Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Journal
- Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Volume
- 1 (1927-1928). Bestand LBI
- Issue
- 3 (15.2.1928)
- Date
- 1928-02-15
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Mitteilungen des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände Erziehung, der Führer, der Zug, Lebenshaltung, die sexuelle Frage, Probleme der geistigen Erziehung, Erziehungsziel und Bildungsideal, Zwang und Freiheit in der Erziehung. Besonderes Gewicht wurde auch auf die Behandlung der Fragen jüdischer und hebräischer Arbeit gelegt. In diesem Teile, für dessen Hauptreferat Dr. Max Meyer (Zwickau) gewonnen worden war, wurden u. a. folgende Themata behandelt: Grundsätzliches zum Hebräischen, Methodik des Hebräischen, die besonderen Aufgaben der jüdischen Erziehung bei Jüngeren von 12—15 Jahren und Uebersicht über die für dieses Alter zur Verfügung stehenden Stoffe. Für die praktische Scoutarbeit war der Bund auf eigene Kräfte angewiesen. Auch hier sind wesentliche Fortschritte seit dem letzten Bundestag zu verzeichnen. Am letzten Tage fand in einem Schmiedeberger Lichtspieltheater die Aufführung eines Filmes und eines Lichtbildervortrages statt, welche von der Montessorigesellschaft zur Verfügung gestellt worden waren. Das Führerlager des Kadimah hat durch seinen Verlauf bewiesen, daß der Glaube der Führer, mit der Gründung des Bundes neue Wege jüdischer Jugenderziehung beschritten zu haben, durch die Tatsachen gerechtfertigt worden ist. FÜHRERTAGUNG DER JUNGGRUPPEN DES VERBANDES DER Jܬ DISCHEN JUGENDVEREINE DEUTSCHLANDS An den letzten beiden Chanukkahtagen trafen sich in Düsseldorf zum ersten Male Führer der Junggruppen des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands zu einer Tagung, die für die Arbeit des gesamten Verbandes von wesentlicher Bedeutung sein wird. Die Junggruppen umfassen im wesentliche Menschen im Alter von 15—18 Jahren. Der erste Tag der Zusammenkunft brachte zwei Referate, die das Thema „Junggruppen und Verband" behandelten. In der Aussprache wurde vor allen Dingen der unbedingte Wille zum Verband festgestellt. Es wurde ohne Einschränkung anerkannt, daß die Junggruppen in ideologischer und organisatorischer Beziehung einheitlich der neutralen Organisation des Verbandes angehören. Die letzte Einheit soll verwirklicht werden durch die Durchführung folgenden Beschlusses: „Zwischen der Führertagung der Junggruppen des Verbandes und dem Vertreter des Verbandsvorstandes wird vereinbart: 1. Die einzelnen Landes- bzw. Bezirksverbände wählen in ihre Vorstände mit Sitz und Stimme je einen Führer der Junggruppen, der für die Arbeit der Junggruppen des betreffenden Bezirks verantwortlich ist. Aus ihnen setzt sich das Junggruppendezernat zusammen. 2. Es werden zwei bis drei Mitglieder des Junggruppendezernats im Verbandsvorstand Sitz und Stimme erhalten." Am zweiten Tag stand das Gebiet „Junggruppen und Judentum" zur Debatte. Erst wurde generell nachgewiesen, daß unser Ziel der jüdischen Gemeinschaft ohne Rücksichtnahme auf den Wust der Parteien, Weltanschauungen und Judentumssplitter nur erreicht werden kann auf dem Wege des Verbandsgedankens, der geeignet ist, die Tragik der jüdischen Zwiespälte zu überwinden. Aus der Schlußresolution heben wir folgendes hervor: „Die Führer der Junggruppen erheben aus ihrer Einordnung in das Verbandsganze an die Führer des Verbandes und der Vereine die Forderung, es als eine ihrer vornehmsten Aufgaben zu betrachten, den Junggruppen die Selbständigkeit und Freiheit innerhalb ihrer Arbeit zu geben, die ihnen allein die Möglichkeit zu gedeihlicher Entwicklung bietet". ■x* (Aus Raummangel konnten wir weitere Berichte nicht bringen; wir holen dies in der nächsten Nummer nach.) ZEITSCHRIFTENSCHAU_ Die dem Reichsausschuß angeschlossenen Jugendverbände seien an dieser Stelle nachdrücklich auf die für die neue Jugend wertvolle pädagogische Zeitschrift aufmerksam gemacht: „D as werdende Zeitalte r", eine Monatsschrift für Erneuerung der Erziehung, herausgegeben von Elisabeth Rotten und Karl Wilker im Selbstverlag Kohlgraben bei Vacha Röhn, ist das deutsche Organ des Weltbundes für Erneuerung der Erziehung. Seit Beginn dieses Jahres (7. Jahrgang) ist es in den Selbstverlag übergegangen, und die beiden ersten Nummern bezeugen, daß es vielleicht noch höhere Anforderungen an sich stellt als bisher. Erneuerung der Erziehung aus dem Geiste einer vollen Lebenserneuerung, vielleicht kann man die Grundsätze dieses Kreises so zusammenfassen. Wie sie einzuordnen sind in die Problemlage unserer Zeit, das hört man am besten aus El. Rottens Worten im Januarheft 1928: „Unsere Bewegung ist eine ganz tiefe Zeitströmung, zu der sich nicht zufällig und nicht umsonst Erkennntisse aus den Gebieten der Psychologie, der Kunst, der Religion, der Erziehung, ja der Politik (soweit auch sie neue Wege sucht) vereinigen; sie steht aber der Tagesströmung ebenso tiefst entgegen, und wird von ihr täglich gemordet, gehöhnt und um ihre Früchte betrogen. Befreiung der Erziehung vom Utilitarismus und Befreiung des Zeitalters von Egoismus, Gewaltgeist und Autorität der Machthaber sind uns Forderungen und Ziele, die nicht zu trennen sind, und deren Erfassung aufrüttelnd in das Leben der Schule eingreifen muß." — Jedem der 3—4 Aufsätze eines jeden Heftes ist ein inhaltlich auf ihn abgestimmtes gutes Wort eines ganz „Großen" beigegeben (Plato, Natorp, Kierkegard u. a.). — Es mahnt jede Seite der Zeitschrift zur Besinnung und zum Wiederlesen und beweist so, wie fern sie heute üblichen Blättern steht, die nur durchgeblättert und dann beiseite gelegt werden. Das Februar heft darf die jüdische Jugend besonders interessieren, da es dem ständigen Mitarbeiter Martin B u b e r gewidmet ist. Es wird im Vorwort der Gemeinsamkeit mit ihm in den Worten des Baal-Schern gedacht: „Die heiligen Funken, die gefallen sind, als Gott Welten baute und zerstörte, soll den Menschen erheben und aufwärts läutern von Gestein zu Gewächs, von Gewächs zu Getier, von Getier zu redendem Wesen, läutern den heiligen Funken, der von der Schalengewalt umschlossen ist. Das ist der Grundstein des Dienstes jedermanns , . ." Daß Karl Wilker Bubers gesamtes Schaffen würdigt, ist uns in diesen Tagen wohl nichts Besonderes, obwohl er es vielleicht schöner würdigt als manche Andere; wie aber fast alle Aufsätze dieses Heftes in seinem Geiste geschrieben sind, wie sie seine Worte anführen, das ist ein ganz eigenes Zeugnis für diesen Menschen. — Religiöse Erziehung ist das Grundthema dieses Heftes. Alle Stimmen (verschiedener Konfessionen) finden sich in Einem zusammen: Ehrfurcht vor dem Geschöpf Gottes, dem Kinde; Vertrauen in die Möglichkeit seiner Gottähnlichkeit; aber Demut vor der durch den Schöpfer gezogenen Grenze aller Erziehung. — Die Aufsätze dieses Heftes sollten die Führer und Aelteren aller Bünde lesen. Vielleicht kann man hier und dort auch das „Werdende Zeitalter" im Sammelabonnement halten. Wer sich dafür interessiert, schreibe an Frau Hanna Reichel, Halensee, Lützenstr. 12. B. M. „Jüdisches Jahrbuch für Groß-Berlin 1928" Ein Führer durch die jüdischen Einrichtungen und Organisationen Berlins, herausgegeben von DR. JACOB JACOBSON, ist soeben erschienen. Mit Aufsätzen von: Dr. Bertha Badt-Strauß, Red. Georg Davidsohn, Saili Kirschstein, Dr. Max Kollenscher, Redakteur Leo Kreindier, Dr. Georg Lubinski, Rechtsanwalt Heinrich Stern und Redakteur Bruno Woyda Mit vielen Tabellen und Illustrationen. Preis geb. Mk. 4,50 (Verbände: Rabatt) Zu beziehen durch die Buchhandlungen oder direkt vom Verlag Fritz Scherbel u. Teilh., Berlin SW 19 Beuthstraße 19 Tel.: Merkur 6505 Druckerei Biko, Berlin SW 19. Kurstr. 34-35