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Jüdische Auswanderung · 1938-07-01 · Juli 1938 · p. Seite 70

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1938. Bestand LBI
Issue
Juli 1938
Date
1938-07-01
Page
Seite 70 (sequence 76)
Language
German
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7. Soziale Sonder Organisationen Neben den geschilderten Organisationen, die in mehr oder weniger enger Zusammenarbeit den Bau der jüdischamerikanischen Wohlfahrtspflege repräsentieren, gibt es noch eine Reihe zum Teil sehr leistungsfähiger Gebilde, die für sich arbeiten und weitgehend auf dem Gedanken der gegenseitigen Hilfe aufgebaut sind. Die bedeutendsten und ältesten unter ihnen sind die Bruderschaften u. ä., die ein großes Hilfswerk entwickelt haben. Die 11 größten zählen über 330 000 Mitglieder. Daneben sind die nicht einheitlich geleiteten, weit verbreiteten „Ladies s o c i e t i e s" zu erwähnen, die gleichfalls philanthropische Arbeit betreiben. Eine sehr erhebliche Rolle spielen weiter die Landsmannschaften, Hilfsorganisationen der aus dem gleichen Geburtsland stammenden Einwanderer, von denen es Tausende gibt, von denen eine Anzahl, nicht aber die aus Deutschland, in zentralen Verbänden zusammengeschlossen sind. Zahlenmäßig erheblich, aber in ihrer Wirksamkeit nur auf den Kreis der Berufsgenossen beschränkt, sind schließlich die Verbände der National Greek Lette rs Fraternity mit 75 000 Mitgliedern. Es sind dies Studenten-Verbindungen, deren jüdische Aktivität aber im allgemeinen zurücktritt, weil sie mehr aus Rücksicht auf die Unzugänglichkeit der allgemeinen Studenten-Verbände als für jüdische Anlässe gegründet worden sind; dennoch ist infolge ihrer Ausbreitung ihre soziologische Bedeutung nicht zu übersehen. 8. Bildung und Erholung für Jugendliche und Erwachsene Die auf dem Gebiete der Erwachsenenbildung und -erholung tätigen Kräfte sind stark zersplittert, obwohl manche dahin streben, Mittelpunkte zu schaffen. Hierzu gehören zum frühesten Zeitpunkt die Synagogen, die sich vielfach klubartige Temple Houses für Männer und für Frauen angliederten. In den größeren gibt es von klubartiger Zusammenkunft bis zur Sportstätte alle gesellschaftlichen Möglichkeiten. Besondere Bedeutung haben die Jewish Centers gewonnen. Sie sind aus den Young Men's Hebrew Associations (Jungmänner-Verbänden), den entsprechenden weiblichen und anderen Jugendlichen-Vereinen hervorgegangen und bezweckten zunächst, die Bestrebungen dieser Gruppen auf den Gebieten der Erziehung, der Erholung, der Nachbarschaftshilfe usw. wirksamer zusammenzufassen. Darüber hinaus haben sich viele von ihnen zu Jewish Community Centers entwickelt, d. h. zu Mittelpunkten ihrer Gemeinden. Zu ihren Aufgaben gehört u. a., noch vom Kriege her, die Betreuung jüdischer Soldaten in Heer und Marine und neuerdings die der jungen Männer in den C i v ilian Conservation Corps (das sind eine Art Arbeitsdienstlager, CCC genannt). Als Erholungsmaßnahme besonders beachtenswert ist die Errichtung von Sommercamps, von denen es im Jahre 1936 86 gab, zu denen noch 57 Lager in der Stadtnähe traten, mit einer Gesamtbelegschaft von 40 800 Kindern. Den stärksten Auftrieb erhielten die Centers durch ihre Verschmelzung mit dem Jewish Weifare Board, der nun ihren Spitzenverband darstellt. Er wurde während des Krieges zur Durchführung der jüdischen Kriegerfürsorge im Rahmen einer entsprechenden Gesamtorganisation der Vereinigten Staaten gegründet und verfügte über weitreichende Erfahrungen und großes Ansehen. Jetzt sind ihm 325 Vereine mit 370 000 Mitgliedern angeschlossen. Er besitzt 233 eigene Gebäude im Werte von 35 Mill. $ und hat einen Ausgabenetat von 4,6 Mill. $ im Jahr. Es gibt in den Vereinigten Staaten keine jüdische Jugendbewegung im europäischen Sinne; auch die Young Men's und die Women's Hebrew Associations waren nicht von der Jugend, sondern für sie begründet. Doch gibt es eine Anzahl von unabhängigen Jugendverbänden, die meist auf eine bestimmte Weltanschauung festgelegt sind und unter denen die betont nationaljüdischen überwiegen. Der größte Bund ist Young Judea, im Jahre 1909 gegründet. Er will das jüdische Geschichtsbewußtsein pflegen und dem Palästina-Aufbau dienen. Der Bund hat 750 Heime für Jungen und Mädchen mit 20 000 Mitgliedern. 13 Bünde erziehen zur Palästina-Wanderung, 6 weitere haben ebenfalls den Palästina-Aufbau im Mittelpunkt ihres Programms. Im ganzen sind ungefähr 65 000 Jugendliche in 21 Bünden zusammengeschlossen. Von in Deutschland bekannten bestehen in den Vereinigten Staaten die H a b o n i m mit 120 Gruppen, Misrachi -Jugend mit 5000 Mitgliedern, Haschom er H a z a i r mit 26 Gruppen und 3500 Mitgliedern, Junior Hadassah (der Jungwizo vergleichbar) mit 13 000 Mitgliedern. Der Hechaluz unterhält zwei Lehrgüter mit 500 Mitgliedern. 9. Sonstige Schutz-,und H i 1 f s v e r b ä n d e 1. Bürgerlicher Schutz Der Wahrnehmung der bürgerlichen Rechte der Juden und ihrer Vertretung in den öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten dienen mehrere Organisationen, deren Tätigkeit sich über das ganze Gebiet der Vereinigten Staaten erstreckt. Das American Jewish Committee ist Gegner einer nationaljüdischen Einstellung, bejaht aber Palästina als Zentrum der Judenheit aus religiöser oder historischer Verbundenheit. Seine Mitglieder gehören vorwiegend den begüterten Kreisen an. Der American Jewish Congress verfolgt im wesentlichen die gleichen Ziele, aber auf nationaljüdischer Grundlage. Er hat eine Reihe von Ortsgruppen und vertritt in seiner Mitgliedschaft den Mittelstand. Die Arbeiterschaft hat noch eine besondere Vertretung im Jewish Labor Committee. Durch ein Joint Consultative Committee (einen ständigen gemeinsamen Ausschuß der Organisationen) ist Gelegenheit zur Beratung und gemeinsamem Vorgehen gegeben. 2. Hilfe und Aufbau Unter den mannigfachen jüdischen Organisationen, die zu „Hilfe und Aufbau" in anderen Ländern, insbesondere Uebersee, beitragen, steht an erster Stelle das American Joint Distribution Committee, uns als der „Joint" bekannt, dessen Tätigkeit Hilfs- und Aufbaumaßnahmen in aller Welt umfaßt. In mehr als 40 Ländern hat er seit 1914 bis zum vorigen Jahr insgesamt 84 Mill. $ verausgabt. Er hat auch bei der Errichtung des Zentralausschusses für Hilfe und Aufbau der Juden in Deutschland mitgewirkt und unterstützt ihn laufend. In Verbindung mit dem Joint sorgen die R e f u g e e Economic Corporation für die wirtschaftliche Einordnung und der Emigree Charitable Fund insbesondere für die Wohlfahrt der aus Deutschland kommenden Einwanderer. Das National Coordinating Committee for Aid to Refugees and Emigrants coming from Germany bemüht sich (getreu seinem Namen) um eine planvolle Verteilung der Einwanderung, die immer wieder Gefahr läuft, in der Stadt New York selbst hängen zu bleiben. Die Betreuung der Kindereinwanderung liegt bei der German Jewish Children's Aid, die bisher 370 Kinder, die von der Reichsvertretung der Juden in Deutschland ausgewählt und unter Mitwirkung des Hilfsvereins der Juden eingeschifft worden sind, in über 60 Städten in einzelnen Familien unterbringen konnte. Die allgemeine Einwanderungsfürsorge liegt in der Hand der H i a s, der Hebrew Sheltering and Immigrant Aid Society of America. Einwandernder Frauen und Kinder nimmt sich besonders auch der National Council of Jewish Women an. Zu nennen ist weiter die Gesellschaft Ort, der die berufliche Ausbildung und Förderung einer großen Anzahl von Juden in Ost-, aber auch in Mitteleuropa zu danken ist. Stark entwickelt ist in den Vereinigten Staaten das Interesse für den Palästina-Aufbau. Die Idee der alle Richtungen umfassenden Jewish Agency for Pa - 1 e s t i n e hat dort praktisch ihre Prägung erhalten. Die Zentralinstanz der Palästina-Arbeit ist die Zionist Organization of America, die über 80 000 Mitglieder zählt. Eine ähnliche Zahl erreichen verschiedene gleichgerichtete Arbeitergruppen. An hervorragender Stelle der Bewegung steht die Frauenorganisation Hadassah, die in 375 Abteilungen und Gruppen 60 000 Mitglieder umfaßt. Größeren Umfang hat auch der Misrachi mit 37 500 Mitgliedern in seinen Organisationen. Die führenden Presseorgane sind das „Jiddische Folk" und „New Palestine". Der Keren Kajemeth (Jewish National Fund), Keren Hajessod (Jewish Agency for Palestine) und das Central Bureau for the Settlement of German Jews in Palestine sind durch den United Palestine Appeal verbunden, der einheitlich die Mittel sammelt. Im Jahresdurchschnitt werden gegen 4 Mill. $ für den Palästina-Aufbau aufgebracht; zu einem erheblichen Teil werden die Beträge gemeinsam mit dem Joint gesammelt und nach einem bestimmten Schlüssel, zur Zeit 40 zu 60 °/o (für den Joint) verteilt. 70

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