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Jüdische Auswanderung · 1939-01-01 · Januar 1939 · p. Seite 63

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand LBI
Issue
Januar 1939
Date
1939-01-01
Page
Seite 63 (sequence 67)
Language
German
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1. von Personen, die von einem landwirtschaftlichen Unternehmen in Ecuador angestellt sind und dort arbeiten wollen, 2. von der Ehefrau und den minderjährigen Kindern, die mit dem Familienvater zusammen einwandern, 3. von der Ehefrau und den minderjährigen Kindern eines in Ecuador ansässigen Ausländers, 4. von der Ehefrau und den minderjährigen Kindern oder anderen gesetzlich unterhaltsberechtigten Verwandten eines Ecuadoria n er s. (Nach der Praxis der Konsulate wird das Vorzeigegeld häufig pro Kopf verlangt; minderjährig im Sinne des ecuadorianischen Gesetzes sind alle Personen unter 18 Jahren.) Beim Antrag auf die Erteilung des Visums sind dem Konsul folgende Papiere vorzulegen: 1. ein gültiger Reisepaß, 2. ein großes polizeiliches Führungszeugnis über die letzten 5 Jahre, 3. ein amtsärztliches Gesundheitszeugnis mit Vermerk über eine in den letzten 6 Jahren erfolgte Pockenimpfung, 4. 3 beim Konsulat erhältliche Fragebogen, 5. 3 Paßbilder; 6. Bescheinigung der Schiffahrtsgesellschaft, bei der die Passage gebucht ist, über die Hinterlegung des Landungsgelds und des Vorzeigegelds. 7. Erklärung der Niederlassungsabsicht und Angabe der Tätigkeit, der sich der Antragsteller in Ecuador widmen will. Das Visum wird versagt: 1. unheilbar oder ansteckend kranken Personen; 2. Geisteskranken und Idioten; 3. Bettlern, Landstreichern, Mädchenhändlern, Verbrechern; 4. aus Ecuador ausgewiesenen oder aus einem anderen Lande ausgewiesenen Personen, wenn die Ausweisung aus einem auch in Ecuador gesetzlich vorgesehenen Grunde erfolgt ist, und politisch verdächtigen Personen; 5. Personen, die einen Beruf ausüben, der eine Schädigung ecuadorianischer Interessen oder eine Konkurrenz für die Ecuadorianer bedeuten könnte; 6. und schließlich überhaupt Personen, die aus irgendeinem Grunde als unerwünscht angesehen werden. Die Gebühr für Ein- und Durchreisevisa beträgt 7,40 USA-Dollar zur Zeit rund etwa 18,50 RM. B. Zollbestimmungen 1. Reisegepäck Kleidung, Schuhzeug, Betten, Ausrüstungsgegenstände, Waffen, zur Ausübung des Berufes nötige Geräte und sonstige schon benutzte Gegenstände sind zollfrei, wenn sie offensichtlich nur dem eigenen Gebrauch den Reisenden dienen. 2. Umzugsgut Gebrauchte Möbel, Bilder von Familienangehörigen, Musikinstrumente, Werkzeuge, Tisch- und Küchengeschirr in Menge und Art, die dem Stande des Einreisenden entsprechen, werden zollfrei abgefertigt. Die Gegenstände müssen sich länger als sechs Monate ün Gebrauch des Einwanderers befunden haben (nachzuweisen durch ein von der Polizeibehörde des Heimatortes beglaubigtes Verzeichnis) und müssen mit dem Reisenden zusammen oder spätestens sechs Monate nach seiner Ankunft in Ecuador anlangen. Zur Erlangung der Zollfreiheit ist eine Bescheinigung des Zollverwalters notwendig. 3. Ausstattungs- und Heiratsgut Neue Gegenstände sind zollpflichtig; gebrauchte Gegenstände können unter Umständen als Umzugsgut vom Zoll befreit werden. IL Das Land 1. Natur des Landes Ecuador ist mit etwa 455 000 qkm (nach einer offiziellen Schätzung) einer der kleinsten selbständigen Staaten Südamerikas1). Ungefähr ein Fünftel des Landes liegt x) Da die Grenzen gegenüber Peru noch nicht genau festgelegt sind, ist der Größenumfang des Landes Ecuador nicht genau anzugeben. Die oben genannte Flächenzahl ist von einem ecuadorianischen Militärgeographen geschätzt worden und wird amtlich anerkannt. Andere Schätzungen geben bis zu 874 000 Quadratkilometer an. nördlich, der Rest südlich des Aequators. Ecuador, das eine etwa dreieckige Gestalt hat, wird begrenzt durch Columbien, Peru und den Pazifischen Ozean. Wirtschaftsgeographisch sind deutlich drei Landesteile zu unterscheiden: das Küstengebiet im Westen, das Andengebiet und das östliche Tiefland. Das Küstengebiet ist der für die Ausfuhr bedeutsamste Landesteil. Ecuadors weltwirtschaftliche Produkte, vor allem Kakao., werden hier kultiviert. Das Küstengebiet ist infolge des feuchtheißen Klimas im allgemeinen schwächer besiedelt als das Anden-Hochland. Doch liegt hier Guayaquil, das mit 140 000 Einwohnern die größte Stadt Ecuadors und der einzige Seehafen von Bedeutung ist. Die Stadt liegt am Guayas-Fluß, etwa 50 km vor seiner Mündung. Die Straßen der Stadt sind gepflastert, und neuerdings hat auch die Durchführung von Kanalisationsanlagen Fortschritte gemacht. Die Büros der Handelsgesellschaften und Banken, Lagerplätze und Industriebetriebe verleihen der Stadt einen geschäftigen, betriebsamen Charakter. . Das Andengebiet ist wirtschaftlich nicht auf den Außenhandel eingestellt. Trotzdem leben in den Hochtälern der Anden 75 v. H. der Gesamtbevölkerung Ecuadors. Die Anden durchziehen Ecuador in zwei großen Höhenzügen, die von gewaltigen Schneegipfeln, teilweise noch tätigen Vulkanen, gekrönt sind. Das Zentral-Tal zwischen den beiden Gebirgsketten wird durch Querriegel, sogenannte Nudos, in mehrere Becken aufgeteilt, die durch Flüsse bewässert werden. Diese Täler, in deren Mitte zumeist eine Stadt liegt, sind für den Äckerbau verhältnismäßig günstig. Durch ihre Produkte: Getreide, Kartoffeln, Mais, Luzerne, wird das ganze Land ernährt. In diesen Siedlungsgebieten konzentriert sich die Bevölkerung nicht in großen Städten; sie verteilt sich auf teilweise recht verstreut liegende Haciendas und Kolonien. In einem der nördlichen Hochbecken liegt die Landeshauptstadt Quito, eine Stadt mit etwa 118 000 Einwohnern, in der sich der altspanische Kolonialgeist — in der Architektur sowohl wie in der Gesinnung der Oberschicht der Bevölkerung — bis heute erhalten hat. Zahlreiche Kult- und Profanbauten zeugen von der Vergangenheit; von Häusern im Kolonialstil eingefaßte enge Straßen, die sich rechteckig an größeren Plätzen kreuzen, verleihen der Stadt einen malerischen Eindruck, der durch eine gartenreiche Umgebung und Parks noch erhöht wird. Mancherlei Ruinen aus der Zeit vor der europäischen Eroberung befinden sich in nächster Umgebung Quitos. A m b a t o (mit etwa 19 000 Einwohnern) liegt am Nordabhang des 6310 m hohen Chimborazo. Das Klima seiner Umgebung ist gemäßigt und eignet sich vorzüglich zum Obst- und Weinbau. Eine Anzahl von Spinnereien, Getreidemühlen und Gerbereien befinden sich in Ambato, das an der Bahnlinie Quito—Guayaquil liegt. Riobamba, die etwa 24 000 Seelen zahlende Hauptstadt der Provinz Chimborazo, liegt an der gleichen Bahnstrecke. Die Reise von Guayaquil nach Quito wird hier gewöhnlich für die Nacht unterbrochen. Rings um Riobamba erstreckt sich fruchtbares, zum Teil künstlich bewässertes Acker- und Gartenland, dessen Produkte in Riobamba teils verarbeitet, teils für Exportzwecke umgesetzt werden. Unter den industriellen Unternehmen der Stadt befinden sich Woll- und Baumwollwaren-, Teppich- und Schuhfabriken und Destillerien alkoholischer Getränke. Die Entwicklung von Cienza, mit etwa 45000 Einwohnern Ecuadors drittgrößter Stadt, leidet unter den Schwierigkeiten der Verkehrsverbindung. Eine Bahnlinie nach den Hauptstädten ist zwar im Bau, vorläufig ist aber nur ein Streekenteil fertig; der Rest muß mit Auto und Maultier zurückgelegt werden. Häute, Cinchona (eine Rinde, aus der Chinin gewonnen wird) und verschiedene Erzeugnisse der Tropen werden in Cienca verarbeitet und gehandelt. Die südlichste der größeren Städte Ecuadors, Loja (rund 18 500 Einwohner), ebenfalls das Zentrum eines landwirtschaftlich bedeutsamen Gebirgstales, ist gleichfalls in seiner Entwicklung durch ungünstige Verkehrslage gehemmt. Ueber den fruchtbaren Becken und Tälern zieht sich die steppenartige P a r a m o - Landschaft hin. Ein widriges, stürmisches Klima macht die menschliche Siedlung kaum möglich. Wirtschaftlich betrachtet, ist dieses Gebiet höchstens als Weideland geeignet. 63

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