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Jüdische Auswanderung · 1938-07-01 · Juli 1938 · p. Seite 58

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1938. Bestand LBI
Issue
Juli 1938
Date
1938-07-01
Page
Seite 58 (sequence 64)
Language
German
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Die Einteilung der Mahlzeiten ist gleich der englischen. Es gibt ein reichliches erstes Frühstück mit Obstsäften,. Lunch wird in der Kantine oder in der Nähe der Arbeitsstätte eingenommen. Auch die Kinder bleiben häufig über Mittag in der Schule. Die Hausfrau selbst ißt oft nur ein Sandwich zum Lunch für 15—20 cts und trinkt eine Tasse Kaffee, die in den Cafeterias und Drugstores für 5 cts zu haben ist. Die Drugstores sind die amüsantesten Läden in New York. Es sind Drogengeschäfte, in denen Analysen gemacht werden, in denen man außer allen einschlägigen Artikeln auch Briefmarken kaufen kann,, und wo man an Bartheken alle Mahlzeiten einnehmen oder an mit Glasplatten bedeckten Tischen, auf Puder, Seife, Parfüm und Lippenstift, essen kann. Ein typisches Dinner, das man in den Restaurants bekommt, besteht aus einem Vorgericht, Suppe in Tassen, einem Hauptgang mit zwei Beilagen, Salat als Extragang, Nachspeise und einer Tasse Kaffee. Man kann ein Dinner schon für 45 bis 50 Cents bekommen. Selbstverständlich bereitet die amerikanische Hausfrau das Dinner bedeutend einfacher zu. Die Hauptgetränke drüben sind Kaffee und die eisgekühlten Getränke, die durch ihre Vielseitigkeit und erfrischende Schmackhaftigkeit berühmt sind. Sie werden aus großen Wassergläsern getrunken. Vor den ebenso berühmten Cocktails hüte man sich. Sie sind alkoholisch sehr stark, werden auf nüchternen Magen gereicht und können unangenehme Erscheinungen bei dem, der sie nicht gewohnt ist, hervorrufen. In der Kleidung hält die Amerikanerin einen ebenso geringen Vorrat wie sie an Möbeln, Hausrat und Wäsche besitzt. Die Sommerhitze in New York ist groß. So kauft die praktische Frau drüben nur sehr billige Sachen, denn länger als eine Saison brauchen die Kleider nicht zu halten. Ein Sommerkleid gibt es schon für $ 2—3 in den großen Damenmodehäusern. Eins von ihnen hat Selbstbedienung. Man sucht sich dort allein von den Ständern verschiedene Kleider aus, probiert sie allein an, wählt, zahlt und nimmt sie mit nach Haus. Früher konnte das Kleid auch noch nach dem Tragen umgetauscht werden. Jetzt schützt sich die Firma davor, indem sie die Kleider plombiert. Umtauschen und Zurückgeben gekaufter Sachen ist drüben üblich. Im Winter werden, trotz der großen Kälte, meist nur leichte Wollkleider und keine wollene Unterkleidung getragen, weil die Zimmer, wie oben erwähnt, sehr heiß sind. Sehr erwünscht ist aber ein Pelz. Gebräuchlich und sehr nützlich sind sackartige, über den Kopf zu ziehende Regenmäntel, die gegen die heftigen, zuweilen bis zum Hurrikan ansteigenden Stürme schützen. Alle Handarbeit wird sehr hoch geschätzt. Wer Wäsche, Handschuhe, Gardinen nähen, wer Kleider und Jumper stricken, wer handweben kann, kann sich damit Verdienst verschaffen, vor allem, wenn nach eigenen Entwürfen geschmackvoll und erstklassig gearbeitet wird. So versucht der Amerikaner, sich das Leben leicht zu machen, mit dem festen Motto, nach dem er sich seine Welt aufbaut. „Take it easy" und „keep smiling". Es liegt viel Trost und Weisheit in diesen Worten. Es wirkt sich aus in der gleichmäßig ruhigen und freundlichen Art, der man drüben begegnet. Niemals wirkt die Amerikanerin überreizt, weder im Dienst noch zu Hause, obwohl ihr Tag ohne Mittagsruhe abläuft. Sie hilft sich selbst, ist stets hilfsbereit gegen andere und von großzügiger Gastfreundschaft. Frauen und Mädchen, die von uns hinüberwandern, können es leichten Herzens tun. Auch Mütter und Großmütter können sich darauf einrichten. Aber sie sollten sich gründlich und rechtzeitig auf alle hauswirtschaftlichen Kenntnisse vorbereiten, die drüben lebensnotwendig sind. Denn es wird eine Zeit kommen, da die Kinder und Enkel in der Lage sein werden, sie in ihr Heim aufzunehmen. Dann sollen sie das „help yourself" sich zu eigen gemacht haben, sie sollen verstehen, sich nützlich zu machen, um nicht als Belastung von den Kindern empfunden zu werden. Unsere eingewanderten Frauen bewähren sich drüben großartig. Sehr häufig ernähren sie zunächst den Mann und die Familie. Dieses Arbeitenmüssen, an das sie vielfach nicht gewöhnt waren, ist der älteren Frauen-Generation zuerst sehr schwer geworden. Aber sie haben es zu meistern verstanden, mit dem starken Willen, sich ein neues gesundes Leben aufzubauen. Sie haben gelernt, sich einzufühlen und einzufügen in den Lebensstil der neuen Welt. Dazu braucht man keine Werte aufzugeben. Im Gegenteil: all das Kulturgut, das man besitzt, die Liebe zur Kunst und Wissenschaft, zu Bildern, Büchern, Blumen, zu Behaglichkeit und Gemütlichkeit soll man mitnehmen. Gleichzeitig soll man all das aufnehmen, was einem entgegengebracht wird an liebenswürdiger Gelassenheit, die Haltung gibt und Haltung fordert. Haltung müssen wir bewahren, das ist unsere Pflicht. Jeder einzelne trägt die Verantwortung in sich für alle die folgen, denn keiner geht anonym heraus. Das Land, das den Einwanderer aufnimmt, wertet die Gesamtheit nach seinem Verhalten. Ueber die in den Vereinigten Staaten gebräuchliche Kleidung und Hauswäsche entnehmen wir einem Rundschreiben der Firma N. Israel, Berlin, noch folgende Angaben: Kleidung. In den Grundzügen stimmt die Mode der Vereinigten Staaten mit der in Europa jeweils überein, zumal sie sich besonders an Paris anlehnt. Immerhin bedingen sowohl Klima als auch der Geschmack der Bevölkerung gewisse Abweichungen. Die Städterin in Nordamerika legt weniger Wert auf lange Haltbarkeit der Kleidung, als darauf, stets nach der neuesten Mode gekleidet zu sein. In Anbetracht der hohen Sommertemperaturen müssen die Stoffe für Damenkleider äußerst leicht und gut waschbar gewählt werden. Das gleiche gilt für die Unterwäsche. Trikotwäsche wird allerdings wenig getragen, das Material ist überwiegend Seide in guter Qualität. Die im Sommer gebräuchliche leichte Unterkleidung wird auch im Winter beibehalten, da die Arbeits- und Wohnräume in der Stadt sehr stark geheizt werden. Strümpfe sind durchweg reinseiden. ... Ihr Preis ist jedoch nicht höher als hier der eines kunstseidenen Markenfabrikates wie etwa „Elbeo" oder „Rogo". Die Damenschuhe unterscheiden sich äußerlich von den hier üblichen Formen nicht. Doch wird auch hierbei mehr Wert auf Eleganz als auf große Haltbarkeit gelegt. Die Damenmäntel sind aus dicken Flauschstoffen oder anderen Wollstoffen mit reichem Pelzbesatz. Auch der Pelzmantel wird sehr viel getragen und durchaus nicht als Luxus empfunden. In der Herren-Oberkleidung finden sich für europäische Begriffe sehr stark ausgeprägte Farbkombinationen. Es werden aber auch Freskos in dezenteren Farben getragen. An ganz besonders heißen Tagen sieht man vereinzelt Leinenanzüge. In der Wintermode des Herrn sind Unterschiede von der europäischen nicht zu verzeichnen. Als Unterwäsche bevorzugt der Herr kurze Hosen, die häufig aus dem gleichen Stoff gefertigt werden wie das Oberhemd. Ferner werden auch Kniehosen mit dem Nobeltbund getragen. Sehr stark vertreten ist auch das Oberhemd mit dem angeschnittenen Kragen, das hier meist als Sporthemd bezeichnet wird. Die Herrenschuhe zeigen halbrunde Formen. Hauswäsche. Die gebräuchliche Bettwäsche unterscheidet sich von der hiesigen besonders hinsichtlich der Größe. Das übliche Maß für gefüllte Federkissen ist 51X 76 cm oder 60 X 80 cm. Die dazu gehörigen Bezüge sind nicht zum Knöpfen eingerichtet, sondern offen in Schlauchform und so lang gearbeitet, daß an beiden Seiten ein Ueberschlag vonca. 20 cm bleibt, d. h. die Bezüge, die zu den obengenannten Kissengrößen passen, müssen in den Maßen 51X116 cm bzw. 60X120 cm sein. Die Bezüge sind nicht garniert, sondern mit breiten Säumen gearbeitet. Die übliche Größe für Bettlaken ist 185 X 300 cm. Ganz nach den klimatischen Verhältnissen werden Daunen- oder Wolldecken benötigt. An Stelle der hier gebräuchlichen Oberlaken mit Knopflöchern nimmt man für Decken in der Größe 150 X 200 cm Einschlagtücher ohne Knopflöcher. Die Einschlagtücher selbst haben als Maß 225 X 300 cm. Auch sie sind ganz SCHREIBSCHRANKE, kombiniert RM. 150.- 200.- 250- und höher SCHLAFZIMMER, in allen Holzarten, auch mit Herrenkommode RM. 375.- 450.- 600.- und höher AUFBAU-MÖBEL in modern und Chippendale Praktische SCHRÄNKE, KLAPPTISCHE, KLEIN¬ MÖBEL, COUCHS und POLSTERMÖBEL äußerst billig Kommen Sie ins „Jüdische Fachgeschäft" H+ ZIMMER FRANKFURT A. M., HANAUERLANDSTR. 44 58

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