Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1939. Bestand LBI
- Issue
- April 1939
- Date
- 1939-04-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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übergeht, wird wohl immer nur eine ganz dünne Bevölkerung ernähren können; heute ist das riesige Gebiet fast menschenleer. Die gewaltigen Flächen, die hier zur Verfügung stehen, können aber wahrscheinlich zur extensiven Weidewirtschaft benutzt werden. Hier ist Land überaus billig und die großen Schafzüchter (squatter) ziehen heute zum Teil von Queensland, wo man schon die Riesengüter aufzuteilen sucht, nach Westaustralien, wo sie mit wenig Kapital riesige Flächen erwerben können. Im Süden des zentralen Inselberglandes reicht in der Nullarbor-Ebene das unfruchtbare Land bis zur Küste, und nur der gegliederte Teil der Südküste bildet um den Spencer-Golf und um den St. Vincent-Golf ein wirtschaftlich wichtiges Gebiet, das aber von dem dicht besiedelten Südosten wieder durch das wüstenartige Land östlich der Murray-Mündung getrennt ist. Es ist das sogenannte Goyd e r 1 a n d, das ungefähr einen Flächenraum von 145 000 Quadratkilometern hat und im wesentlichen das Hinterland der Hauptstadt Adelaide ist. Es umfaßt als Kernland die Mount-Lofty-Kette und die Flinders-Kette bis zum Quorn-Port-Augusta-Graben, die Kap-York - Halbinsel und die Eyre-Halbinsel. Als besonders fruchtbar gilt das sogenannte Große Tal von Südaustralien, das sich von Adelaide nach Norden erstreckt und vor allem dem Weizenbau dient. In den Tälern der Mount-Lofty-Kette ist auch Obst- und Weinbau stark verbreitet. Die wirtschaftlich wichtigsten Gebiete Australiens liegen an der Ostküste. Die nordsüdlich verlaufende Cordillere teilt das Ostland in mehrere zonenartige Teilgebiete, nämlich in die Küstenlandschaften, die Cordillere selbst und in die Zone der D o w n s, die sich westlich der Cordillere nach dem Innern zu allmählich abdachen, und schließlich in die großen Ebenen des Ostens. Lange Zeit hindurch bildete die nach der Küste zu steil abfallende Cordillere eine Sperre, über die die Kolonisation nicht hinwegkam. Erst später, in den 80er Jahren, nahm der W eizenanbau in den westlichen Downs und im Staate Victoria einen solchen Umfang an, daß sogar Getreide ausgeführt werden konnte. In welcher Weise besonders kühne Pioniere die natürlichen Hindernisse, welche die Gebirge der Ausdehnung der landwirtschaftlichen Kultur entgegenstellten, überwanden, schildert das berühmte Gedicht von Rudyard Kipling „The Explorer". Die Entwicklung des Südostens empfing einen entscheidenden Anstoß durch die Entdeckung von Goldfeldern (die ersten australischen Felder wurden 1851 entdeckt). Nachdem der Goldrausch zahllose Menschen ins Land gelockt hatte, blieben viele, denen das Glück bei der Goldsuche nicht hold gewesen war, im Lande und wandten sich der Landwirtschaft zu. So wurden frühere Bergwerksstädte, wie Bendigo und Ballarat im Staate Victoria, zu blühenden landwirtschaftlichen Zentren. Der Südosten bildet aber auch das Hauptweideland für Rinder und Schafe. Auf den weiten Ebenen des Murray -Darling weiden mehr als die Hälfte aller australischen Schafe. Die feuchten Küstenländer sind der Milchwirtschaft günstig, und im Anschluß hieran hat sich die Molkerei-Industrie mit Butterfabriken und Käsereien entwickelt. In der Gegend zwischen Newcastle und Brisbane, der Hauptstadt von Queensland, wird an der Küste viel Mais gebaut. Im Innern reicht die Getreidezone bis zu den fruchtbaren Darling-Downs, westlich von Brisbane. Weiter nach Norden zu ermöglichen die Küstenlandschaften von Queensland tropischen Ackerbau. Hier ist vor allem der Anbau des Zuckerrohrs bedeutend, der im allgemeinen keiner künstlichen Bewässerung bedarf. Zuckerrohr wird auch noch im nördlichen Teil der Küstenlandschaft von Neu-Südwales, so besonders um Lismore, angebaut, während in der Gegend um Grafton die Weidewirtschaft das Zuckerrohr wegen der dort auftretenden Nachtfröste verdrängt. Auf die wirtschaftliche Problematik des australischen Anbaus von Zuckerrohr wird später einzugehen sein. Vom Zuckerrohr abgesehen, werden im tropisch heißen Queensland Früchte wie Ananas und Bananen angebaut; die letzteren können allerdings, ebenso wie das Zuckerrohr, nur bei hohem Zollschutz die Konkurrenz ausländischer Erzeugnisse aushalten. Auch Früchte der subtropischen und gemäßigten Zonen, wie Apfelsinen, Zitronen, Pfirsiche, Aprikosen usw. könnten in Queensland vielfach gut angebaut werden, und es fehlt auch nicht an Ansätzen hierzu, doch bilden die Schwierigkeiten des Absatzes vorläufig (solange die Bevölkerung des Landes selbst so gering ist) eine Schranke gegen die Ausdehnung des Obstbaus. Wenn Queensland bis heute nur sehr dünn bevölkert ist, so liegt dies vor allem an den klimatischen Schwierigkeiten, die das tropische Land den weißen Siedlern bietet. Gewiß wird immer wieder darauf hingewiesen, daß sich in Queensland eine rein weiße Bevölkerung — ohne eine farbige Unterschicht, wie sie in andern Tropenländern meist vorhanden ist — bisher ohne ernstliche gesundheitliche Störungen mehrere Generationen hindurch erhalten habe. Aber es handelt sich hier eben bisher um eine dünne Bevölkerungsschicht, die vorwiegend an den Rändern der Ostküste sitzt und zum großen Teil auf luftigen Bergeshöhen wohnt, wo die frischen Meereswinde abkühlend wirken und die Berglandschaften der Cordillere Erholungsmöglichkeiten bieten. Diese klimatischen Probleme tauchen in viel ernsterer Form im Savannenlande des Nordens auf, d. h. also in dem gesamten Gebiet nördlich des 20. Grades südlicher Breite mit Ausnahme der Küstenlandschaft um Cairns. Hier herrscht dauernd eine gleichmäßige Hitze, die für den Europäer unerträglich ist; sinkt doch das Monatsmittel nie unter 20° und bleibt mit Ausnahme der Wintermonate über 26°. Da außerdem eine lange Regenperiode vorhanden ist, so ist dieses feuchttropische Küstengebiet als Siedlungsland für Weiße ungeeignet. Da man aber farbige Einwanderer durchaus nicht ins Land lassen will, so ist der gesamte Norden Australiens bis heute noch so gut wie menschenleer. Es gibt nur wenige Städte, die wenigstens ein paar hundert Einwohner haben, wie Broome, Derby und Wyndham in Westaustralien, Darwin in Nordaustralien und Normanton in Queensland. Früher hatten chinesische Einwanderer im Savannenlande blühende Obstplantagen ins Leben gerufen; heute aber, nachdem man die Chinesen zur Abwanderung gezwungen hat, findet man höchstens noch verwahrloste Gärten, und es fehlt an Obst und Gemüse. Da das feucht-heiße Klima besonders der Gesundheit der Frauen unzuträglich ist, herrscht in Nordaustralien ein krasses Mißverhältnis zwischen der Zahl der Männer und der der Frauen; auf etwa 10 Männer kommt nur eine Frau. Infolgedessen fehlt es überhaupt an einer bodenständigen Bevölkerung. Alle Versuche, weiße Siedler in größerem Maße nach dem Norden zu ziehen, sind bisher gescheitert. Unter diesen Umständen bleibt nichts übrig, als das Savannen-Land als W eideland für Schlachtvieh auszunutzen, wofür es sich gut eignet. Die besten Weidegebiete liegen südlich der Halbinseln, etwa auf der Breite von Halls Creek, südlich des Kimberley-Distrikts und von Newcastle Waters, während der Kimberley-Bezirk selbst und der Osten des Arnhem-Landes sowie fast die ganze Kap-York-Halbinsel noch heute nur Jagdgebiete der wilden Eingeborenen sind. Die Täler der Flüsse sind für tropischen Ackerbau geeignet, aber noch ist fast nichts zu ihrer wirtschaftlichen Erschließung getan. So bilden heute versumpfte Talniederungen J# K Ott GH lnh- Fritz ,srael hatten Berlin SW68, Wilhelmstraße 113 Ruf: 192274 * Samstags geschlossen Die Herstellung modischer Strickwaren auf modernsten Diamant Flachstrickmaschinen sichert Ihnen überall Existenz Anlernung 22