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Jüdische Auswanderung · 1939-04-01 · April 1939 · p. Seite 54

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand LBI
Issue
April 1939
Date
1939-04-01
Page
Seite 54 (sequence 54)
Language
German
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Als ein besonderes Glück darf es in dieser Hinsicht angesehen werden, daß Neu-Seeland auf der Südhalbkugel liegt und infolgedessen den englischen Markt gerade in der butterarmen Zeit beliefern kann. Welche Stellung sich Neu-Seeland im ganzen als Lieferant von Molkereiprodukten auf dem großen englischen Markt hat erringen können, geht aus folgenden Angaben hervor: Neu-Seeland ist der größte Käselieferant Großbritanniens; ja zeitweilig hat es über 2/3 alles in England eingeführten Käses überhaupt erzeugt. Auch in der Butterversorgung des englischen Marktes nimmt Neu- Seeland — mit 27,4 v. H. der englischen Gesamteinfuhr — die erste Stellung ein; Neu-Seeland zählt sogar zu den größten Butterexporteuren in der ganzen Welt. Auch die Ausfuhr anderer Molkereiprodukte, wie kondensierte Milch, Milchpulver usw., entwickelt sich mit der Verfeinerung der Technik immer mehr. Eine sehr beachtliche Entwicklung hat in Neu-Seeland auch die Bienenzucht genommen, für welche die Viehweiden wie auch das sonst ungenutzte Land die besten Voraussetzungen bieten; es gibt 7864 Bienenhäuser mit 120 000 Bienenstöcken. B. Ackerbau und Obstzucht Hinter der neuseeländischen Viehzucht tritt der Ackerbau an Bedeutung weit zurück. Die hauptsächlichsten Getreidearten, die in Neu-Seeland angebaut werden, sind: Weizen, Hafer, Gerste und Mais. Von geringerer Bedeutung ist der Anbau von Kartoffeln, Erbsen und Tabak. Nicht unbeträchtlich ist dagegen der Anbau von Klee, Luzerne, besonderen Grasarten und anderem Viehfutter. Der Getreidebau Neu-Seelands lieferte im Jahre 1937 folgende Resultate: es waren 222 000 acres (1 acre 0,404 ha) mit Weizen bestellt, 75 000 acres mit Hafer und 20 000 acres mit Gerste. Die Produktion betrug (in 1000 bushels, 1 bushel 36,35 1) an Weizen 7169, an Hafer 3525, an Gerste 747. Von der Getreideproduktion wird nur Hafer in nennenswerter Menge ausgeführt. Dagegen wird ein erheblicher Teil der geernteten Erbsen ausgeführt, ebenso wie beträchtliche Mengen von Gras- und Kleesaaten (im Jahre 1935 brachten diese beiden Saaten einen Exporterlös von über £ 215 000). Ein wichtiges Produkt der neuseeländischen Landwirtschaft ist Flachs, von dem in rohem, wie in verarbeitetem Zustand ein nicht unbeträchtlicher Export stattfindet. Die ausgezeichnete klimatische Eignung Neu-Seelands und der fruchtbare Boden haben zu einer erheblichen Ausdehnung des Obstbaus geführt; für den heimischen Verbrauch sind die verschiedensten Früchte vorhanden, während für den Export nur Aepfel und Birnen eine erhebliche Rolle spielen. 1934 wurden Aepfel im Werte von über £ 700 000, 1935 im Werte von fast £ "470 000 ausgeführt; für Birnen betrugen die entsprechenden Zahlen £ 62000 und £ 57 000. Fast der ganze Obstexport geht nach England. An den Obstbau schließt sich auch eine verarbeitende Industrie an, die mit der Herstellung von Obstkonserven und Marmelade beschäftigt ist. Zu einem Export an diesen Artikeln ist es bisher nicht gekommen, doch versorgen sie bereits in erheblichem Maße den einheimischen Markt. C. Waldwirtschaft Vor der Besiedlung des Landes durch Weiße war Neu-Seeland fast ganz von Wald bedeckt, allerdings großenteils von minderwertigem Buschholz. Mit der Ausdehnung des Ackerbaus und vor allem der Viehzucht mußte dann der Wald mehr und mehr weichen, und dieser Prozeß der Abholzung hat sich namentlich auf der Nordinsel bis in die jüngste Zeit hinein fortgesetzt. Die Waldflächen nehmen jetzt nur noch etwa ein Fünftel Neu-Seelands ein. Dabei wurden zum Teil auch wertvolle Holzbestände rücksichtslos zerstört. Um hier Wandel zu schaffen, wurde 1921 eine besondere staatliche Forstbehörde eingesetzt, die auch für die Wiederaufforstung sorgen soll. Neben den einheimischen Bäumen, an Weichholz vor allem Rimu, an Hartholz vor allem Buchenarten, werden jetzt europäische und amerikanische Holzarten angepflanzt. Auf diese Weise sollen die auch heute noch großenteils minderwertigen Waldbestände allmählich hochwertigen Forsten Platz machen und eine rationelle Holzwirtschaft im großen Stil ermöglichen. D. Betriebs- und Besitzverhältnisse Die sozialen Verhältnisse der neuseeländischen Landwirtschaft kennzeichnen folgende Tatsachen: Ueber 50 °/o des landwirtschaftlich genutzten Bodens sind Privateigentum der Farmer, der Rest ist vorwiegend Staatseigentum, das in Pacht gegeben wird, auf dem sich aber der Farmer, von der Pachtzahlung abgesehen, wie ein Eigentümer fühlen kann. Die folgende Tabelle zeigt die Größe der neuseeländischen Farmen. Zahl und Fläche der landwirtschaftlichen Betriebe im Jahre 1937 Fläche in acres je Betrieb (1 acre 0,4 ha) Zahl der Betriebe Gesamtfläche absolut v. H. 1000 acres v.H. 1 bis unter 10 10 „ „ 50 50 „ „ 100 100 „ „ 320 320 „ „ 1000 1000 „ „ 5000 5000 und mehr 11024 14 755 12516 25 852 14 379 5 909 1047 13,0 17,4 14,8 30,6 17,0 7,0 1,2 51,2 374,8 905,3 4 679,7 7 934,2 11 509,8 17 744,9 0,1 0,9 2,1 10,8 18,3 26,6 41,2 insgesamt 85 482 100,0 43 199,9 100,0 Aus der vorstehenden Uebersicht geht hervor, daß ein sehr erheblicher Teil der landwirtschaftlichen Betriebe, etwas weniger als die Hälfte, kleiner als 100 acres ist, ein knappes Drittel etwa den Umfang größerer bäuerlicher Güter hat (100 bis 320 acres sind etwa 40 bis 125 ha), und daß die Zahl der wirklich großen Farmen (über 1000 acres) nicht so sehr groß ist. Doch bedecken diese großen Farmen mit ihrem extensiven Weidebetrieb einen gewaltigen Teil des Landes; gehören doch 68 °/o der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche zu Besitzungen von mehr als 1000 acres, ja 41 °/o zu Gütern von über 5000 acres. Gewiß liegen diese sehr großen Wirtschaften, die sogenannten Pastoral Runs, also Weidewirtschaften, die besonders auf der Südinsel häufig sind, meistens nicht auf den besten Böden. Aber trotzdem streben die neuseeländischen Regierungen schon seit vielen Jahren danach, die großen Güter in kleinere landwirtschaftliche Betriebe allmählich aufzuteilen, wozu eines der Hauptmittel erleichterte Kreditbedingungen sind, die es auch dem kleinen Mann ermöglichen sollen, eine Farm zu erwerben und zu halten. (In dieser Hinsicht ist besonders ein Gesetz von 1927, The Rural Intermediate Credit Act, von großer Bedeutung gewesen.) Doch wird von hervorragenden Kennern der neuseeländischen Wirtschaft (Sutch: „Recent Economic Changes in New Zealand") nachdrücklich darauf hingewiesen, daß Neu-Seeland unter einer Ueberwertung der landwirtschaftlichen Güter litte, und daß gerade infolge der vom englischen System stark abweichenden leichten Verkäuflichkeit und leichten Beleihbarkeit des Bodens die Güterpreise so hoch seien, daß die Erwerber der Farmen nur schwer ihr Auskommen fänden. Was die Regierung auch immer für die Farmer tue, — möge es sich um eine farmerfreundliche Hypotheken-Gesetzgebung handeln oder um eine Verbilligung der Frachten für Düngemittel, eine Herabsetzung der Produktionskosten oder irgendeinen anderen Fortschritt, — das Resultat bestehe unweigerlich darin, daß sofort die Güterpreise entsprechend stiegen und der Neuerwerber wiederum schlecht daran sei. Tatsächlich ist gutes Land für Milchwirtschaft (Dairying Land) in günstig gelegenen Gegenden keineswegs billig, sondern kostet 50—60 £ pro acre. Doch ist die Fruchtbarkeit des Bodens und seine Eignung für Milchwirtschaft und Schafzucht auf Neu-Seeland so groß, daß tüchtige Farmer trotzdem vorwärtskommen können. Dies gilt insbesondere dann, wenn der Landwirt die Arbeit allein mit seiner Familie bewältigen kann und nicht auf die Hilfe der sehr teuren fremden Arbeitskräfte angewiesen ist. 54

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