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Jüdische Auswanderung · 1939-01-01 · Januar 1939 · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand LBI
Issue
Januar 1939
Date
1939-01-01
Page
Seite 4 (sequence 8)
Language
German
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das Südliche Eismeer. Im Westen bilden die Anden eine 4800 km lange Grenze gegen Chile. Die argentinische Republik ist ein Bundesstaat mit einer Zentralregierung. Er setzt sich zusammen aus 14 Provinzen (d. h. Einzelstaaten) mit autonomer Verwaltung, ferner aus 10 nationalen Territorien, die der Zentralregierung unterstehen, sowie endlich aus dem Bundesdistrikt, nämlich dem Stadtgebiet von Buenos Aires, wo die Bundesregierung ihren Sitz hat. Die Größe der Provinzen wie der Territorien ist sehr verschieden. Die größte Provinz, Buenos Aires (mit der Hauptstadt La Plata), ist ungefähr so groß wie Preußen, die kleinste. Tucuman, ist kleiner als Belgien. Das größte Territorium, Santa Cruz, ist beinahe so groß wie die Provinz Buenos Aires, das kleinste Territorium, Tierra del Fuego (Feuerland), etwa so groß wie Württemberg. Geographisch zerfällt Argentinien in folgende Gebiete (nach Andree — Heiderich — Sieger: „Geographie des Welthandels" Bd. II): A. Gran Chaco und Misiones gehören zu den am dünnsten besiedelten und auch wirtschaftlich unentwickeltsten Teilen Argentiniens. Ihr Gebiet ist teils von subtropischen Wäldern, teils von trockenen Graslandschaften bedeckt. Die drei großen Ströme Uruguay, Paraguay und Parana durchfließen diese Gebiete oder bilden teilweise ihre Grenzlinie. In den Wäldern des Chaco leben noch wilde Indianer. Sie treiben Viehzucht und primitiven Ackerbau. Der Hauptort des Chacogebietes ist Resistencia. Die Wasserfälle des I g u a z u, eines Nebenflusses des Parana im Territorium Misiones, werden als Naturwunder von vielen Reisenden den Niagara-Fällen gleichgestellt. Diese Iguazu- Fälle, die inmitten einer prachtvollen Tropenlandschaft liegen, 'werden zur Elektrizitätsgewinnung ausgenutzt, obwohl sie von den industriellen Zentren weit entfernt liegen. B. Mittelargentinien ist derjenige Teil des Landes, der sich in einem gewaltigen Halbkreis mit einem Radius von etwa 900—1000 km um Buenos Aires legt. Er ist das Herz Argentiniens, die Pampa. („Pampa" heißt in der Sprache der Indianer: Ebene, Steppe.) — Das Pampa-Gebiet ist innerhalb der argentinischen Volkswirtschaft herrschend; es ist besonders geeignet für den Anbau von Getreide und für Viehzucht. Hier gedeihen, ohne Bodendüngung, auch Weizen, Mais, Hafer, Gerste, Futtermittel usw. In den fruchtbarsten Gegenden wird zweimal im Jahre geerntet. Die Pampa enthält vom gesamten argentinischen Kulturland 90 %, vom Rinderbestand 78 o/o, vom Schafbestand 56 %, von industriellen Unternehmungen 80 o/0, vom Bahnnetz 70 %, vom Automobilbestand 84 o/0. Von der Gesamtbevölkerung leben über zwei Drittel im Gebiet der Pampa. Hier liegen auch die größten Städte: Buenos Aires, Rosario, Santa Fe, La Plata und Cordoba. — Buenos Aires bedeutet für Argentinien weit mehr als im allgemeinen die Hauptstadt für ein Land. Die Natur selbst hat diesem großen Einfallstor der Einwanderung, dem Ausfallstor des argentinischen Exportes eine einzigartige Bedeutung verliehen; die geringe „Aufgeschlossenheit" der argentinischen Küste weist Handel und Verkehr um so mehr auf diesen großen Hafen hin. Jeder europäische Einwanderer, der nach Argentinien kommt, landet in Buenos Aires, einem der bedeutendsten Häfen der Welt. Die mit allen Errungenschaften der modernen Technik versehenen Hafenanlagen sind höchst eindrucksvoll. Ueber 4000 Ueberseedampfer stellen jährlich den Hafenverkehr dar. Reguläre Einwanderer können gleich im Hafen in dem staatlichen Einwandererheim beherbergt werden. Der Staat gibt ihnen in diesem Heim fünf Tage umsonst Obdach und Verpflegung. Nach Ablauf dieses Zeitraums muß der Einwanderer das Haus verlassen. Buenos Aires ist eine kosmopolitische Weltstadt mit 2,25 Mill. Einwohnern. Es ist der Brennpunkt des argentinischen Großhandels, Bankwesens und der Industrie, der Mittelpunkt der argentinischen Kunst und Wissenschaft. Wie die meisten südamerikanischen Kolonialstädte ist Buenos Aires schachbrettartig gebaut (ähnlich wie Mannheim in Deutschland). Die längste und breiteste Prachtstraße, die Avenida de Mayo durchschneidet die engen Straßen der City zwischen dem Regierungsgebäude am einen Ende und dem Kongreßgebäude am anderen. Die Bauweise ist uneinheitlich, im Innern der Stadt findet man vielfach Wolkenkratzer und Hochhäuser, im Westen moderne Villenbauten, in den Außenvierteln noch niedrige Erdgeschoßhäuser und Gebäude im Kolonialstil. Natürlich gibt es auch Stadtviertel, wie in allen Großstädten, wo die ärmere Bevölkerung sich in Mietskasernen zusammenpreßt, m denen eine Familie selten mehr als ein Zimmer bewohnt. Ueber hundert Straßenbahnlinien und zwei Untergrundbahnlinien vermitteln den Verkehr innerhalb der Stadt. Daneben dienen dem öffentlichen Verkehr noch etwa 100 Autobuslinien und die „Automoviles Publicos Colectivos", d. h größere Personenautos, die zu niedrigen Preisen, durchschnittlich 15 Fienmg die Strecke, bestimmte festgelegte Strecken fahren. Ferner verkehren in Buenos Aires weit über 10 000 Autotaxen. Buenos Aires ist eine der elegantesten, ja luxuriösesten Städte der Welt. In der City findet auch der Verwöhnteste alles, was er in Berlin, London, Paris oder New York' in Warenhäusern, Modehäusern, Juwelenläden, Kunsthandlungen usw. suchen und finden könnte. Theater wird in allen Weltsprachen gespielt. Konzerte werden von den berühmtesten Kapellmeistern wie Fritz Busch, Toscanini u. a. geleitet. Mit Ausnahme der heißen Sommermonate finden allwöchentlich Pferderennen statt. Jeder Sport hat in Buenos Aires seinen Sportplatz und sein Klubhaus. Die ausländischen Kolonien haben ihre Vereine und Klubs. Zahlreich sind die Lichtspieltheater. Auch ein sehr reichhaltiges Radioprogramm sorgt für Unterhaltungsstoff. Die sanitären Einrichtungen der Stadt sind vorzüglich: Vorbildliche Krankenhäuser, unentgeltlich für jeden Bedürftigen. Der Wohltätigkeitssinn des argentinischen Volkes ist sehr ausgeprägt. Als Beispiel sei erwähnt, daß die „Sociedad de Beneficiencia de damas Argentinas", eine von Frauen geleitete Wohlfahrtseinrichtung, dafür Sorge trägt, daß jeder bedürftigen Wöchnerin, außer der unentgeltlichen Pflege, eine materielle Unterstützung zuteil wird, und daß sie außerdem eine kleine Wäscheaussteuer für das Neugeborene bekommt. Mit etwa 510000 Einwohnern ist Rosario, die Hauptstadt der Provinz Santa Fe, die zweitgrößte Stadt Argentiniens. Sie ist am Parana-Strom gelegen, auf dem selbst Ozeandampfer zu ihrem Hafen gelangen können. Wirtschaftlich ist sie von großer Bedeutung, da sie der V e r - s c h i f f u n g s p 1 a t z der inner- und nordargentinischen Agrarprodukte (vor allem Weizen und Mais) für den Weltmarkt ist. Andererseits verteilt Rosario wieder die Einfuhrwaren aus dem Auslande und heimische Nahrungsmittel auf die weiter innen gelegenen Provinzen. Es konnte sich auch eine eigenständige Industrie in Rosario ansiedeln. So werden dort Möbel, Leder und Ziegel verarbeitet bzw. fabriziert; mehrere Weizenmühlen, Druckereien und Zuckerwarenfabriken bestehen dort. Das Bild der Stadt macht einen großzügigen Eindruck, da die Straßen zumeist breiter sind als die von Buenos Aires. Cordoba, die Hauptstadt der Provinz gleichen Namens, hat etwa 300 000 Einwohner. Sie ist nach Lima die älteste Stadt Südamerikas und ist berühmt für ihr malerisches Stadtbild und die Schönheit ihrer Umgebung. Viele alte Gebäude zeugen von ihrer großen Vergangenheit. La Plata (192000 Einwohner) ist die Hauptstadt der Provinz Buenos Aires. Sie wurde erst um 1880 gegründet und liegt etwa 57 km von der Hauptstadt Buenos Aires entfernt, am La Plata-Strom. Die moderne Stadt La Plata gilt als Argentiniens Musterstadt. Sie ist Umschlagsplatz für den Außenhandel, beherbergt aber auch industrielle Unternehmungen, z. B. Fleischverpackungs- und -gefrierbetriebe, Petroleumraffiherien, Eisengießereien, Kühlhäuser und Mühlen. — Santa Fe (145000 Einwohner) am Parana-Fluß, etwa 840 km von Buenos Aires entfernt, liegt inmitten eines außerordentlich fruchtbaren Gebietes, dessen Erzeugnisse hier verarbeitet werden (Getreide, Molkereiprodukte und Ouebracho-Extrakt). Der Hafen Santa Fes ist für kleinere Seeschiffe erreichbar. — Bahia Bianca (110000 Einwohner) ist der größte Seehafen Argentiniens. Ueber ihn vollzieht sich der Exportverkehr des Südens und Südwestens des Landes. Ein Getreidespeicher des Hafens faßt 82 000 Tonnen. — In der Bucht, die den gleichen Namen trägt, liegt auch der argentinische Kriegshafen Puerto Belgrano mit großen Trockendocks, Arsenal usw. C. Patagonien und Feuerland bilden einen sehr großen Wirtschaftsraum, der heute noch ungenutzt ist. Auf riesigen Grundbesitzen wird lediglich Schafzucht getrieben. Einzelne Landesstrecken sind von großer Schön- 4.

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