogenannten Keichsausschuß der jüdischen Jugendverbände zusammengeschlossenen Verbänden die Berechtigung zur Inanspruchnahme der Fahrpreisermäßigung gewährt: Jungjüdischer Wanderbund, Arbeitsgemeinschaft der jüdisch-liberalen Jugendvereine (Iii) Deutschlands, Deutschjüdische Jugendgemeinschaft, Misrachi Jugendgruppen Zeive - Misrachi, Jugendgemeinschaf t Esra. Jugendorganisation Agudas Jisrocl. Hund jüdischer Pfadfinder Kadimah, Deutscher Landesverband Hechaluz. * Diugewöhnliche Sterbliche in Deutschland wird erstaun! sein über die Fülle von Bünden in Deutschland, die ein so beredtes Zeugnis von dem alten Wandertrieb der Kinder Israels ablegen. Etwas merkwürdig wirkt allerdings der ständige Zusatz „deutsch" bei den Misrachis, Zeive, Esras, Agudas, Jisroels, Kadimahs und Hechaluzens. Die wohlwollenden Fahrterleichterungen zugunsten der israelitischen Volkswohlfahrl werden wahrscheinlich für die deutsche Oeffentlichkeit die Folge haben, daß der Hexensabbat des Kurfürstendamms sich nunmehr mit doppeltem Eifer auch in deutschen Wäldern und Bergen austoben wird. Man erinnert sich unwillkürlich mit einer gewissen Wehmut der — offenbar erfolglosen — Menschenfreunde, die eine Zeit lang am Potsdamer Platz gratis und franko Freifahrkarten nach Palästina, allerdings ohne» Rückfahrt, verteilten." Die nicht namentlich gezeichneten Veröffentlichungen stellen Meinungsäußerungen des „Reichsausschusses", die namentlich gezeichneten Aufsätze stellen lediglich Meinungsäußerungen ihrer Verfasser dar. Druckerei Biko, Berlin SW 19, Kurstr. 34-35