Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände · 1927-12-01 · 2 (1.12.1927) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
Volume
1 (1927-1928). Bestand LBI
Issue
2 (1.12.1927)
Date
1927-12-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9215017-9607248-9593178--005-9593179
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

ß'OSTS- MITTEILUNGEN REICHSAUSSCHUSSES DER JÜDISCHEN JUGENDVERBÄNDE DES WSBSS^BSIB^^S^SS^ESSS^^S^BS^^SSS^^I^MB^SSSW^^^^MM GESCHÄFTSSTELLE: BERLIN C NACHDRUCK MIT QUELLENANGABE ERWÜNSCHT 2, ROSE IM STRASSE 2-4 / FERNSPRECHER: UND GESTATTET / VERANTWORTL. FÜR DIE SCHRIFTLEITUNG : DR. NORDEN 5710-16 GEORG LUB1NSKI, BERLIN NUMMER 2 BERLIN, 1. DEZEMBER 19 2 7 Zum ersten Male erscheinen die Mitteilungen des R.A. in neuem Gewände. Der R.A. kann seine Aufgabe: die jüdische Jugend zur gemeinsamen Arbeit zusammenzuschließen, nur dann erfüllen, wenn nicht nur die Vertreter der ihm angeschlossenen Bünde aktiv mitarbeiten, sondern wenn jeder Einzelne in jedem Bunde zur Mitarbeit bereit ist. Voraussetzung hierfür ist, daß die Tätigkeit des R.A., seine Pläne, sein Ziel in allen Kreisen der jüdischen Jugend bekannt und diskutiert werden. Durch die dankenswerte Unterstützung der Zentralwohlfahrtssteile wird uns diese Möglichkeit durch Herausgabe dieser Mitteilungen erleichtert. Wir hoffen, daß in Zukunft an Hand unserer Mitteilungen die Aufgaben und die Arbeit des R.A. in jedem Bunde und in jeder einzelnen Gruppe besprochen werden, und daß die praktische Arbeit des R.A. dadurch gefördert wird. Ein Ziel ist erreicht: das Seesener Heim gehört der gesamten jüdischen Jugend! Helft mit, es zu erhalten und auszubauen und unsere weiteren Aufgaben zu erfüllen. Ludwig Tietz. DIE WINTERARBEIT DES REICHSAUSSCHUSSES Das erste halbe Jahr intensivierter praktischer Arbeit des Reichsausschusses stand im wesentlichen unter dem Zeichen der Arbeit für das Jugendheim Seesen a. Harz. Der Beginn des Winterhalbjahres hat dieser Arbeit zunächst ein Ziel gesetzt, so daß wir gerade jetzt den Blick wieder frei haben für weitere und andere Arbeitsgebiete des Reichsausschusses. Es kann schon jetzt als ein sehr wichtiges Ergebnis der gemeinsamen Arbeit festgestellt werden, daß sich in den eir^alnen Körperschaften des Reichsausschusses ein sehr gutes Verhältnis zwischen den Vertretern der einzelnen Bünde herausgebildet hat, daß schon seit längerer Zeit eine Atmosphäre besteht, die gerade die Lösung praktischer Aufgaben in einem schönen Maße zuläßt. Der Reichsausschuß leidet aber noch einstweilen darunter, daß er etwas Aehnliches im Verhältnis der jüdischen Jugendbünde zu einander darstellt, wie im Deutschen Reich der Reichsrat: es werden von den einzelnen Bünden Vertreter in ihn entsandt, die für ihre Person an den Arbeiten und Beratungen sehr ernsthaften Anteil nehmen, ohne daß es aber bisher gelungen ist, daß die Beschlüsse und die Arbeiten dieser Vertreter-Versammlung in das Bewußtsein der einzelnen Bünden dringen. Es ist wohl überflüssig, hier hervorzuheben, daß ein solches Eindringen der Arbeit des Reichsausschusses in die einzelnen Bünde nicht wegen der Existenz des Reichsausschusses als solchen gefördert wird, sondern deshalb, weil die Durchführung der Arbeiten von unmittelbarer Bedeutung sowohl für die Jugendbünde als auch für die jüdische Gesamtheit erscheint. Unter diesem Gesichtspunkte hat sich die letzte Plenarsitzung des Reichsausschusses, die am 24. Oktober in Berlin stattfand, mit einem Programm für die Winterarbeit beschäftigt. Dabei wurde das Arbeitsgebiet des Reichsausschusses in drei Teile geteilt: Organisation, soziale Arbeit und gemeinsame geistige Arbeit. I. Organisation. Die Tätigkeit des Reichsausschusses (R.A.) muß in erster Linie initiatorisch sein. Die Gründung von Orts- und Landesausschüssen muß hier zu den wichtigsten Aufgaben gehören. Der Zweck der Ausschüsse ist die Schaffung einer Möglichkeit der Verwirklichung der Ziele des R.A. durch den Zusammenschluß der Jugend als Träger seiner Ziele. Dabei muß die Arbeit zur Erweckung des Interesses der jüdischen Gemeinden und Gemeindeverbände für die Ziele der Jugendbewegung und Jugendpflege aufs energischste fortgesetzt werden. Anläßlich der Ausstellung „Das junge Deutschland" hat die Zentralwohlfahrtsstelle auf Initiative des R A. eine Enquete der Leistungen der jüdischen Großgemeinden auf dem Gebiete der Jugendpflege und Jugendbewegung angestellt. Das Ergebnis der Enquete war, daß in sehr vielen Gemeinden überhaupt nichts, in manchen nur etwas geschieht. Das darf uns zunächst nicht verwundern und berechtigt uns auch nicht, bestimmten Personen oder Institutionen Vorwürfe zu machen. In dem sehr wichtigen Gebiet der Erweckung des Interesses der jüdischen Gesamtheit für die gesunde jüdische Jugend hat als stärkster Anreger der R.A. zu fungieren. Es ist ihm auf diese Weise eine sehr wichtige Funktion für die jüdische Gesamtheit zugefallen, die er mit großer Verantwortlichkeit zu verwalten haben wird. Ueber die bisherigen Erfolge der Arbeit des R.A. auf diesem Gebiete wird an anderer Stelle innerhalb der Berichte über die einzelnen Landes¬ und Ortsausschüsse gesprochen werden. Zum Organisatorischen gehört auch die Aufbringung von Mitteln für die Arbeit des R.A. Es ist zu hoffen, daß diejenigen Stellen, die bisher dem R.A. Subventionen für seine Arbeit gewährt haben, dies auch in Zukunft tun. Hierher gehören: der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden, der Reichsminister des Innern, der Braunschweigische Innenminister, der Preußische Landesverband gesetzestreuer Gemeinden und die Jüdische Gemeinde Berlin. Es wird zu erstreben sein, daß auch die übrigen deutschen Landesverbände einen Beitrag zur Arbeit des R.A. leisten. Für die besonderen Zwecke des Jugendheimes in Seesen werden wahrscheinlich noch Mittel von privater Seite aufgebracht werden müssen. IL Soziale Arbeit. Wir müssen weiter um die Konkretisierung dieser Arbeit kämpfen. Wenn man auch anerkennen muß, daß es eine organische Entwicklung im R.A. gibt, neben der sozialen Arbeit auch andere gemeinsame Arbeiten der jüdischen Jugend in den Tätigkeitsbereich des R.A. zu ziehen, so müssen wir uns darüber klar werden, wieweit wir soziale Arbeit tatsächlich leisten wollen. An konkreten Arbeit bestehen 4 Möglichkeiten: a) Veranstaltungen von Musik- und Leseabenden in geschlossenen Anstalten für Erwachsene, Jugendliche und Kinder, b) praktische Mitarbeit in den Ansahen, c) Üebernahme von Schutzaufsichten, d) Jugendpflegearbeit an der unorganisierten Jugend im Rahmen der Gemeinde- oder sonstigen Vereinsarbeit. Eine Stellungnahme der Bünde und nicht nur ihrer Vertreter im R.A. zu diesem Programm ist notwendig. Es geht nicht an, daß Bünde prinzipiell für die Arbeit eintreten, sich aber praktisch an ihr nicht beteiligen. In den Führerlagern und Kursen, die in der nächsten Zeit stattfinden, muß mindestens eine Stunde dieser Frage gewidmet werden, kurze Richtlinien der Arbeit stehen auf Wunsch zur Verfügung, ebenso Referenten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.