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Jüdische Auswanderung · 1939-01-01 · Januar 1939 · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand LBI
Issue
Januar 1939
Date
1939-01-01
Page
Seite 6 (sequence 10)
Language
German
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richterliche Gewalt wird durch den obersten Staatsgeriehtshof als höchste Instanz verkörpert, ferner durch Gerichte 1. und 2. Instanz und durch Berufungsgerichte. Die Verfassungen der (Provinzen genannten) Einzelstaaten sind dieser Verfassung nachgebildet. Die Verwaltung steht unter Aufsicht der Fachministerien und diese unter Aufsicht des Ministerium des Innern. Die „Territorien" werden von Beamten verwaltet, die von der Bundesregierung ernannt werden. — Die Bundesregierung ist für alles zuständig, was den Bund im ganzen angeht; die Gouverneure der Einzelstaaten haben ziemlich weitgehende Kompetenzen. III. Die Wirtschaft 1. Die Landwirtschaft Argentinien ist in erster Linie ein Agrarland und wird dies aller Wahrscheinlichkeit nach auf lange Zeit hinaus, wenn nicht für immer, bleiben. Zu einer starken Industrialisierung, wie sie etwa in Brasilien oder Chile stattfindet, fehlen Argentinien wichtige natürliche Voraussetzungen, vor allem Kohle und Eisen. So hat die Industrialisierung bisher nur in beschränktem Umfang Platz greifen können, und zwar vor allem da, wo es sich um die Verarbeitung der Hauptprodukte der argentinischen Landwirtschaft handelt. Unter den Agrarländern der Welt aber steht Argentinien mit in vorderster Reihe, und zwar sowohl durch seine Weizen- und Maisproduktion, wie durch die Erzeugnisse seiner Viehzucht, insbesondere Fleisch und Wolle. Argentinien gehört schon heute zu den größten Agrarländern, insbesondere zu den größten Getreideproduzenten der Welt, obwohl erst ein geringer Teil der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche bebaut und auch dieser Teil im allgemeinen nur ganz extensiv bewirtschaftet wird. Infolgedessen ständen, die entsprechende Nachfrage nach argentinischen Agrarprodukten auf dem Weltmarkt vorausgesetzt, noch ungeheure Möglichkeiten für die Vermehrung der Produktion offen. Im Gegensatz zur Viehzucht ist der Ackerbau in Argentinien eine verhältnismäßig junge Wirtschaftsform, die sich erst im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts entwickelt hat. 1870 standen nur 0,6 Mill. Hektar, 1888 2,4 Mill. Hektar, 1916 schon genau das Zehnfache (24 Mill. Hektar) und heute eine wohl noch etwas größere Fläche (etwa 26 Mill. Hektar) unter Kultur. 1880 mußte Argentinien noch Getreide einführen, dagegen steht heute Argentinien unter den Weizenexportländern der Welt an zweiter Stelle, nur von Canada übertroffen; zirka 30 °/o des Weltweizenhandels stammt aus Argentinien. Der argentinische Ackerbau wird vielfach noch primitiv und durchaus extensiv auf Flächen, die für argentinische Maßstäbe ziemlich klein sind, nämlich auf sogenannten Chacras von 50 bis 200 ha, betrieben; der Bebauer hat das Land meist in der Form der Halbpartnerschaft oder Halbpacht oder auch in der der Vollpacht vom Großgrundbesitzer übernommen. Meist ist damit die Anbaufläche nicht etwa für immer als Kulturland gewonnen, sondern der Ackerbau dient in erster Linie zur Verbesserung des jungfräulichen Bodens, und nach einiger Zeit wird das Land wieder zur Weide umgewandelt. Das Pachtsystem hat eine gewaltige Verbreitung, was mit dem Vorherrschen des Latifundienbesitzes — der Hauptwurzel der sozialen Frage in Argentinien — zusammenhängt. — Der Boden und die ebene Geländeform begünstigen in hohem Maß diese Art der Bebauung und eine Familie von 4—5 Menschen genügt, um unter weitgehender Benutzung von Maschinen eine Fläche von 100 ha, die nicht gedüngt wird und auf der man wenig Fruchtwechsel kennt, zu bewirtschaften. Zur Ernte braucht allerdings die argentinische Landwirtschaft viele Hilfskräfte, was lange Zeit hindurch zur Masseneinwanderung meist italienischer Saisonarbeiter geführt hat. — Meist wird die ganze Fläche entweder mit Weizen oder mit Leinsaat oder Hafer oder Mais bestellt. Diese Anbauwirtschaft arbeitet so unter günstigsten Bedingungen; doch wird die Ernte häufig durch Dürre oder durch übermäßige Niederschläge und Hagelschlag im Gefolge von Gewitterstürmen oder durch Heuschreckenschwärme ganz oder teilweise vernichtet. Die weitaus wichtigste Kulturpflanze Argentiniens ist der Weizen, der vor allem in den Provinzen Buenos Aires, Cordoba, Pampa Central und Santa Fe, aber auch m anderen Landesteilen angebaut wird. Während die Hektarerträge selbst für eine extensive Wirtschaft im allgemeinen gering sind, ist die Menge des geernteten Getreides gewaltig. Im Jahre 1933/34 wurden 7,79 Mill. Tonnen Weizen erzeugt; seitdem ist allerdings die Produktion stark eingeschränkt worden und der Ernteertrag 1937/38 wird auf 5,1 Mill. Tonnen geschätzt; dieser starke Rückgang ist auch auf anhaltende Trockenheit in den Hauptanbaugebieten zurückzuführen. Von großer Bedeutung ist neben dem Weizen auch die Maisproduktion des Landes; 1936/37 wurden 9,44 Mill. Tonnen geerntet, wovon etwa 80 v. H. zur Ausfuhr gelangten. Damit ist Argentinien der erste Maisexporteur der Welt. Die argentinische Maisausfuhr dürfte etwa 70—80 v. H. des Maiswelthandels ausmachen. Die Ernte 1937/38 beträgt nur 4,4 Mill. Tonnen. Auch als Leinsaat-Produzent steht Argentinien an erster Stelle der Welt. Zeitweilig versorgte Argentinien 80 v. H. des Weltbedarfs. Doch hat auch die Produktion von Leinsaat im letzten Jahr sehr abgenommen. Die Ernte soll nur etwa 1,5 Mill. t im Erntejahr betragen haben. Hauptsächlich für den Eigenbedarf, teilweise aber auch für Exportzwecke wird in großen Mengen Hafer angebaut (0,69 Mill. Tonnen 1937/38); ferner Gerste (0,68 Mill. Tonnen 1936/37), Roggen (0,19 Mill. Tonnen 1936/37); Kartoffeln (0,51 Mill. Tonnen 1934/35); Zuckerrohr (4,4 Mill. Tonnen 1935/36), Tabak (10 Mill. kg 1936), Baumwolle (53000 Tonnen Fasern und 198000 Tonnen Samen 1936'37); und Yerba Mate (100 000 Tonnen 1936). In den letzten Jahren angestellte Versuche mit dem Anbau der Sojabohne haben ausgezeichnete Erfolge gezeitigt. — Erdnüsse werden zur Oelgewinnung angebaut (20 000 t 1936); zur Oelgewinnung werden auch Sonnenblumen gezogen und Baumwollsamen verwandt. Für die argentinische Viehzucht ist das wichtigste Bodenprodukt die Luzerne, auch A1 f a 1 f a genannt. Die Luzerne ist ein vorzügliches Futtermittel und gedeiht am besten auf einem Boden, der schon mehrere Jahre Getreide getragen hat. So wird, nach Ablauf einiger Zeit, ein Stück Land, das dem Getreidebau gedient hat, der Viehzucht zurückgegeben, aber als Alfalfa-Pflanzung. Alfalfawiesen werden mehrmals im Jahre gemäht. Brasilien und Südafrika sind die bedeutendsten Käufer dieses Futtermittels. Neben dem Ackerbau spielen auch Obstzucht und Weinbau eine wichtige Rolle. Obstkulturen findet man in fast allen Provinzen, oft in der Nähe der Städte. In der Zentralzone gedeihen Pfirsiche, Aepfel, Birnen, Quitten, Feigen, Mispeln, Pflaumen, in der kälteren südlichen Zone Aepfel und Birnen. Vor allem sind hier die ausgedehnten und sehr ertragreichen Obstplantagen im Rio-Negro-Gebiet an der Südbahnstrecke zu nennen. Im warmen Norden gedeihen: Apfelsinen, Granatäpfel, Mandarinen, Ananas, Bananen, Trauben und einige bei uns unbekannte Südfrüchte, wie Tunas, Guayaba, Chirimoya und Toronja. In den regenarmen sonnigen Provinzen Mendoza und San Juan, am Fuße der Anden, liegen die Hauptanbaugebiete des Weins. Argentinien steht unter den Wein erzeugenden Ländern der Erde an fünfter Stelle, hinter Frankreich, Italien, Spanien und Algier* In der Hauptsache werden einfache wohlfeile Faßweine hergestellt, die im Lande getrunken werden, doch hat auch das Exportgeschäft in den letzten Jahren sehr zugenommen. 1935 wurden 5,75 Mill. hl Wein produziert. Auch einige Mill. kg frischer Trauben werden jährlich nach den Vereinigten Staaten, Brasilien und England exportiert. Dieses Exportgeschäft soll, wie überhaupt der Export von Obst, sehr ausbaufähig sein. Etwa ein Viertel des Bodens Argentiniens wird von Wäldern bedeckt; doch ist es aus verkehrswirtschaftlichen Gründen nicht möglich, die großen Wälder des Nordens zur Holzgewinnung und zum Holzexport in größerem Stile auszunutzen. Es wird lediglich Quebracho-Extrakt (zur Gerbsäuregewinnung) gesammelt und exportiert (1936: 76 000 t). Argentinien ist das größte Weideland der Welt. Die Pampa bildet das Gebiet, auf dem Vieh höchster Qualität gedeiht, auf Weiden, die größtenteils eigens zu diesem Zweck mit Luzerne bepflanzt wurden. Zwar beschränkt sich die Viehzucht keineswegs auf das 6

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