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Jüdische Auswanderung · 1939-01-01 · Januar 1939 · p. Seite 71

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand LBI
Issue
Januar 1939
Date
1939-01-01
Page
Seite 71 (sequence 75)
Language
German
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zur Folge. Eine Inflation trat ein, die den Wert des Peso auf etwa 1 Pfg. herabdrückte. Durch eine D e - Visenzwangswirtschaft wurde der paraguayanische Peso in ein festes Verhältnis zum argentinischen Papierpeso gebracht. Größere geschäftliche Transaktionen wurden — und werden noch — in argentinischen Pesos abgeschlossen. 1 argentinischer Peso notiert zur Zeit rund 71,50 paraguayanische Pesos. In Paraguay besteht eine Devisenbewirtschaftung. Die Exporteure müssen einen je nach Art der Ware verschieden hohen Teil (bis zu 100 °/o) des Devisenerlöses an die Staatsbank abliefern; der Rest darf im Freihandel verkauft werden. Die zur Bezahlung der Einfuhr erforderten Devisen können die Importeure sich ohne weitere Genehmigung oder dergleichen im freien Handel beschaffen. — Mit Deutschland besteht Aski-Verrechnungsverkehr; die Aski-Mark hat ein Disagio von 20 bis 40 v. H. 2. Waldwirtschaft und Landwirtschaft Paraguays Reichtum beruht allein auf seinen wald- und landwirtschaftlichen Quellen. Der Boden, sogenannte „rote Erde", ist fruchtbar, und die Grassteppen bilden eine für Viehzucht geeignete Grundlage. Zahlreiche Urwaldgewächse werden durch Raubbau wirtschaftlich nutzbar gemacht. Unter diesen Waldprodukten, die von Paraguays Exporten etwa 30 o/o ausmachen, steht an erster Stelle der Quebrachoextrakt, eine Gerbsäureart, die durch Verarbeitung im Lande aus dem Quebrachoholz gewonnen wird. Der Export von Quebrachoextrakt ist in den letzten Jahren zurückgegangen. Er betrug 1936 36 357 t im Werte von 2181 000 Goldpesos. Von großer Bedeutung ist Paraguays Produktion von Yerba Mate. (Mate sind die Blätter eines Strauches, die, gepflückt, gedörrt und dann zerkleinert, in ganz Südamerika wie Tee genossen werden.) Seit einigen Jahren hat sich Südamerikas Mateproduktion auch schon europäische und nordamerikanische Märkte erobert. Das Verarbeitungsverfahren, insbesondere die Dörrung des Mate, ist jedoch noch sehr primitiv. Es ließe sich auch durch Einführung neuerer, auf anderen Gebieten der Agrarproduktion bewährter Dörrverfahren die Qualität des fertigen Mate steigern. Neuerdings geht man in Paraguay zum Plantagenanbau des Yerba Mate über. In den letzten Jahren wurden etwa 8600 t Yerba Mate produziert. Der Export, der seit 1933 sehr stark zurückgegangen ist, betrug 1936 2841 t im Werte von 518 000 Goldpesos. Große Möglichkeiten bieten sich noch in der Bauholzgewinnung, da in den riesigen Wäldern große Nutzholzreserven noch unausgenutzt stehen. Die Wälder umsäumen die Flüsse, was den Transport sehr erleichtert. Zwar sind die in unmittelbarer Nachbarschaft der Flüsse und Bahnen gelegenen Waldflächen schon von den wertvollsten Hölzern entblößt, aber das Hinterland ist noch völlig unausgenutzt. Eine Anzahl von Sägemühlen befindet sich in den größeren Städten. In den holzarmen Gebieten Argentiniens ließe sich ein großer Absatzmarkt für paraguayanisches Holz erschließen. Der Gesamtwert der Holzausfuhr wird für 1936 auf 2,8 Millionen Pesos angegeben. Regelrechter Ackerbau wird erst in einigen Gebieten des Südostens getrieben. Unter den eigentlichen Agrar- Produkten werden für den Eigenbedarf Mais, Kartoffeln und Reis angebaut; Zucker wird teilweise importiert. — Von besonders guter Qualität sind Paraguays Grapefruits und Orangen. Die letztgenannten konnten jedoch bis in jüngste Zeit gegen argentinische nicht konkurrieren, da die Verpackungsmethoden der paraguayanischen Produzenten sehr rückständig waren. Die Ausfuhr von Apfelsinen fiel dennoch von 105 Millionen Stück in 1933 auf 8 Millionen in 1936; Ursache dieses Rückgangs sind Maßnahmen Argentiniens, des Hauptabnehmers, zum Schutze seiner einheimischen Produktion. Aus den Blättern des Bitter-Orangen-Baumes wird ein Oel, das petit grain, destilliert, das als Grundlage der Parfumfabrikation dient und in großem Umfange exportiert wird. Rund 70 o/0 des Weltbedarfs wird von Paraguay gedeckt. Der Exportwert betrug 1936 234 000 Goldpesos. — Tabak wird auch in gewissem Umfange exportiert (1936 3725 t). Sehr viel verspricht man sich vom Ertrage des jetzt forcierten Baumwollanbaus, der hauptsächlich der Samenzucht dient. Man versucht die Qualität der Faser zu heben, um deren Export und auch ihre Verarbeitung im Inlande zu erleichtern. Der Gesamtwert der ausgeführten Baumwolle (Fasern, Samen, Kuchen) betrug 1936 2,5 Millionen Goldpesos. Der Export von viehwirtschaftlichen Produkten macht wertmäßig etwa 30 °/o des Gesamtexports aus. Der Rindviehbestand Paraguays wird auf rund 3 Millionen Stück geschätzt, wozu noch ungezählte wilde Herden im Chaco-Gebiet kommen. Die übrigen Vieharten sind neben den Rindern unwichtig. Der Wert der Ausfuhr viehwirtschaftlicher Erzeugnisse wird für 1936 auf 3 Millionen Goldpesos angegeben, wovon 1,2 Millionen auf Rinderhäute, der Rest auf Fleischextrakt und konserviertes Fleisch kommen. 3. Bergbau und Industrie Die Be r g b au - Produktion Paraguays ist gering; das Land hat jedoch — angeblich in größeren Mengen — Lager von Eisen, Kupfer, Mangan, Talkum, Kaolin und Porphyr. Eisen wird in primitiven Verfahren für den heimischen Bedarf gewonnen. Edelmetalle wurden bisher nicht gefunden. Im Lande verstreut sind bisher unausgenutzte Kupferlager vorhanden. Der Export von Kaolin (Porzellanerde) nach Argentinien ist geplant. Auch die Industrie des Landes ist völlig unentwickelt. Ein Teil der Industriebetriebe verarbeitet heimische Rohstoffe zu Halbfabrikaten oder zu Export- Fertigwaren (Sägemühlen, Quebrachoextrakt-Gewinnung, petit grain-Destillierung, Herstellung von Fleischkonserven). Ein anderer Teil stellt Nahrungs- und Genußmittel für den inländischen Bedarf bereit (Zuckerfabriken, Weizenmühlen, Zigarren- und Zigaretten-Fabriken, Getränkefabriken, Brauereien, Schuhfabriken u. a. m.). In Asunciön gibt es eine Brauerei, eine Eisfabrik und verschiedene Mineralwasserfabriken. Dort werden auch in kleinem Umfange Seifen, Kerzen, Ziegel, Schuhe, Möbel und Zündhölzer fabriziert. Die Ertragsgestaltung der drei im Lande bestehenden Textilfabriken, die die einheimische Baumwolle verarbeiten, wird durch japanische Konkurrenz stark beeinträchtigt. 4. Außenhandel Während bei den meisten südamerikanischen Ländern in den letzten Jahren eine wesentliche Erholung von der Wirtschaftskrise zu verzeichnen war, wurde die wirtschaftliche Entwicklung Paraguays durch den Chacokrieg mit Bolivien naturgemäß ungünstig beeinflußt. Insbesondere bewirkte die mit dem Krieg verbundene starke Geldentwertung eine Drosselung der Einfuhr. Die Regierung Ayala bemühte sich zwar während des Krieges namentlich durch starke Förderung des Baumwollanbaues um eine Forcierung der Ausfuhr, und es gelang ihr auch, den Export des Landes trotz sinkender Preise für Tannin und Häute auf einer jährlichen Höhe von 10 bis 12 Millionen Goldpesos zu halten. Die Einfuhr aber, die 1928, vor Krise und Krieg, noch 14,3 Millionen Goldpesos betragen hatte, fiel 1933 auf 7 Millionen. In den Jahren 1934 und 1935 betrugen die Außenhandelsumsätze etwa 23 Millionen Goldpesos; auf 1936 ist die Einfuhr wieder auf 9,8 Millionen, die Ausfuhr auf 9,6 Millionen Pesos zurückgegangen. SILBE RSTE I N x. C 0 Inhaber Dr. Fritz Israel Silberstein 1------ .. - BERLIN S036 REICHENBER GER STRASSE 154 71

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