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Jüdische Auswanderung · 1939-01-01 · Januar 1939 · p. Seite 76

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand LBI
Issue
Januar 1939
Date
1939-01-01
Page
Seite 76 (sequence 80)
Language
German
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wo die Andenflüsse ihn durchkreuzen, entwickelt sich auf fruchtbarem Boden eine reiche Vegetation. Um diese Täler konzentrieren sich die menschlichen Siedlungen, die, im Süden schwach gesät, von der Bucht von Pisco ab dicht aufeinander folgen. Die Hauptstadt Lima liegt, umgeben von gartenreichen Vorstädten, auf einem sanft von den Andenvorläufern zur See sich neigenden Plateau. Das Bild der rechteckig sich kreuzenden Straßen mit zahlreichen historischen Bauwerken der spanischen Konquistadorenzeit und schönen Privathäusern im spanischen Kolonialstil zeugt von Limas großer Vergangenheit als ehemaliger Hauptstadt Spanisch-Südamerikas und bietet doch den Anblick einer lebhaften und vornehmen modernen Großstadt. In den letzten Jahren wurde die Anzahl großer, erdbebensicherer Eisenbetonbauten vermehrt. Auf neu angelegten, 40 m breiten Straßen pulsiert ein reger Großstadtvei'kehr. Dort trifft sich täglich die Stadt zur Abendpromenade. Historische Sehenswürdigkeiten und Ausflugsgelegenheiten bieten ebenso Abwechslung wie moderne Vergnügungen aller Art. C a 11 a o, als Hafen Limas 12 km von der Hauptstadt entfernt, trägt den Charakter einer geschäftigen Handels¬ und Hafenstadt, die nicht durch Limas städtebauliche und landschaftliche Reize verschönt wird. In diesem Landesteil regnet es selten. Kalte Gebirgswinde werden vom Andengebirge abgehalten, und eine frische, vom Humboldtstrom her wehende Seebrise macht das Tropenklima für Europäer angenehm. Küstenaufwärts reihen sich zahlreiche Badeorte aneinander; der sich verbreiternde Küstenstreifen bleibt dicht besiedelt. Fruchtbares Land, in dem hauptsächlich Zuckerrohr angebaut wird, umgibt die Ortschaften. Der äußerste Norden, genannt Piura, wird wieder zur unfruchtbarsten Wüste. Hier aber finden sich die reichsten Petroleumvorkommen. Regen fällt nur alle drei bis vier Jahre. Der Küste sind eine Reihe Inseln vorgelagert, die große Möglichkeiten zur Guano-Ausbeute bieten. Parallel zum Küstenstreifen zieht sich die Sierra oder Andenregion hin. Im Süden umschließen gewaltige, tätige Vulkane das Becken des Titicacasees. In der vulkanischen Hochgebirgszone befinden sich besiedelte Täler und Hochflächen. Arequipa, 2450 m hoch gelegen, gilt als zweitwichtigste Stadt Perus. Es bietet ein eigenartiges Stadtbild. Die Gebäude sind zum großen Teil aus einem nur in dieser Stadt verwandten weißen Lavastein erbaut, und auf den Straßen fluktuiert ein reger Verkehr, in dem sich lastentragende Lamas, Esel und modernste Automobile und Straßenbahnen begegnen. Nordöstlich von Arequipa liegt die alte Hauptstadt des Inkareiches C u z c o in 3380 m Höhe. Eine Fülle von interessanten Denkmälern und Bauwerken der Inka-Zeit und der Frühepoche der spanischen Eroberung hat sich in dieser Stadt und ihrer Umgebung erhalten. Die Vegetation ist in diesem Andengebiet, von der nächsten Umgebung der Flüsse und Bäche abgesehen, sehr dürftig. Auf diesen wenigen grünen Flecken gedeihen Mais, Weizen, Gerste, Klee, Kartoffeln, Hülsenfrüchte. Gegen Norden zu erstreckt sich das peruanische Bergwerksgebiet. Die Siedlungen werden kleiner, liegen aber näher beieinander, so daß der nördliche Teil der peruanischen Anden zum dichtestbesiedelten des Landes wird. Während die Anden auch in Peru als verkehrshemmende Schranken wirken, bietet sich doch hier, an der Maranon- Gebirgsenge, wo sich der Andenrücken senkt und nahe an die Küste herantritt, der verhältnismäßig günstigste Gebirgsübergang vom südlichen Chile bis nach Columbien. Hier wird offenbar, daß Peru eine außerordentlich wichtige Stellung als Verkehrsmittler zwischen dem Pazifik und dem Amazonastal hat. Auch die Vegetation gedeiht hier auf fruchtbarerem Boden. Das besiedelte Waldgebiet, Montana, erstreckt sich längs des Ostabhanges der Anden hin. Diesem Gebiet entstammt die Kartoffel. Sie wird hier ebenso wie Mais, Zuckerrohr, Bataten und Quinua (ein reisartiges Volksnahrungsmittel) angebaut. Das Land gilt als für Kolonisationszwecke geeignet. Verschiedene Kolonisierungspläne wurden von der Regierung zur Kultivierung dieses Landesteiles ausgearbeitet. Das nordöstliche Tiefland trägt als Amazonasgebiet einen für Europäer nur schwer erträglichen Tropencharakter. Von unmittelbar an den Flüssen gelegenen Orten abgesehen, ist das Land außerordentlich dünn besiedelt. Haupt- fluß ist der Maranon. An ihm, der Ozeandampfer bis weit nach Peru hineinträgt, Hegt I q u i t o s. Diese Stadt von etwa 40 000 Einwohnern zeigt nicht mehr das geschäftige Leben der Zeiten der Kautschukkonjunktur. Handel und Industrie stagnieren hier im Amazonasgebiet. Die Eisenbahnen — teils in Staats-, teils in Privatbesitz — sind Stichbahnen, die quer den Küstensaum durchschneiden. Es gibt keine das ganze Land in der Längsrichtung durchquerende Bahn. Auch stehen die Andenlinien nicht sämtlich untereinander in Verbindung. Das Autostraßennetz ist noch weitmaschig, doch sind verschiedene neue Chausseen im Bau. 2. Klima und Gesundheitsverhältnisse Das Klima Perus ist uneinheitlich. Es schwankt je nach der Höhenlage zwischen heißem Tropenklima und kalten Hochgebirgstemperaturen. Tropenklima herrscht in der Küstenebene, kühleres auf dem Gebirgsplateau bis 3000 m Höhe. Das Klima des östlichen Amazonas-Distriktes ist für Europäer unerträglich heiß. Im allgemeinen kann das Klima als gesund bezeichnet werden; in einzelnen Gegenden herrscht allerdings Malaria oder Typhus. Die Hauptstadt Lima (158 m) weist eine jährliche Durchschnittstemperatur von 19° C auf; heißester Monat ist der Februar (23° C im Durchschnitt), kältester der August (16° C). Aehnlich verhalten sich die Temperaturen C a 11 a o s (Hafen von Lima und zweitgrößte Stadt des Landes). Die entsprechenden Temperaturen für weitere wichtige Städte, die für alle in der gleichen Höhe liegenden Landesteile charakteristisch sind, folgen: Arequipa (2450 m), Jahresdurchschnitt: 13,5° C, wärmster Monat: Oktober (14° C), kältester Monat: Juni (13° C). Cuzco (3380 m), Jahresdurchschnitt: 10° C, wärmster Monat: November (11° C), kältester Monat: Juli (8° C). Mollendo (24 m), Jahresdurchschnitt: 18° C, wärmster Monat: Februar (21,5° C), kältester Monat: August (15° C). Das gesamte Küstengebiet ist praktisch regenlos. Der Humboldtstrom, eine von südlichen Eisgebieten heraufziehende Meeresströmung, bringt jedoch kühle Winde mit sich, die — wie auch in Chile — den Küstengebieten erträgliche Temperaturen verleihen. Allgemein dauert die Regenzeit von Mai bis Oktober. November bis April ist Trockenzeit. Die Niederschlagsmengen Limas sind im Winter hoch. Dann sind deshalb Erkältungen und rheumatische Erkrankungen recht häufig. Menschen, die für Krankheiten der Atmungsorgane, insbesondere der Lunge, empfindlich sind, kann Peru nicht angeraten werden. Städte in großer Höhenlage sind hier wie überall für Herzkranke ungeeignet. 3. Bevölkerung Einem uns von der Hicem liebenswürdigerweise zur Verfügung gestellten ausführlichen Sonderbericht über Peru entnehmen wir folgende Angaben: Da seit 60 Jahren keine Volkszählung stattgefunden hat, gibt es nur vage Schätzungen der heutigen Volkszahl, und ebenso wenig weiß man über die Verteilung der Peruaner auf die verschiedenen Berufe. (Man hoffte, 1937 mit einer Volkszählung und anderen wichtigen statistischen Erhebungen wenigstens beginnen zu können.) Augenblicklich schätzt man die Bevölkerung des Landes auf 6,4 Millionen Seelen, die sich auf eine Oberfläche von 1 244 577 q k m verteilen. Bei einer Gesamtzahl von 6,4 Millionen Einwohnern schätzte man am 31. Dezember 1935 die Zahl der Ausländer insgesamt auf 38 550, nämlich: 21500 Japaner, 8000 Chinesen, 3000 Italiener, 2000 Spanier, 4000 verschiedene Nationalitäten. Die große Mehrheit des peruanischen Volkes besteht schätzungsweise aus einer Million sogenannter weißer Peruaner, ferner I1/2 Millionen Mestizen und ungefähr 4 Millionen Indianern, unter denen noch manche Wilde sein sollen. Die Indianer, die größtenteils in der Sierra, aber auch im Waldgebiet und um den Titicaca-See herum wohnen, stehen auf primitivster Kulturstufe. Jetzt durch jahrhundertelange Unterdrückung und Ausbeutung noch verkommen, werden sie vielleicht in Zukunft, wenn die bestehenden 76

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