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Jüdische Auswanderung · 1939-01-01 · Januar 1939 · p. Seite 36

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand LBI
Issue
Januar 1939
Date
1939-01-01
Page
Seite 36 (sequence 40)
Language
German
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Hier sind vor allem Zuckerfabriken, Mühlen, Brauereien, Tabak- und Zigarettenfabriken, Großbäckereien, Likö.destillerien und Mineralwasserfabriken, Fleisch- und Gemüsekonservenfabriken usw. zu nennen. Aus einer Gesamtbetrachtung der brasilianischen Industrie ergibt sich, daß gerade auf dem Gebiet der Klein- und Mittelindustrie große Möglichkeiten für den Einwanderer vorhanden sind. Mit dem nach deutschen Begriffen verhältnismäßig geringen Kapital von etwa 30 bis 60 Contos (etwa 4200 bis 5500 RM), zuweilen mit noch weniger, ist der Einwanderer häufig in der Lage, einen kleineren Industriebetrieb zu begründen, der durch seine geringen Produktionskosten jeder ausländischen Konkurrenz überlegen ist, da deren Preis nicht nur durch das höhere Währungsniveau des Exportlandes, sondern auch durch Fracht, Zollzuschlag usw. wesentlich verteuert wird. 4. Währung Die brasilianische Währungseinheit ist der Milreis. 1 Milreis besteht aus 1000 Reis. (Die Einzahl heißt: „Real".) 1000 Milreis heißen 1 Conto de Reis. Die Schreibung von Beträgen in brasilianischer Währung bereitet einige Schwierigkeiten. Man präge sich folgende Tabelle ein: $001 ein Real $100 hundert Reis 1S000 ein Milreis 100S000 hundert Milreis 1:0008000 ein Conto de Reis 1.000:000$000 tausend Contos de Reis Die die Reisbeträge anzeigenden 0-Stellen werden häufig fortgelassen, so daß die Ziffern häufig mit dem Milreis- Zeichen $ aufhören. Der ganzen Ziffer wird zumeist die Abkürzung Rs. vorangesetzt. Beispiele: Rs. S600 ist zu lesen: 600 Reis, Rs. 73S000 ist zu lesen: 73 Milreis (häufig auch nur 73$ geschrieben), Rs. 3:385$500 ist zu lesen: 3 Contos, 385 Milreis, 500 Reis. Bis 1933 hatte Brasilien eine Doppelwährung; im Verkehr mit dem Ausland galt der Goldmilreis, im Innenverkehr der Papiermilreis. Die Goldparität des Milreis betrug 0,50 RM. 1933 wurde der Papiermilreis zur einzigen Währungsgrundlage gemacht; eine Entwertung des Milreis trat ein und eine strenge Devisenbewirtschaftung wurde eingeführt. Seit dem 26. Dezember 1937 müssen sämtliche anfallenden Dsvisen der Brasilianischen Staatsbank verkauft werden. Die Ankaufskurse stellten sich nach Angaben aus dem September 1938 wie folgt. 1 USA.-$ Rs. 178700, entspr. Rs. 100$ 5,65 USA.-$ 1 „Sonder"-RM. Rs. 58980, entspr. Rs. 100$ 16,70 RM. Die Verteilung der Devisen liegt bei der Staatsbank. Der Kurs für die „freie" Reichsmark schwankt etwas; im September 1938 stellte er sich auf etwa Rs. 68880, entsprechend 14,70 RM je Rs. 100«. 5. Außenhandel Brasiliens Außenhandel wurde und wird noch von der Kaffeeausfuhr bestimmt. In früheren Zeiten war Kaffee sogar fast das einzige Exportprodukt des Landes, und sämtliche Fertigwaren mußte das Land einführen. Die großen Umwälzungen der Kriegszeit und der jüngsten Vergangenheit ließen aber das Land von der Fertigwaren- Einfuhr unabhängiger werden; eine einheimische Industrie hat den Bedarf an vielen Warengruppen, vor allem Textilien, fast vollständig befriedigen können. Zudem zwang der scharfe Rückgang der Kaffeepreise Brasilien dazu, andere Exportprodukte, vor allem Baumwolle, immer mehr in den Vordergrund treten zu lassen. Trotzdem behält der Kaffee immer noch eine entscheidende Bedeutung für den brasilianischen Außenhandel; mit dem Rückgang des Kaffee-Export-Erlöses geht auch heute noch der brasilianische Gesamtexport zurück, wodurch auch die Kauffähigkeit Brasiliens auf den Fertigwarenmärkten und damit seine Einfuhr entsprechend herabgemindert werden. So fielen Brasiliens gesamte Außenhandelsumsätze von rund 188 Mill. Pfund (Gold) im Jahre 1928 auf rund 60 Mill. im Jahre 1935. Bis 1937 ist der Umsatz wieder auf 83 Millionen Gold-£ gestiegen, was auf die fortschreitende Entwertung des Milreis verbunden mit dem Aufschwung der heimischen Produktion zurückzuführen ist. Die Milreis-Entwertung zwingt die brasilianische Statistik, die Außenhandelswerte in einer anderen, wertbeständigen Währung wiederzugeben. Man wählte dafür den Goldwert des englischen Pfund Sterling. Gegenüber den vorhergehenden Jahren ist festzustellen, daß die Ausfuhr dem Werte nach beträchtlich angestiegen ist. Die Ausfuhr von Kaffee schwankt nach Menge und Wert, nimmt zwar noch den weitaus ersten Platz ein, sinkt aber anteilsmäßig stark ab. Besonders starke Fortschritte macht die Ausfuhr von Baumwolle, die nunmehr fast ein Fünftel des Ausfuhrwerts darstellt. Unter den Einfuhrprodukten überwiegen noch immer die Fertigwaren. Innerhalb der Gruppe Fertigwaren hat sich in den letzten Jahren eine starke Umschichtung vollzogen. Während Brasilien von der Einfuhr an Textilien sich nahezu völlig befreit hat, seine Einfuhr an Baumaterialien, insbesondere Zement, und an Gebrauchsartikeln des Massenbedarfs außerordentlich stark zurückgegangen ist, zeitigte die Industrialisierungstendenz der letzten Jahre einen erhöhten Maschinen- und Maschinenzubehörbedarf, den die heimische Produktion nicht decken konnte. Es zeigt sich hier wieder, daß die Industrialisierung bisheriger Agrarländer als solche nicht zu einer Verringerung der Industrie-Einfuhr, sondern nur zu einer andersartigen Zusammensetzung führt. — Neben Maschinen stieg bezeichnenderweise auch die Einfuhr hochwertiger Waren, insbesondere der Feinmechanik und des Apparatebaus, ferner die Einfuhr von Automobilen, Papier-, Glas- und Porzellanwaren und gewissen chemischen Produkten im Verhältnis zum Gesamtimport. Die engsten handelspolitischen Verbindungen pflegt Brasilien mit den Vereinigten Staaten, England, Deutschland, Frankreich, Argentinien und Belgien. Als Abnehmer stand Deutschland in den letzten Jahren an zweiter Stelle; als Lieferant ist es nunmehr an die erste Stelle gerückt. Zwischen Deutschland und Brasilien besteht ein Verrechnungsabkommen. Da 1934 Brasilien mehr nach Deutschland ausführte, als es von dort bezog, sind die zugunsten des Banco do Brasil bei deutschen Banken eingezahlten Reichsmarkbeträge beträchtlich angewachsen. Diese Tatsache zwang Brasilien zu erhöhten Einkäufen in Deutschland, wobei noch die Unternotierung der Verrechnungsmark, die dem brasilianischen Importeur große Kursgewinne versprach, eine Rolle spielte. — So stiegen die Exporte Deutschlands beträchtlich: von 78,48 Mill. Reichsmark im Jahre 1934 auf 177,0 Mill. Reichsmark im Jahre 1937. Vor allein machte sich die Steigerung bei den Waren Kohle, Zement, Maschinen und Maschinenzubehör, Eisenbahnschienen, Chemikalien, Weißblech und Werkzeugen bemerkbar. Aber auch die Ausfuhr Brasiliens nach Deutschland bewegte sich stark aufwärts: von 77,17 Mill. Reichsmark im Jahre 1934 auf 186,2 Mill. im Jahre 1937; es zeigt sich also, daß Deutschland einen Einfuhrüberschuß nach Brasilien aufwies, und zwar im Werte von 9,2 Mill. Reichsmark. Das Verhältnis wechselt von Jahr zu Jahr. Deutschland führte im Jahre 1937 folgende Warengruppen nach Brasilien aus: Warengruppen Wert Millionen JLH % Gesamte Ausfuhr 177,0 100,0 Kohlen und Koks 10,02 5,6 Düngemittel 2,31 1,3 Spinnstoffe und W7aren daraus 8,07 4,6 Leder und Waren daraus 3,61 2,0 Keramische Erzeugnisse 4,20 2,4 Eisen und Eisenwaren 46,61 26,3 Andere Waren aus unedlen Metallen 2,30 1,3 Werkzeuge und Maschinen 33,66 18,9 Kraft- und Luftfahrzeuge 7,37 4,2 Elektrische Maschinen und elektrotechnische Erzeugnisse 8,67 4,9 Erzeugnisse der Feinmechanik und Optik 4,35 2,5 Chemische Erzeugnisse aller Art 28,33 16,0 Papier, Pappe, Papierwaren 4,02 2,3 36

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