Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1938. Bestand LBI
- Issue
- Juli 1938
- Date
- 1938-07-01
- Page
- Seite 93 (sequence 99)
- Language
- German
- Belongs to
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Teil Leute, die noch nichts haben. Auch mein Reisegenosse z. B. hat trotz größter Anstrengungen noch nichts gefunden, aber wir sind auch hierin guter Hoffnung für die nächste Zeit und halten die Stimmung hoch. Wir wohnen zur Zeit auch zusammen und können so immer die Erfahrungen austauschen. Für Leute mit gewissen Spezialerfahrungen dürfte in manchen Fällen die Chance etwas besser sein, ich hörte z. B. Dieselmotoren-Fachleute, dann Minen-Ingenieure und Feinmechaniker. Viel mehr kann ich bis heute noch nicht zu diesem ganzen Thema schreiben, es ist mir auch zu verantwortungsvoll, nach so kurzer Zeit schon exakte Ausführungen hierüber zu machen. Es wäre noch zu erwähnen, daß in der Provinz eher die Möglichkeit bestehen soll, unterzukommen und so auch etwas mehr zu verdienen, aber alle diese Fragen werden doch hier in Manila, wo die meisten Firmen ihre Büros haben, geklärt. Dafür ist dort das ganze Leben natürlich viel primitiver und das Klima auch heißer. Hierzu kann ich nur sagen, daß sich bisher, wie ich erfahren habe, meist noch jeder, an das Klima gewöhnt hat. Hier ist jetzt z. B. Winter, d. h. es ist ungefähr so heiß wie bei uns im guten Sommer. Es ist gut, daß wir gerade zu dieser Zeit hier ankamen und uns so langsam akklimatisieren können. Ende Februar beginnt die heiße Zeit und später kommt dann eine Art Regenzeit von zirka 2 Monaten. In Manila herrschen keine Krankheiten, und Malaria kennt man nicht. Man wird zwar öfter von den Moskitos gestochen (und schläft deswegen z. B. auch unter Netzen), aber das hat meist keine Folgen. Frauen sollen sich schwerer akklimatisieren als Männer. Die Kleidung ist vollkommen weiß, und es hat auch wirklich keinen Zweck, sich irgendwelche anderen Sachen mitzunehmen, dagegen aber sonst alles an Sommerwäsche, was man hat." Die folgenden Ausführungen aus einem Brief eines seit 5 Jahren auf den Philippinen ansässigen Juden unterrichtet vor allem über die Chancen für einige bestimmte Berufe. Doch ist zu beachten, daß der Brief aus dem Frühjahr 1937 stammt, also nicht den neuesten Stand wiedergibt. Manila, den 28. Mai 1937 „Es ist wahr, während der letzten Zeit kam ein Zustrom von Juden hierher, hauptsächlich aus Deutschland: Aber sie haben sich alle früher oder später etabliert, und kein einziger wandte sich an die Gemeinde um Unterstützung. Nachdem ich die Liste der Personen, die nach den Philippinen kommen wollen, sorgfältig studiert habe, bin ich sicher, daß Fach Spezialisten Arbeit finden könnten, sogar ohne Schwierigkeiten und bald; aber dazu ist folgendes notwendig: Kenntnis des Englischen (absolut notwendig) — ohne Englisch ist man hier wie ohne Hände; gewisse Mittel (mindestens für den Unterhalt von 3 Monaten). Die monatlichen Lebenshaltungskosten betragen für eine Person mindestens 75 Dollar. Hier herrscht gegenwärtig Goldfieber, und täglich werden Goldminen aufgemacht. — Minen-Ingenieure und Obersteiger werden stark gesucht; natürlich eilen Minenspezialisten aus Shanghai und Charbin herbei, und alle finden Arbeit in den Minen zu Gehältern, die gut genug sind (300—400 Pes. im Monat). Aber unter ihnen gibt es auch viele Schein-Ingenicure, die sich als Spezialisten ausgeben, und diese versagen natürlich bei der ihnen übertragenen Arbeit, so daß die Regierung einen „Erlaubnisschein" zu fordern beginnt; mit anderen Worten, der Kandidat hat sich, abgesehen vom Zeugnis, das er vorweist, einer Prüfung zu unterziehen. Außerdem verlangt die Regierung, daß eingeborene Ingenieure arbeiten sollen, aber deren Kenntnisse und Fleiß sind sehr beschränkt. Aerzte, Zahnärzte, Rechtsanwälte und andere Angehörige der freien Berufe haben nicht die Berechtigung zu praktizieren und müssen sich einer Prüfung an den örtlichen Universitäten — natürlich auf englisch — unterziehen; haben sie den Erlaubnissehein erhalten, dann dürfen sie frei praktizieren. Schneider und Schuhmacher sind ausschließlich Filipinos und Chinesen, deren Arbeit sehr gering bezahlt wird. Spezialisten für Handpflege sind ebenfalls Philippinerinnen, es gibt sehr viele von ihnen, und ihre Arbeit ist sehr schlecht bezahlt. Damenkleidung kommt aus Amerika und ist verhältnismäßig billig. Friseure sind Filipinos und Japaner. Es ist möglich, daß ein Damenfriseur, aber ein Spezialist mit Sprachkenntnissen, den Lebensunterhalt verdienen könnte. Spezialisten-Vertreter finden schnell Arbeit, aber sie kommen, aus Singapore, Honolulu und Amerika und erhalten Gehälter von 200—300 Pesos im Monat. Das Klima ist nicht schlecht: Immergrüne Natur, verschiedene Saisonfrüchte an den einzelnen Orten; aber andererseits schwächen dauernde tropische Hitze, Schweißentwicklung und zeitweilig Dengue-Fieber nach und nach den Körper, man wird schlaff, und die roten Blutkörperchen werden durch weiße verdrängt. Ueberall herrscht eine ideale Reinlichkeit; die Provinzstraßen sind asphaltiert; überall gibt es neben den Eisenbahnen regelmäßigen Autobusverkehr, so daß die Verkehrsmittel bequem und billig sind." Auch der folgende Brief behandelt hauptsächlich berufliche Chancen, daneben aber auch Fragen der Lebens- und Haushaltsführung. Der Verfasser ist ein vor 13 Jahren nach Manila ausgewanderter Arzt aus Deutschland. Bezüglich der Berufsaussichten ist wieder das Datum des Briefes zu beachten. Manila, den 21. März 1937 „Seit dem Jahre 1927 besteht das Gesetz, wonach sich ohne weiteres nur solche Ausländer als Aerzte niederlassen können, in deren Ländern Philippinern die Ausübung der Praxis erlaubt ist. Da dies in Deutschland nicht der Fall ist, kommt das also für deutsche Reichsangehörige nicht in Frage. Eine Stellung als Assistent hier zu erhalten, ist ebenfalls unmöglich. Die Bezahlung ist so gering, daß selbst der bescheidenste europäische Lebensstandard nicht aufrechterhalten werden kann. Die besseren staatlichen Stellen werden nur von Einheimischen besetzt, selbst alle Amerikaner hat man entlassen. Die Möglichkeiten für Auswanderer sind auf wenige Berufe beschränkt. Das heiße Klima verbietet von selbst jeden Beruf, in dem körperliche Arbeit geleistet wird. Die gewöhnlichen Büroarbeiten werden von Einheimischen und Eurasiern (d. h. Mischlingen zwischen Europäern und Asiaten) gut und zu einem Gehalt verrichtet, von dem ein Europäer nicht leben kann. Es kommen also nur Leute in Frage, die eine gehobenere Stellung bekleiden können und die unter dreißig Jahre sind. Da ältere Leute sich erfahrungsgemäß nur in den seltensten Fällen umstellen können und sich auch nur sehr schwer akklimatisieren, muß man ihnen unbedingt abraten. Mehrere jüdische Familien sind in letzter Zeit nach hier gekommen und fühlen sich todunglücklich, obwohl sie nahe Verwandte hier haben. Am aussichtsreichsten ist es für gesunde, junge, weltgewandte Leute, die englisch oder spanisch, am besten beides, sprechen. Jeder, der genügend Geld hat, um 3—4 Monate hier aushalten zu können, findet eine Stellung. (Wie oben erwähnt als kaufmännischer Angestellter.) Außerdem sind die Chancen für Ingenieure ganz gut. Chemiker, die Spezialisten für Metallanalyse sind, haben sehr gute Aussichten. Für Juristen, Zahnärzte und andere akademische Berufe bestehen dagegen gar keine Möglichkeiten. Die Kosten der Lebenshaltung für Einzelpersonen, bei bescheidenen Ansprüchen belaufen sich auf 75 amerikanische Dollar pro Monat, für eine kleinere Familie auf 150 Dollar als Minimum. Ich muß dringend davon abraten, daß Leute gleich mit Frau und Kind herauskommen. Der Aufenthalt würde mit Sorgen anfangen, die deprimierend und sicherlich auch auf die Berufsarbeit hemmend wirken würden. Ein solcher Mann könnte dagegen damit rechnen, wenn er sich einigermaßen bewährt, seine Familie etwa nach einem Jahr nachkommen zu lassen. Die Verhältnisse auf den anderen Inseln sind die gleichen wie hier. Die Leute fangen erst in Manila an, da es hier noch leichter ist sich umzustellen, und versuchen dann, wenn sie Leute und Sprache kennen, auf anderen Inseln Verdienstmöglichkeiten zu finden. Unverheiratete Leute wohnen im Anfang am besten in Familien oder in einem Heim für junge Männer, wo sie eng- DOPPEL-COUCHES £fp ezIalUäi: ZERLEGBARE c4iodcUo SijeneQabrikaiion. Qrosses SCager in Guck und Sesseln,. VnycrbindlickVetirchrhsuck COHN, Berlin-Steglitz, Zimmermannstr. 29 / 725814 95