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Jüdische Auswanderung · 1939-04-01 · April 1939 · p. Seite 23

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand LBI
Issue
April 1939
Date
1939-04-01
Page
Seite 23 (sequence 23)
Language
German
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schwierige Verkehrshindernisse. Die Ergebnisse einiger Versuchsfarmen zeigen jedoch, daß der Norden zum großen Teil ein reiches Ackerbaugebiet sein könnte, das Reis, alle Arten von tropischen Früchten, Kakao, Kaffee, Zuckerrohr und Baumwolle erzeugen würde — wenn es nur gelänge, weiße Siedler dort seßhaft zu machen, oder aber, wenn man sich entschlösse, farbige Einwanderer in größerer Zahl einzulassen. Vielleicht könnten auch schon Südeuropäer sich leichter akklimatisieren als Menschen britischer Herkunft. Der vorstehende Ueberblick zeigt, daß Australien trotz seiner ungeheuren wüstenhaften Flächen große Gebiete aufweist, die entweder noch völlig unerschlossen oder nur sehr unzureichend genutzt sind, aber eine sehr viel zahlreichere Bevölkerung ernähren könnten. Die Hindernisse, die sich einer stärkeren Besiedlung und Nutzung dieser Gebiete entgegenstellen, sind teils klimatischer Art, teils hängen sie mit der später zu erörternden Politik des „Weißen Australien" und der sehr zurückhaltenden Einwanderung;: politik überhaupt zusammen. B. Siedlu'ngsf ormen und wichtigste Städte Während ungeheuere Flächen des australischen Kontinents noch heute menschenleer sind, drängt sich in einem verhältnismäßig schmalen Streifen im Osten und besonders im Südosten der größte Teil der Bevölkerung zusammen, und dieser Teil weist wiederum einen Grad der Verstädterung auf, wie wir ihn sonst kaum irgendwo in der Welt finden. So kommt es, daß nicht weniger als ein Drittel der Ges.amtbevölkerung des riesigen Kontinents, in den beiden Städten Sydney und Melbourne wohnt, die beide Millionenstädte geworden sind. Nehmen wir noch die Hauptstädte der andern Einzel-Staaten hinzu, so finden wir fast die Hälfte aller Einwohner Australiens in 6 Städten: Anteil der Hauptstädte an der G e s a m t b e v ö 1 k e r u n g Staat Hauptstadt Einwohner in v. H. der Einwohner des ja n z e n Staates Neusüdwales . ,...... Sydney 1 267 350 47,3 Melbourne 1 016 500 54,9 Brisbane 313 430 31,7 Adelaide 316 858 53,6 Perth 212 150 46,9 Hobart 64 480 26,4 6 Städte 3 190 768 47,0 Aus der vorstehenden Tabelle ergibt sich, daß der Anteil der Hauptstädte an der Gesamtbevölkerung des Landes nur durch Hobart und Brisbane etwas gedrückt wird. Diese außerordentliche Vorherrschaft der Hauptstädte hat zum Gegenstück die außerordentlich geringe Zahl von Städten mit über 5000 Einwohnern. Während zwei Städte, nämlich Sydney und Melbourne, über eine Million Einwohner zählen, hat keine einzige Stadt zwischen 500 000 und 1 Million Einwohner; zwischen 250 000 und- 500 000 haben nur zwei Städte, nämlich Brisbane und Adelaide. Zwischen 100 000 und 250 000 Einwohnern zählen in ganz Australien wiederum nur zwei Städte, zwischen 50 000 und 100 000 eine Stadt und zwischen 25 000 und 50 000 liegen die Einwohnerzahlen von 8 Städten. Außerdem gibt es noch 14 Städte mit Einwoherzahlen zwischen 10 000 und 25 000, und 31 Städte, die zwischen 5 000 und 10 000 Einwohner haben. Alles in allem ergibt sich also eine Zahl von 60 Städten mit über 5000 Einwohnern; in diesen lebte weit über die Hälfte der Gesamtbevölkerung. In Städten mit Einwohnerzahlen zwischen 1000 und 5000 lebt nur ein kleiner Bruchteil der Gesamtbevölkerung. So herrscht in Australien eine Konzentration der Bevölkerung auf ganz wenige Punkte, wie sie sonst kaum irgendwo zu finden ist. Eine etwas größere Städtedichte besteht nur im Südosten; der gesamte Westen hat, mit Ausnahme des Schwanlandes mit der Hauptstadt Perth, fast gar keine Städte, ebenso das Savannenland des Nordens, und die Mitte ist überhaupt so gut wie ohne Städte. Von dem Teil der Bevölkerung, der nicht in den Städten von mehr als 1000 Einwohnern lebt, wohnt aber auch nur ein relativ kleiner Teil in „ländlichen" Einzelsiedlungen verstreut; vielmehr wohnt die weitaus größte Zahl in den sogenannten Townships, d. h. in Zwergstädten von meistens nur 20 bis 100 Einwohnern. Vom wirtschaftlichen Standpunkt aus sind diese Siedlungen aber tatsächlich zu den Städten zu rechnen, was die Siedler und die Regierung auch durch den Namen Townships ganz richtig andeuten. Die wesentlichen Bestandteile einer Township sind ein Gasthaus, ein Store — also ein Warenhaus bescheidener Art —, eine Schule, eine Kirche und eine Schmiede. In größeren Townships kommen hinzu: eine Polizeistation, ein Krankenhaus mit einer Schwester (aber meist ohne Arzt), eine Bank und allenfalls ein Bahnhofsgebäude. Diese Townships bilden die lokalen Mittelpunkte für ein oft gewaltiges Hinterland, in dem die einzelnen „Stationers" auf ihren Viehstationen leben. Hierbei handelt es sich um Einzelhöfe und nicht etwa um Bauerndörfer, wie wir sie auf dem ganzen europäischen Festland als immer wiederkehrende, typische Siedlungsform vorfinden. Der Kolonist britischer Abstammung siedelt nicht in Dörfern, was auch in den nur durch extensive Viehzucht genutzten Gebieten nahezu unmöglich wäre. Der Einzelhof — die „Farm" im Südosten und Südwesten, wo auch Ackerbau getrieben wird, oder die „Station" dort, wo im Busch nur Viehzucht möglich ist, — ist die typische ländliche Siedlungsform in Australien. Die Gebäude liegen, bei der Farm wie bei der Station, in Streuform unregelmäßig im Gelände. Freilich gibt es in Australien auch Dörfer, aber fast nur dort, wo Deutsche gesiedelt haben. Insbesondere in Südaustralien, in den Tälern der Mount-Lofty-Kette, wie in Queensland und um Brisbane herum, findet man solche oft von schlesischen Auswanderern gegründete Dörfer. Doch handelt es sich hier im ganzen durchaus um Ausnahmen. Die Anlage der größeren Städte folgt überall einer gewissen schematischen Form mit rechtwinklig sich kreuzenden Straßen. Nur selten sind individuellere Formen gefunden worden. Diesem Schema entsprechen selbst die größten Städte, so Melbourne, das mit seinen fünf, genau eine englische Meile messenden Längsstraßen das Ideal einer australischen Stadt darstellt, während für Sydney die schöne Lage an dem buchtenreichen Port Jackson wenigstens in den Vorstädten einige Abwechslung mit sich bringt. Im allgemeinen aber dehnen sich die Straßen der australischen Städte in der gleichen Richtung meilenweit aus, bis sie auf irgend ein natürliches Hindernis stoßen, wie etwa ein Gebirge oder einen Fluß. Trotzdem haben die australischen Städte, namentlich die Hauptstädte, fast durchweg eine individuelle Note, — weniger im Hausbau und Grundriß als vielmehr in der landschaftlich reizvollen und oft einzigartigen Lage, den prachtvollen Parkanlagen und vortrefflichen Kunststraßen. Die australischen Einzelstaaten tun alles für ihre Hauptstadt, hinter der alle anderen Städte sehr zurücktreten müssen. Doch gibt es in Queensland und in Victoria einige ansehnliche Mittelstädte. In Neusüdwales hat nur die Hafen- und Bergwerksstadt Newcastle individuelleres Gepräge. In Neusüdwales, Victoria und Tasmanien bestehen einige „alte", d. h. aus der ersten Zeit der Besiedlung stammende Städte, die noch enge, gewundene Straßen und Steinhäuser aufweisen; diese haben auch in kleinen Städten mehrere Stockwerke. SILBERSTEIN x. CO Inhaber Dr. Fritz Israel Silberstein BERLIN S036 REICH E N B E R GER STRASSE 154 23

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