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Jüdische Auswanderung · 1939-01-01 · Januar 1939 · p. Seite 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand LBI
Issue
Januar 1939
Date
1939-01-01
Page
Seite 20 (sequence 24)
Language
German
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bekommen 40 Pesos Zuschlag von der Ica. Es ist nicht viel, man kommt aber aus damit; später wird es besser. So, nun Schluß. Der eine Nachbar wohnt 5 Minuten, der andere schon 1/4 Stunde entfernt. Du kannst die Gehölte aber schon von weitem sehen. Es ist wirklich sehr schön. Es tut mir nur leid, daß wir unsere Möbel nicht mitgenommen haben. Wir haben ja etwas bekommen, und man kann auoli zufrieden sein, z. B. Bettstellen, Tisch und Stühle. Es ist nichts besonderes, und auch kein besonders gutes Material. Das Eßzimmer, die Bettstellen und die Kochmaschine hätten wir ruhig mitnehmen sollen." Eine weitere plastische Schilderung der ländlichen Verhältnisse enthält folgender Brief: Basavilbaso (Entre Rios), Argentinien, im April 1937 „Ich bin heute 2i/2 Monate im Kamp und will gleich zu Anfang sagen, daß ich von dem freien, wenn auch arbeitsreichen Leben begeistert bin. Hier in Basso (wie die Abkürzung lautet) ist es wohl etwas verschieden von Avigdor, aber die Unterschiede sind gering; nur daß die Siedlungen im wesentlichen 35 Jahre, teils auch schon 40 und 45 Jahre bestehen, während Avigdor im großen und ganzen neu ist. Das Klima ist erträglich. Die Sommerhitze (Januar bis Februar) bis 35 und auch 40° C ist durch bewegte Luft meist gemildert. Bei Regen starke Abkühlung, und es regnet oft, und meist halbe Tage. Der Regen ist fast immer unterbrochen von Sonnenschein, wie in Deutschland im April. Die Nächte sind verhältnismäßig kühl. Jetzt im Herbst sind morgens und abends Temperaturen von 12—15°, was uns (auch mir schon) als sehr kühl erscheint. Tags hat die Sonne trotzdem genügend Kraft, um die „Gringos" (alle Eingewanderten) noch zu bräunen. Im Winter ist es natürlich noch kälter, es kommen auch mal 0° bis 3—5° vor, aber meist nicht weniger als plus 3—5°. Trotzdem gibt es auch im Winter zahlreiche warme Tage. Die Kleidung (auch der Frauen) ist, wie wir sie kennen. Die Sommerstoffe sind allerdings viel leichter. Die Arbeitskleidung der Männer sind die Bombachen (eine Art Knickerbocker bis zum Knöchel mit Knopfverschluß). Die Kumpane, wie auch ich, verwenden natürlich ihre Knickerbocker und tragen sie wie besagte „Bombachen". Dazu die graue oder wenigstens helle (nicht blaue) Arbeitsjacke, Strohhut im Sommer oder Schildmütze. Immer Unterjacke und Unterhose, die den Schweiß besser aufnehmen und Erkältungen verhindern sollen. Und dazu die „Alpargatas", das sind Pantoffeln mit Hanfsohlen (60 Centavos, 5—6 Wochen Haltbarkeit bei täglicher Benutzung). Bei Regenwetter muß natürlich zu den Schaftstiefeln gegriffen werden. Sehr wichtig ist noch der wasserdichte Umhang, der auf dem Pferd wie auf dem Wagen nötig ist. Das Essen ist von dem gewohnten ziemlich verschieden, und anfangs für manchen die Quelle einiger Beschwerden. Daß man bei unseren Gastgebern besonders viel Zwiebeln verwendet, ist weniger wichtig. Zu Hause können wir es ja halten, wie gewohnt. Kartoffeln (die papas heißen, während patatas die süßen Kartoffeln sind) sind zu haben und auch anzubauen. Aber zum Beispiel dieses Jahr war die Ernte darin sehr schlecht, und sie kosten das Drei- und Vierfache normaler Jahre (2.80 die 10 Kilo gegen 70—80 Centavos). Auch die vorhergehenden zwei Jahre waren die Ernten nicht gut. Und in manchem Kamp hat man daher beinahe vergessen, wie papas schmecken. Das Weißbrot nimmt demzufolge die Stelle der Kartoffel von zu Hause ein. Gemüse sind in der quitar, dem Gemüsegarten, fast alle uns bekannten Sorten anzubauen, wenn nicht — wie das vergangene Jahr — die Heuschrecken alles auffressen. Demzufolge sind zur Zeit Gemüse knapp, das heißt teuer. Aber wir haben vor 14 Tagen Blumenkohl, Salat, Rettiche und gelbe Rüben gesät, die schon schön aufgegangen sind. Das Fleisch bildet einen großen Teil der Ernährung (n. b. gibt es hier auch alte Kühe), und natürlich aus dem eigenen Hof Huhn, Ente oder Gans. Die Frauen aus Deutschland werden anfangs manches lernen müssen, zum Beispiel in der Zeit des jungen Maises die verschiedenen Maisspezialitäten: als Gemüse in der Suppe gekocht, am Feuer gebraten etc. Dann gibt es keine pflanzlichen Fette, nur tierische, und Butter ist zu teuer zum schmälzen. Es wird also meist mit Oel geschmälzt. Und dazu hat man wohl oft nur den Kleinholz-Kohlenherd, bei dem man das Feuermachen nochmals lernen muß (aber wenn man das kann, wird man sich ungern von ihm trennen). Die Leute selbst sind sehr nett und freuen sich, uns anlernen und helfen zu können. Es ist die zweite und auch manchmal schon die dritte Generation, die, seit die Eltern und Großeltern um die Jahrhundertwende aus Rußland hierherkamen, ziemlich verwurzelt ist. — Während der Großvater nur jiddisch spricht, spricht der Enkel meist spanisch, versteht, liest und spricht aber auch jiddisch. Sein Kind kann oder will oft „die jiddische Zeitung" nicht mehr lesen. Und während die Großeltern selten weniger als 6 Kinder hatten, hat man heute zwei bis höchstens vier. Zur Zeit hält sich, soweit ich das übersehen kann, die Anzahl der jüdischen Kamps; es kommt auch mal einer dazu (abgesehen natürlich von den Immigranten aus Deutschland, die auch hier vertreten sind), aber der Ueberschuß an Menschen geht in die Stadt oder den Provinzort. Die Kolonisten sind durchweg tüchtige und erfolgreiche Bauern, und auf den Ausstellungen, die für alle sind, sind es vielfach unsere Leute, die sich die Prämien erwerben. Es sind dies aber nicht nur Spitzenleistungen, sondern der Durchschnitt ist gut. Das ist gerade dadurch möglich, daß nur der im Kamp bleibt, der den Boden und die Arbeit liebt und dementsprechend Erfolge erzielen wird. Die Religiosität zu beurteilen ist schwerer, da man dafür mehr Zeit braucht. Ich mache also hier den Vorbehalt, daß mein Blickfeld zu allgemeinen Bemerkungen noch nicht reicht. Während man früher Samstags weder melkte noch ritt, ist heute melken selbstverständlich, und Samstags ist der Besuchstag, was meistens eine Fahrt oder einen Ritt von 20 oder mehr Kilometern bedeutet. Und der Schochet klagt auch, daß es viel zu umständlich ist, das Huhn oder die Ente oder die Gans nach Basso zu tragen und schachten zu lassen. Obwohl Basso bei 4000 Einwohnern mindestens 50 0/0 Juden hat, sind in der Synagoge nur wenige junge Leute. Sehr viele Juden sind zionistisch organisiert, und ich bin versucht zu glauben, daß es viele nur aus schlechtem Gewissen sind, weil „man doch etwas tun muß für sein Judentum". Und nun die .Schulen: es gibt zahlreiche Kampschulen (castellanische) und daneben auch die jiddischen Schulen. Die letzteren werden von den Siedlern unterhalten, in den ersten Jahren natürlich von der Ica vorgelegt. Aber auch einige schlechte Ernten waren die Ursache, daß eine ganze Anzahl geschlossen wurden, doch wurden fast alle wieder geöffnet. In dieser Zeit waren die Schüler in den spanischen Schulen, oder in der Schule in Basso. Für die Neueinwanderer ist spanisch außerordentlich wichtig. Man kann nicht genug zum Lernen raten. Die Ica (in Deutschland weiß wohl jedermann was das ist) ist Schöpferin der ganzen Kamps, der Kooperative (Ein- und Verkaufsgenossenschaft) und auch der Schulen. Sie ist eine unbedingt gerecht geleitete Institution, die niemand bevorzugt und niemand benachteiligt. Für sie gibt es nur Kolonisten, und der einzige Unterschied ist der zwischen den besseren und den schlechteren. Dir Betrieb ist auch nach rein kaufmännischen Gesichtspunkten geleitet und verwaltet. Die jährlichen Raten werden nach Prüfung aller Gesichtspunkte festgesetzt, und wird kein größerer Betrag angenommen wie festgesetzt wurde, ebenso wie es notwendig ist, diesen Betrag abzuführen." MJtyWte sichert Ihnen, auch bei kleinerem Vermögen, einen sorgenfreien Lebensabend, ermöglicht Kindern, vor ihrer Auswanderung ihre Eltern lebenslänglich zu versorgen, gestattet Eltern, neben ihrer eigenen Sicherstellung die Auswanderung ihrer Kinder zu erleichtern. — Vermittlung und Beratung. FAMILIENSCHUTZ E. V., Abtig. f. Altersversorgung BERLIN W15, KURFORSTENDAMM 45" . RUF: 92 56 01 är< H vom j 20

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