Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1939. Bestand LBI
- Issue
- Januar 1939
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 97)
- Language
- German
- Belongs to
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typistinnen mit englischen, spanischen und deutschen Sprachkenntnissen einige Nachfrage bestehen. Die Möglichkeiten für Facharbeiter und Handwerker sollen nicht schlecht sein, ohne daß im Augenblick gesagt werden kann, welche Berufe in Frage kommen. Die nationalistische Tendenz macht sich neuerdings gerade unter den Arbeitern und Angestellten stark geltend. Infolgedessen ist in Venezuela (wie es in anderen südamerikanischen Staaten vielfach schon geschehen ist) der Arbeitsmarkt für Ausländer auch gesetzlich eingeschränkt worden; 75 v. H. der Belegschaften müssen Venezolaner sein. Daß Venezuela für landwirtschaftliche Kolonisation noch reiche Möglichkeiten, auch in klimatisch für Europäer günstigen Teilen bietet, erscheint an sich nicht zweifelhaft, und zwar käme für jüdische Einwanderer weniger der eigentliche Ackerbau als Gemüse- und Obstzucht in Frage, die im Lande noch sehr rückständig ist und große Entwicklungsmöglichkeiten bieten soll. Doch kann vorläufig, ehe die Voraussetzungen einer jüdischen Kolonisation nicht in ganz anderer Weise geklärt sind, keinem Juden geraten werden, etwa allein das Risiko einer landwirtschaftlichen Ansiedlung in Venezuela auf sich zu nehmen. Der Lebensstandard soll in Venezuela ungefähr dem europäischen entsprechen; als Existenzminimum für einen ledigen Einwanderer sind monatlich ungefähr 250 bis 300 Bolivares anzusetzen. Nicht höher, teilweise noch niedriger (etwa 200 bis 300 Bolivares) liegen in den uns bekannt gewordenen Fällen die Gehälter, die für kaufmännische Angestellte mit Sprachkenntnissen angeboten werden. In einzelnen seltenen Fällen sind uns für ausgezeichnete Fachkräfte Gehälter bis zu 1200 Bolivars bekannt geworden. Die Arbeitsgesetzgebung hat die Arbeitszeit (8-Stundentag) geregelt, für bezahlten Urlaub gesorgt u. a. m.