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Jüdische Auswanderung · 1939-01-01 · Januar 1939 · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand LBI
Issue
Januar 1939
Date
1939-01-01
Page
Seite 7 (sequence 11)
Language
German
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Gebiet der Pampa; doch ist das im Nordwesten und Westen gezogene Vieh minderer Qualität. Argentinien steht unter den Fleischexportländern bei weitem an erster Stelle. .Die Milch- und Butterwirtschaft dagegen ist erst in Entwicklung begriffen. Die Butterausfuhr (1936: 10 300 t) ist im Wachsen, ebenso die Ausfuhr von Kasein (1936: 19933 t). In Argentinien wird schätzungsweise die Hälfte der Kaseinerzeugung der Welt gewonnen. Der Rindvieh- Bestand betrug bei der letzten Viehzählung, 1934, allein 30,9 Mi 11. Stück. Die Qualität des argentinischen Rindviehs wird in keinem anderen Lande erreicht. Sie wurde durch rasseverbessernde Aufzucht, Standardisierung der Herden und planmäßige Züchtung erworben und wird noch weiter verbessert. Schafe, deren Zahl auf 39,3 Mill. geschätzt wird, werden hauptsächlich im Süden der Pampa, im Gebiete Entre-Rios und in Patagonien, gezüchtet, und zwar in wasserreichen Gegenden vorwiegend zur Fleischproduktion, im trockenen Patagonien vorwiegend zur Wollgewinnung (Merino). Im allgemeinen herrscht aber ein Schaftyp vor, der Fleischreichtum mit starkem, wenn auch grobem Wollwuchs verbindet. Argentinien ist heute nach Australien der erste Wollexporteur der Welt. Es produziert etwa 10 % des Weltangebotes. Die Pferde Argentiniens — etwa 9,9 Mill. Stück — sind eine zähe, anspruchslose, starke Rasse, die wegen dieser Eigenschaften sehr geschätzt ist. Sie werden weniger zu Exportzwecken als zu landwirtschaftlicher Arbeit in Argentinien selbst gezüchtet. — An anderen Vieharten züchtet man noch Ziegen (5,6 Mill. Stück) und Schweine (3,8 Mill. Stück). Entsprechend diesem Umfang der Viehhaltung ist auch die argentinische Häuteproduktion sehr groß. 1936 wurden etwa 6 Mill. Rinderhäute und li/2 Mill. Kalbshäute ausgeführt (Wert rund 116 Mill. Pesos). 2. Bodenschätze und Industrie Argentinien ist im wesentlichen ein Agrarland. Sein Reichtum liegt in seinem Viehbestande und seinen Feldbauprodukten. Seine Industrialisierung erreicht nicht den Grad anderer südamerikanischer Länder, wie Brasilien und Chile, obgleich 43 °/o aller Arbeiter und Angestellten Argentiniens in der Industrie beschäftigt sind (gegen 23 o/o in der Landwirtschaft). Das Haupthindernis auf dem Wege zur Industrialisierung ist vor allem der Mangel an Kohle und Eisen. Deshalb kommt den im Lande vorhandenen Petroleumquellen besondere Bedeutung zu. Argentinien ist das einzige Land Südamerikas, das seine Petroleumvorräte selbst verbraucht; durch zielbewußte wirtschaftspolitische Maßnahmen drängt es auf eine völlige Unabhängigkeit von der ausländischen Petroleumeinfuhr. Die Petroleumpolitik der argentinischen Regierung findet darin ihren Ausdruck, daß etwa 40 o/o der argentinischen Erzeugung Produktionsstätten entstammen, die sich in staatlichem Besitz befinden. Die Petroleumproduktion Argentiniens betrug 1936 insgesamt 2,2 Mill. Tonnen. Seit Ende Juli 1936 ist die Ausfuhr von Petroleum und flüssigen Brennstoffen verboten, die Petroleumeinfuhr staatlicher Kontrolle unterworfen worden. Da Alkohol ein wichtiger Treibstoff ist, ist seine Erzeugung aus Zucker von Bedeutung. Aus Zucker dürften etwa jährlich 18 000 t Alkohol gewonnen werden. — Kohle wird zwar an einigen Stellen gefunden, jedoch ist die Qualität schlecht, und die Lagerstätten liegen verkehrsmäßig ungünstig. Es gibt in Argentinien noch folgende Mineralien: Gold, Silber, Salz, Wismut, Blei, Kalk, Gips u. a. Die bedeutendsten Industriezweige jedoch sind diejenigen, die der Verarbeitung heimischer Produkte für den Export dienen. Hier ist vor allem die Fleischindustrie zu nennen. Die 18 in Argentinien bestehenden großen T i e f k ü h 1- und Gefrierfleisch-Fabriken sind zumeist mit Schlachthäusern verbunden. 1937 wurden 4,4 Millionen Stück Rindvieh, 5,2 Millionen Schafe und 1,4 Millionen Schweine geschlachtet. Allein eine Fabrik in Buenos Aires ist imstande, täglich 5000 Stück Rindvieh und 10 000 Schafe zu verarbeiten. — 1936 exportierte Argentinien 357 000 t tiefgekühltes und 39 650 t gefrorenes Rindfleisch, 72 500 t Büchsenfleisch und 50 000 t Hammelfleisch. Neben gesalzenem, getrocknetem, Gefrier- und Tiefkühlfleisch stellt die argentinische Fleischindustrie auch Wurst, Zungen- und andere Fleischkonserven her. Die älteste der Fleischverarbeitungsarten ist das Trocknungsverfahren. Das in Scheiben geschnittene Fleisch wird in der Sonne gedörrt. Man verwendet zur Herstellung von Trockenfleisch nur minderwertiges Vieh und hat sich schon seit längerer Zeit auf andere Verfahren umgestellt. Heute steht die Gefrier- und Tiefkühl-Fleischproduktion im Vordergrund. Tiefkühlfleisch wird, im Gegensatz zum Gefrierfleisch, nur auf etwa minus 1 bis minus 2 Grad C abgekühlt, in weichem Zustand verpackt und verfrachtet und muß kurz nach der Ankunft im Bestimmungslande verzehrt werden. Das Gefrierfleisch gefriert dagegen bei etwa minus 6 bis minus 8 Grad C, wird in hartem gefrorenem Zustande verschifft und muß vor Verbrauch erst aufgetaut werden. Es ist weniger empfindlich als Kühlfleisch, dagegen von etwas schlechterem Geschmack. Die Erhaltung des Nährwertes ist bei beiden Verfahren die gleiche. Wie die Fleischverarbeitungsindustrie sich auf der einzigartigen argentinischen Viehzucht aufbaut, so die Mühlenindustrie auf dem Getreidebau. Jedoch ist die Bedeutung der Mühlenindustrie für die Ausfuhr im Rückgang begriffen, während die Ausfuhr von Weizen (je nach Ernteausfall schwankend) immer noch sehr bedeutend bleibt. Der argentinische Weizen wird zum großen Teil im Lande selbst vermählen; die Mühlenindustrie ist nach der Fleischindustrie die bedeutendste des Landes. 1935 wurden 1,4 Mill. t Weizenmehl in den 194 Mühlen des Landes ausgemahlen; die Ausfuhr ging vor allem nach Brasilien. Hinter diesen Industriezweigen, die auf der Grundlage der argentinischen Landwirtschaft groß geworden sind, treten die eigentlichen Fertigwaren-Industrien zurück. Doch gewinnt die Fertigwaren-Industrie immer stärker an Bedeutung. Die Zoll- und die Währungspolitik haben ihren Ausbau begünstigt, so daß immer mehr früher eingeführte Warenarten im Lande selbst hergestellt werden. Es wird geschätzt, daß nur ein knappes Viertel des Verbrauchs (wertmäßig) aus eingeführten Erzeugnissen besteht. Den ersten großen Anstoß zu ihrer Entwicklung gab der Weltkrieg, weil Argentinien sich gezwungen sah, einen großen Teil seiner Gebrauchsartikel selbst herzustellen, da europäische Waren nicht erhältlich waren. Einen weiteren starken Auftrieb erhielt die Industrialisierung in Argentinien, wie in den meisten anderen südamerikanischen Staaten, gerade durch die Weltwirtschaftskrise. Da zuerst die Weltmarktpreise für Agrarprodukte wie Weizen, Wolle, Häute usw. sehr viel stärker fielen als die Preise für Industriewaren, sah sich Argentinien außerstande, die früher üblichen Mengen von Importwaren zu kaufen und wurde zur Eigenfabrikation gedrängt. Auch die Devalvation des Peso dürfte der argentinischen Industrialisierung zugute gekommen sein. Bemerkenswert in der Entwicklung der argentinischen Industrie während der letzten 15 Jahre ist die Gründung zahlreicher Fabriken durch ausländische Unternehmungen. In diesen Fabriken werden u. a. erzeugt: Nahrungsmittel und Getränke, Seidengarne, Textilien, Tabak, Zigaretten, Inhaber Dr. Fritz Israel Silberstein 2uA' aü4, smA' üh - uiM 'ifiHAvuUln!

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