Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1939. Bestand LBI
- Issue
- April 1939
- Date
- 1939-04-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Da die Häuser in Mittelamerika fast alle ohne Öefen sind und Türen und Fenster oft schlecht schließen, ist die Mitnahme eines kleinen Ofens sehr zu empfehlen, dagegen ist ein Petroleum herd im allgemeinen nur für das flache Land erforderlich. Man erkundige sich, ob ein Petroleum- oder ein elektrischer Ofen in den betreffenden Gegenden zweckmäßiger ist. Medikamente sind im Ausland fast überall sehr teuer; man wird daher die Hausapotheke gut ausstatten. Ein guter „gesundheitlicher Ratgeber" ist unentbehrlich. III. Da sich aus der Höhenlage und dem Wechsel von Trocken- und Regenzeiten auch innerhalb des tropischen Gebietes erhebliche Temperaturunterschiede ergeben, tut man gut daran, sich mit Kleidung für heiße und kühle Witterung zu versehen. Die Wärme verweichlicht den Körper und macht gegen Zugluft und Witterungsumschlag empfindlich. Für Orte mit Hochgebirgsklima ist Winterkleidung mitzunehmen. Die Unterkleidung in den Tropen muß luftdurchlässig sein; es kommen aber nur locker gewebte Stoffe in Frage, Gemische von Leinen und Baumwolle, poröse Trikotstoffe, Mako für Damen, auch Flor und Seide; von Kunstseide wird abgeraten. (Die Wäsche muß saugfähig, luftdurchlässig, haltbar sein!) — Für die Oberkleidung empfehlen sich: Leinen, Bast, Seide, Waschkleider, leichte helle Wollstoffe; für kühlere Temperaturen: poröse Wollkleidung, Strickkleidung — Tweed, Fresco. Gummimäntel sind unpraktisch, da sie die Verdunstung hemmen. Zweckmäßig sind widerstandsfähige, wetterfeste Gewebe (Covercoat, Valmeline), für das Gebirge Loden, für das Hochgebirge : Wolle, Pelz, Filzhüte. — Für die Arbeit auf dem Lande kommen Kakhi, Drell, Leinen in Frage; Tropenhelme sind nur in bestimmten Bezirken erforderlich. Wichtig für jede Ausstattung ist eine weiße, wollene (am besten gestrickte) Leibbinde. Für Bettwäsche eignen sich am besten Leinen und wollene Decken; für das Hochgebirge sind auch Federbetten verwendbar. Für die Reise sollte man reichlich Kleidung und Wäsche mitnehmen. Es empfiehlt sich, wenn eine längere Reise in das Landinnere zu machen ist oder auch, wenn nur wenig Möbel mitgenommen werden können, alle Geräte usw. in starken Kisten mit Schraubverschlüssen (ohne Bandeisen) zu verpacken, und die Kisten innen mit Oelpapier auszuschlagen. Eine Kiste soll zweckmäßig mit Inhalt nicht schwerer als 50 kg sein. Alle Instrumente, Werkzeug, Metallteile, Nähmaschine usw. sind vor dem Verpacken gut einzufetten. Ein guter Regulator des Wohlbefindens ist eine vernünftige Zeiteinteilung. In den subtropischen Ländern ist die Arbeitszeit meist durchgehend, während in den Tropen zum mindesten in den heißen Monaten eine Mittagspause zwischen 11 und 3 oder 4 Uhr eintritt. Nervosität und Schlaflosigkeit wird durch geregeltes Leben und körperliche Bewegung vermieden; darum sollte, wenn möglich, in den Nachmittagsstunden etwas Sport getrieben werden. Ein weiteres Erfordernis ist Körperpflege, regelmäßige Waschungen und ausreichendes Wechseln von Wäsche und Kleidern. Wenn irgend möglich, sollten täglich Brausebäder genommen werden. Dagegen sollte das Baden in Flüssen und Teichen vermieden werden (Gefahr der Verunreinigung!); Barfußgehen inner- und außerhalb des Hauses ist Kindern streng zu verbieten und auch von Erwachsenen zu unterlassen wegen der Gefahr von Hakenwürmern, Sandflöhen usw. Mundspülungen müssen morgens und vor dem Schlafengehen und nach allen Mahlzeiten vorgenommen, werden, um die Mundschleimhäute leistungsfähig zu erhalten und die Entstehung von Krankheiten zu verhüten. (Als Spülflüssigkeit empfiehlt es sich, warmes Wasser mit Zusatz von Kochsalz oder erfrischenden Mundwässern zu benutzen; zum Putzen der Zähne: Schlemmkreide oder Kaliklorium, bzw. ähnliche Zahnpaste.) In den warmen Ländern ist die Kindersterblichkeit fast überall erschreckend hoch. Sie ist jedoch nach den Untersuchungen europäischer Forscher nicht unmittelbar durch klimatische Einflüsse verursacht, sondern durch „Unwissenheit, Unkultur und Armut der Eingeborenen" bedingt (Professor Nocht). Kinder von Europäern gedeihen, wenn die Ernährungsfrage gelöst ist, auch in tropischen Niederungen in den ersten Jahren. Schwierig ist allerdings die Beschaffung einwandfreier, künstlicher Säuglingsnahrung. Eine Amme, die meist als bester Ersatz für die Mutterbrust angesehen wird, soll nur nach gründlicher ärztlicher Untersuchung genommen werden. Die Milch der farbigen Frauen pflegt reichlich und gut zu sein, strenge Beaufsichtigung des Stillens ist aber notwendig. Gute Kuhmilch ist nur selten zu beschaffen, sie ist meist mangelhaft zusammengesetzt und verdirbt rasch. Ihr geringerer Fettgehalt gegenüber der Frauenmilch wird in den heißen Ländern nicht als ein Nachteil betrachtet. Als Ersatz kommen Ziegen- oder Eselmilch in Frage; die Gleichgültigkeit und Unsauberkeit der eingeborenen Melker machen jedoch ihre Verwendung meist nicht möglich. Trockenmilch wird als guter Ersatz für Frischmilch angesehen und findet in zunehmendem Maße Eingang, weil sie gleichmäßig zusammengesetzt, leicht verdaulich und bequem verwendbar ist (Verdünnbarkeit nach Bedarf). Sie ist auch hygienisch einwandfrei und wird von Kindern im allgemeinen gern genommen. Gut haben sich auch Mischungen von gesüßter und nicht gesüßter Kondensmilch bewährt. In Amerika wird Säurevollmilch in Pulverform hergestellt und mit Erfolg verwandt. Die United Fruit Company, die in Südamerika große Betriebe unterhält und über 1000 weiße Angestellte mit Familien beschäftigt, hat auf Grund zweijähriger wissenschaftlich kontrollierter Erfahrung Lactogen als ausgezeichnete Säuglingsnahrung erprobt. (Lactogen besteht aus Kuhmilch und Rahm, dem vor dem Trocknen Milchzucker zugefügt wird. Die Zusammensetzung kommt der Frauenmilch nahe und ist auch in den beiden ersten Wochen unter normalen Verhältnissen eine gute Dauerernährung für Säuglinge.) Der Milchnahrung kann schon im zweiten bzw. dritten Monat (ärztlichen Rat einholen!) Fruchtsaft von Orangen, Zitronen, Papaya zugesetzt werden. Als Beikost sind Bananen bewährt. Bei Kindern im Alter von 6—17 Jahren ist — infolge des stark entwickelten Stoffwechsels — der Ausgleich zwischen Wärmeerzeugung und Wärmeabgabe am schwierigsten. Deshalb ist für diese eine Verpflanzung ins tropische Klima am bedenklichsten. Häufig sind bei Kindern Erkältungen die Ursache von Verdauungsstörungen. Diese treten vor allem ein, wenn plötzliche Abkühlung durch Witterungswechsel erfolgt (nach Sonnenuntergang usw.). Aerzte haben wiederholt darauf hingewiesen, daß Kinder in den Tropen meist zu wenig anhaben. „Ein warmer Bauch sei für Kinder der beste Schutz" (Sapper, Gesundheitlicher Ratgeber). SILBERSTEIN & CO Inhaber Dr. Fritz Israel Silberstein---- - BERLIN S036 * E > C H ENB ERGER STRASSE 154 15