Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1939. Bestand LBI
- Issue
- Januar 1939
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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bemerkbar. Concepciön ist heute Chiles drittgrößte Stadl mit guten Verkehrsmitteln, Industrieanlagen und Verladeplätzen für die Rohstoffe des Hinterlandes. In der Nähe Concepcions liegen Chiles größte Kohlengruben. Der Haupthafen der Stadt und der sie umgebenden Provinz ist Talcahuano mit 30 000 Einwohnern. Weiter südlich in einem Gebirgstal liegt Temuco, mit etwa 40 000 Seelen, die Hauptstadt der Agrarprovinz Cautin. Diese Stadt gewann in den letzten Jahren immer stärker an Bedeutung und ist heute eine der wichtigsten Städte der südlichen Hälfte Chiles. Weiter südlich, der Küste zu, liegt Valdivia, nahe der Mündung des Valdivia-Flusses. Auch in Valdivias Bevölkerung, die etwa 35 000 Menschen umfaßt, ist das deutsche Element stark vertreten. Eine Anzahl von Industrien, insbesondere der Holz- und Lederbearbeitung, wurde in und bei Valdivia errichtet. — Die südlichste der größeren Städte Mittelchiles ist O s o r n o, eine frühe Gründung der Spanier, die ihren kolonialen Charakter bis heute erhalten hat. Südchile ist ein sehr dünn besiedeltes Land. Städte sind kaum vorhanden und größere Siedlungen sehr selten. In West-Patagonien, das sich an Mittelchile anschließt, herrscht ein regenreiches, feuchtes Klima, das eine Besiedlung kaum gestattet. Wirtschaftlich ist dieser Landesteil vielfach unausgenutzt. Wo Weidemöglichkeiten bestehen, wird Viehzucht getrieben, und der Waldreichtum führte zu einer gewissen Verwertung des Holzes, insbesondere als Baumaterial. Auch das an West-Patagonien sich anschließende Feuerland ist ein unwirtliches Land. Hier wachsen undurchdringliche Wälder; Stürme und häufige Niederschläge machen auch diesen Landesteil für intensive Besiedlung ungeeignet. Doch ist Feuerland von großer verkehrswirtschaftlicher Be-* deutung; die Magellanstraße bildet nämlich neben dem Panamakanal und der gefährlichen Umschiffung des Kap Hoorn den dritten Seeweg von der Ostzur Westküste Amerikas. An dieser durchschnittlich 30 bis 40 km breiten Seestraße liegt Magallanes (früher Punta Arenas), Chiles südlichste Stadt, wichtig als Umschlagsplatz für die Agrar- und Viehzuchtprodukte der südlichen Farmen. Magallanes hat etwa 25 000 Einwohner und wird hauptsächlich von Europäern bewohnt. Die innerchilenischen Verkehrsverhältnisse gestalten sich schon durch die langgestreckte Gestalt des Landes schwierig. Und diese Schwierigkeiten werden dadurch vermehrt, daß ein stellenweise bis zu 2200 m ansteigender Gebirgszug, die Küsten-Kordillere, die wichtigsten Produktionsgebiete des Binnenlandes vom Küstenstreifen und damit von den Hafenorten abtrennt. Die Flüsse, die sich durch diese Barriere hindurchwinden, vermochten nicht, als Verkehrswege geeignete Täler zu schaffen. Der B a h n b a u war deshalb äußerst mühsam. — Santiago ist durch Bahnen mit Valparaiso, Talcahuano, Iquique und Buenos Aires verbunden, Arica und Antofagasta mit La Paz. Eine Anzahl von Nebenlinien verbinden Abbau- und Produktionsstätten mit den Hauptlinien. 2. Klima und Gesundheitsverhältnisse Chiles Klima gilt — besonders in der mittleren Zone — als außerordentlich gesund. Die Durchschnittstemperaturen wichtiger Städte (in nord-südlicher Richtung geordnet) betragen in Celsius-Graden (I. im Innern des Landes, K. an der Küste gelegen): Jahres- Wärmster Kältester N O r d C h i 1 e mittel Monat Monat Arica (K.) .... 19° Februar (22°) August (17°) Iquique (K.).... 19° Januar (21°) Juli 16») Copiapo IL, 390 m) . 15° Januar (19°) Juli (17") M i 11 e 1 c h i 1 e Valparaiso (K.). . . 14° Februar (17,5°) Juli (11,5°) Santiago (L, 519 m) . 13» Januar (20<>) Juli (8°) Talca (I.)..... 14° Januar (20°) Juli (9«) Concepciön (I.) . . 13« 'Januar (17°) Juli (10°) Valdivia (K.) . . . 9,5« Januar (10") Juli (7") S ü d c h i 1 e Magallanes (K.) . . 7° Januar (11°) Juli (P) 'P'inta Arenas) Die Niederschlagsmengen sind im Norden des Landes sehr gering. Sie steigen nach der Landesmitte zu und erreichen ihren Höhepunkt in der Gegend von Valdivia (2800 mm im Jahr). Im Süden sind sie wieder geringer. Die für die Einwanderung wichtigsten Teile von Mittelchile, die Gegenden um Valparaiso und Santiago, erfreuen sich eines außerordentlich guten Klimas. Die Regenperiode erstreckt sich von Mai bis August; während des ganzen übrigen Jahres bleibt das Wetter schön. Die heißen Sommertemperaturen werden durch Seebrisen gemildert, die eine Meeresströmung, der Humboldtstrom, von südlichen Eisregionen hinaufführt. Dem angenehmen Klima entsprechend liegen die Gesundheitsverhältnisse für Europäer günstig. Einwanderer empfehlen, sich mit Kleidung ganz wie für Europa auszurüsten, nicht nur Sommerkleidung mitzubringen. 3. Bevölkerung Chiles Bevölkerung wurde am 1. November 1937 auf 4 586 000 geschätzt; auf den Quadratkilometer kommen rund 6 Einwohner (Deutsches Reich 1936: 144). Ethnologisch ist sie von größerer Einheitlichkeit als die der meisten anderen Länder Südamerikas. Die politisch und kulturell führende Oberschicht ist spanischer Abkunft. Die breite Unterschicht der Bevölkerung besteht aus Mestizen, Mischlingen von Spaniern und Indianern. Reinrassige Indianer leben in größerer Zahl (etwa 100 000) in den Andentälern Araucanias, in der Umgebung der Stadt Temuco. Die starke Mittelschicht stammt größtenteils von Einwanderern aus romanischen Ländern ab. Unter den ausländischen Staatsangehörigen (insgesamt 105 000) wurden 1930 23 000 Spanier, 11100 Italiener und 10 900 Deutsche gezählt. Im gleichen Jahre betrug die Anzahl der Juden 3700; durch die verstärkte Einwanderung der letzten Jahre dürfte sie vielleicht auf 5000—6000 gestiegen sein. 4. Regierung und Innenpolitik Die Verfassung Chiles, die 1833 proklamiert, danach aber wesentlichen Aenderungen unterworfen wurde, ist eine Verbindung des nordamerikanischen Präsidialsystems mit dem englischen Parlamentarismus. Nach der Verfassung von 1925 steht einem auf je sechs Jahre direkt gewählten Präsidenten die Exekutive zu. Dem Präsidenten steht ein Kabinett von 8 Ministern zur Seite. Der Kongreß besteht aus Abgeordnetenhaus und Senat. Die Gesetzesinitiative übt das Abgeordnetenhaus aus, während dem Senat die Revision der Gesetze obliegt. Es wählen alle männlichen Einwohner über 21 Jahre, die lesen und schreiben können. Die Zahl der Wähler betrug bei den Wahlen im Jahre 1936 475 000 (lOv.H. der Bevölkerung). Die politische Entwicklung Chiles verlief in den 128 Jahren seit seiner Unabhängigkeitserklärung ohne wesentliche Erschütterungen: keiner der Präsidenten fiel einem Attentat zum Opfer. Doch gab es immer wieder Perioden politischer Spannung. Die Parteien des Landes zerfallen in zwei Blocks, in die (rechte) Regierungskoalition, die die Konservativen und Liberalen umfaßt, und in die links-oppositionelle „Volksfront", die aus Radikalen, Demokraten, Sozialisten und Kommunisten besteht. Unter der Präsidentschaft von Arturo Alessandri überwand Chile zwar die Krise, aber trotzdem erstarkte die Opposition. Am 25. 10. 38 wurde der Kandidat der Linksparteien Cerda mit nicht sehr großer Mehrheit zum Präsidenten gewählt. In kulturpolitischer Hinsicht wendet sich die Volksfront gegen den Klerikalismus des Regierungsblocks, in sozialpolitischer Hinsicht fordert sie im Namen der Arbeiter Lohnerhöhungen und Verbesserung des Wohnungswesens und der hygienischen Einrichtungen. Gewisse innerpolitische Spannungen ergaben sich in den letzten Jahren dadurch, daß die Lebenshaltungskosten schneller und wesentlich stärker stiegen als die Löhne und Gehälter. III. Die Wirtschaft 1. Landwirtschaft Der Haupterwerbszweig der chilenischen Bevölkerung ist die Landwirtschaft. 45 v. H. der Bewohner verdienen aus dieser ihren Lebensunterhalt (gegen nur 5 v. H., die ihren Lebensunterhalt aus den Bergbauindustrien verdienen). Da- Ü8