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Jüdische Auswanderung · 1939-01-01 · Januar 1939 · p. Seite 83

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand LBI
Issue
Januar 1939
Date
1939-01-01
Page
Seite 83 (sequence 87)
Language
German
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Einem schmalen Küstenstreifen folgt landeinwärts ein niedriges Hügelland, dessen höchste Erhebungen wenig über 600 m betragen. Das Land wird von einem teils zum Uruguaystrom, von dem das Land seinen Namen hat, teils zum Atlantischen Ozean gerichteten Flußsystem durchzogen, das ebenso verkehrsbegünstigend wirkt wie die verhältnismäßige Flachheit des Hinterlandes. Das nicht dem Ackerbau gewidmete Land ist mit hohen Grassteppen bedeckt, längs der Flüsse ziehen sich Wälder hin. Die größeren Städte liegen an der Küste, an den Ufern des Grenzstromes Uruguay und der Rio de la Plata genannten Meeresbucht, oder an denen des Rio Negro, der das Land quer durchfließt und in den Uruguay mündet. „M ontevideo, die Landeshauptstadt, ist eine moderne Stadt, größer als München, und sein sich kilometerweit hinziehender Strand wird besonders von Argentiniern sehr besucht. Montevideo besitzt die modernsten Krankenhäuser und Schulen, und das ganze Lebens- und Kulturniveau ist jeder europäischen Großstadt ebenbürtig. Die Stadt hat ferner eine große Universität mit allen Fakultäten, in der das Studium, wie in allen Schulen, kostenlos ist." (Aus einem Brief des dortigen Komitees vom 14. Februar 1936.) Montevideo hat 683 000 Einwohner, besitzt eine große Anzahl eindrucksvoller Regierungsgebäude und kommerzieller Bauten. Der Palacio Salvo, ein Wolkenkratzer, und die Türme der Kathedrale beherrschen das umgebende Stadtbild, für das der Bau niedriger, flachdächiger Häuser charakteristisch ist. Berühmt sind Montevideos rosenreiche öffentliche Parks. — Elegante Badeorte befinden sich in Montevideos Umgebung und sind durch gute Verkehrsverbindungen leicht zu erreichen. Die zweitwichtigste Stadt Uruguays ist Paysandu mit 31 000 Einwohnern am Ostufer des Uruguay; es ist der Hauptsitz der Fleischverarbeitungsindustrie. Auch andere Industrien nützen die günstige Verkehrslage dieser Stadt, die, wie das ganze Uruguaystrom-Gebiet, auch durch Bahnen erschlossen ist. — Ebenfalls am Uruguay, nördlich von Paysandu, liegt Uruguays drittgrößte Stadt Salto (30000 Einwohner). Salto ist Umschlagshafen und Verarbeitungsort von Gefrierfleisch, Zitrusfrüchten und landwirtschaftlichen Produkten. — Flußabwärts von Paysandu liegt Fray-Bentos, der Sitz der in englischem Besitz befindlichen Liebig-Fleischextrakt-Fabriken. — Mercedes, am Rio Negro kurz vor seiner Mündung in den Uruguay gelegen, ist ebenfalls ein Handelszentrum für agrar- und viehwirtschaftliche Produkte, zugleich aber auch ein gern aufgesuchter Erholungsort. Die Verkehrsverhältnisse Uruguays liegen ziemlich günstig. Die Grenzen des Landes werden zum großen Teil vom Meer und von Strömen gebildet, die bis weit in das Binnenland hinein auch für größere Dampfer schiffbar sind. Uruguays Straßen gehören zu den besten Südamerikas, das Netz guter gepflasterter Straßen umfaßt etwa 1300 km. Neue Autostraßen sind ständig im Bau. Die wichtigsten Städte des Landes sind mit Montevideo durch Fluglinien verbunden. 2. Klima und Gesundheitsverhältnisse Uruguays Klima ist angenehm und gesund; es entspricht etwa dem Klima der nördlichen Mittelmeerländer. Die Sommertemperaturen, die bis zu 32° C ansteigen, werden durch Ozeanbrisen gemildert. — Die Jahresdurchschnittstemperatur für Montevideo beträgt 16° C. Die Frühlingsmonate sind Oktober und November; die Sommerzeit dauert von Dezember bis März. Wärmster Monat ist der Januar mit 22° C Durchschnittstemperatur in Montevideo. Herbst: April und Mai; Winter: Juni (kältester Monat mit 10° C Durchschnittstemperatur in Montevideo) bis September. Das Klima und Wetter von Montevideo gilt als besonders schön. Durchschnittlich werden 225 Sonnentage im Jahre gezählt. Epidemische Krankheiten sind in Uruguay selten. 3. Bevölkerung Die Bevölkerung Uruguays wurde am 1. Juli 1937 auf 2 154 300 Einwohner geschätzt. Etwa 90 v. H. der Bevölkerung dürften Weiße sein, 10 v. H. Mestizen; Indianer gibt es in Uruguay nicht. — 18,1 v. H. der Bevölkerung sind Ausländer, davon 6,2 v. H. Italiener und 5,5 v. H. Spanier. 1932 wurde die Zahl der Juden in Montevideo auf 17 000 geschätzt; seitdem dürfte ihre Zahl sich sehr bedeutend vermehrt haben; von manchen Seiten wird die Zahl 50 000 genannt. Mit 11 Einwohnern je Quadratkilometer ist Uruguay der dichtest besiedelte Staat Südamerikas. Der jährliche Geburtenüberschuß von 10,7 auf das Tausend der Bevölkerung ist recht hoch. 4. Regierung und Innenpolitik Uruguays neue Verfassung wurde am 19. April 1934 durch Volksabstimmung angenommen. Die Exekutive liegt jetzt allein in den Händen des Präsidenten, der auch das Kabinett von neun Ministern aus Mitgliedern der beiden jeweils politisch führenden Parteien ernennt. Die Parteien Uruguays werden seit altersher in zwei Gruppen zusammengefaßt: die „Weißen" (Blancos) und die „Roten" (Colorados). Der jetzige Präsident General Alfredo Baldomir gehört einer Gruppe der Konservativen („Colorados") an. Er führt im wesentlichen die Linie der Regierung seines Vorgängers fort, die „liberal" und demokratisch mit fortschrittlicher Sozialpolitik war. Gelegentlichen antisemitischen Strömungen steht die Regierung fern. — Weitere verfassungsmäßige Körperschaften sind: der Senat, dessen Mitglieder sich zu gleichen Teilen aus Vertretern der beiden führenden Parteien zusammensetzen, und eine Abgeordnetenkammer, bestehend aus Abgeordneten der Departements (entsprechend dem Anteil ihrer Bevölkerung) und aus Abgeordneten der politischen Parteien (entsprechend der Anzahl der Wählerstimmen jeder Partei). Für Männer und Frauen besteht Wahlpflicht; Wahlenthaltung ist strafbar. Die Verfassung trägt stark sozialen Charakter. Die teilweise schon bestehende, sehr fortgeschrittene Sozialgesetzgebung wurde in der Verfassung kodifiziert. So sieht die Verfassung vor: Altersrenten, Kinderfürsorge, Mutterschutz, freie medizinische Behandlung für Bedürftige, Arbeiter-Unfallversicherung, Bau billiger Wohnungen für Arbeiter, Achtstundentag und Sechstagewoche, auch für häusliche Angestellte, Mindestlöhne und spezielle Schutzvorschriften für Frauen und Minderjährige. Ein neues Pressegesetz wird streng gehandhabt. III. Die Wirtschaft I. Die Währung Die Währungseinheit Uruguays ist der Gold- Peso (abgekürzt: uSo.), der in 100 Centesünos unterteilt ist. Die Goldparität zur Reichsmark betrug ursprünglich u$o. 1 4,34 Reichsmark. Bis 1930 hielt sich der Peso auf dieser Parität stabil, um dann stark abzusinken. Am 14. 8. 1935 entschloß sich die Regierung, durch eine gesetzliche Neubewertung der Edelmetallbasis eine neue Goldparität des Peso einzuführen, die der durch die Entwertung geschaffenen Lage entsprach. Durch das gleiche Gesetz wurde das Recht zur Notenausgabe einer neubegründeten Emissions - Abteilung der Bank der Re- WILHELM GRASSOW!M-3>efördernng "*Pwr BE RLIN-REINICKENDORF-MARK.STR: 10-I1 RUF:490?1? ü* 83

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