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Jüdische Auswanderung · 1938-07-01 · Juli 1938 · p. Seite 56

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1938. Bestand LBI
Issue
Juli 1938
Date
1938-07-01
Page
Seite 56 (sequence 62)
Language
German
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zu helfen — das sind die drei Faktoren, die die amerikanische Hausfrau vor schwerer körperlicher Arbeit bewahren. Der Wohnraum in New York, das auf einer Insel und einer schmalen Landzunge liegt, ist beschränkt. Die Wohnungsmiete ist daher verhältnismäßig hoch. Sie muß als höchste Haushaltsausgabe eingesetzt werden, und zwar, nach dem dortigen Lebensstandard berechnet, mit der Hälfte, während wir hier nur etwa ein Drittel oder noch weniger dafür einzusetzen brauchen. Besonders teuer sind richtige Etagenwohnungen. Eine leere Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnung, die Küche wird als Zimmer gerechnet, kostet nach Gegend und Ausstattung $ 70 bis 100 im Monat. Dafür kann man in einem Vorort von New York ein ganzes Haus mieten. Das ist billiger und gesünder und daher für Familien mit Kindern vorzuziehen. M ö - blierter Wohnraum dagegen ist, so merkwürdig das klingt, billiger. So kann man möblierte Drei-Zimmer-Wohnungen z. B. in der Gegend der Columbia-Universität — im Westen, der in New York billiger ist als der elegantere Osten, nicht weit vom Hudson — mit Bedienung für $ 75 monatlich bekommen. Ein möbliertes Zimmer kostet $ 25 bis 35 monatlich. Das Existenz-Minimum liegt in New York bei $ 60—70 monatlich. Für $ 1 täglich kann man sich ausreichend verpflegen. Da nicht nur das Essen, sondern auch Kleider und Fahrgelder billig sind — die Fahrt mit der Subway (Untergrundbahn) durch ganz New York kostet 5 cts. —, kann eine Einzelperson mit einem Gehalt von $ 100—125 monatlich, das in einer ganzen Reihe von Berufen ohne besondere Schwierigkeiten erreichbar ist, gut auskommen, ebenso können es zwei Personen mit $ 200 monatlich, die aber schon weniger leicht zu verdienen sind. Hilfskräfte, wie Hausangestellte, Kinderfräuleins, Säuglingspflegerinnen und Krankenschwestern, sind teuer. Die weiße Hausangestellte erhält im Gegensatz zur schwarzen, deren Lohn nur $ 30—35 beträgt, $ 70 monatlich. Für Hausangestellte aller Art bestehen daher gute Anstellungsaussichten, wenn sie nicht mit zu hohen Ansprüchen auftreten, denn auch die Anforderungen an die Leistung sind groß. Die Einwandernde hat dabei den großen Vorteil, die Sprache möglichst schnell zu erlernen. Eine Krankenschwester erhält $ 8—9 täglich. Eigene Wohnung, Hausangestellte und Krankheit rechnen ebenso zu den Luxusausgaben in New York, wie angefertigte Kleidung, Theater- und Konzertbesuch. Ganz anders liegt das Preisniveau in den kleinen Städten, wo man in einem guten Boarding-House für nur $ 60 im Monat mit voller Verpflegung wohnen kann. In Californien, dem Land, wo Milch und Honig fließt, soll man bereits mit $ 30—40 monatlich vorzüglich auskommen können. Der Wohnstil in New York ist das Apartmenthouse. Es gibt Apartment-Häuser möbliert und unmöbliert, mit Hunderten von Wohnungen in allen Größen, die manchmal einen ganzen Straßenblock einnehmen; Einzimmer-Wohnungen haben immer ein Bad. Man wohnt numeriert ohne Namenschild, z. B. im 27. Stockwerk hat man Nummer 27 a, b oder c. Auffallend ist, daß in Häusern, die keine Läden haben, sich häufig zu ebener Erde das „Office" befindet, das ist der Sprechstundenraum der Aerzte, die nur ihr Namensschild außen am Fenster haben dürfen, ohne Bezeichnung der Spezialität. Hausschlüssel gibt es nicht; die Häuser sind Tag und Nacht offen. Der Doorman, unserem Portier entsprechend, fragt erst haustelephonisch an, ob das appointment, die Verabredung, mit den Personen, die man besuchen will, stimmt, damit kein Unbefugter das Haus betritt. Die modernen Häuser haben neben dem Fahrstuhl auch Treppen, während man die alten, treppenlosen Häuser daran erkennt, daß sie außen an der Fassade Balkons haben, die mit Treppenleitern verbunden sind, als Schutz gegen Feuersgefahr; ein architektonisch unschönes Straßenbild. Balkons haben sonst die Häuser kaum, nur sogenannte Terrassen und manchmal herrliche Dachgärten. Während die Eingangshalle ziemlich elegant gehalten ist, sind die Korridore, an denen die Wohnungen liegen, schmal und schmucklos. Betritt man nun Nr. 36 f, so steht man in einem engen Gang, in dem es keine Garderobe gibt. Man wird gebeten, im Schlafzimmer abzulegen. Die Möblierung weicht in mancher Hinsicht von der uns gewohnten ab. Den schönen Kleider- oder Wäscheschrank kennt man ebenso wenig wie das Büffet. Das Charakteristische der amerikanischen Wohnung ist, daß sie nur „c 1 o s e t s" hat, das sind eingebaute Schränke, die manchmal Verkleidungen von Rohren sind, hell gestrichen, aber nicht immer staubsicher, größtenteils unverschließbar. Manche Türen haben eine Selbstzünder-Einrichtung für elektrisches Licht, das beim Oeffnen sich einschaltet, denn die „closets" sind dunkel. Hier werden Kleidung, Wäsche, Geschirr und sonstiger Hausrat untergebracht. Für die persönliche Wäsche hat man in den Schlafzimmern Kommoden, die oft die Form unserer früheren Vertikos haben, aber immer mit Schublade versehen sind. Trotz der Vielfältigkeit der Kommoden gibt es eine Art nicht, das ist die Wickelkommode. Für die Babies hat man ein eisernes Gestell, das oben eine mit Fries bespannte Tischplatte hat, die, nach hinten geschoben, einen Gummibeutel zeigt, in dem das Kind gebadet wird. Die Schlafzimmer-Einrichtung unterscheidet sich im übrigen, bis auf die Andersartigkeit der Schränke, wenig von der unsrigen. Die Möbel sind leicht und gehen auf Rollen. Die Ueberschlaglaken der Betten haben keine Knopflöcher. Die Kopfkissen sind klein, oft aus Roßhaar, die Bezüge vielfach mit Bändern gebunden. Die Bettdecke wird als Schmuckstück auf das Bett gedeckt, auf dem dann zuweilen auch noch Sofakissen liegen. C o u c h e s findet man in Schlafzimmern nicht. Neben dem Schlafzimmer befindet sich das Bad, das in modernen und teuren Wohnungen bis zum höchsten Luxus ausgestattet ist. Auch dort sind Spiegelschränke für die Toilettegegenstände eingebaut. Die Farbigkeit spielt eine große Rolle; es gibt rote, grüne, blaue Badezimmer. Handtücher, Gläser, Seife, Seiflappen und Toilettepapier sind in einem gepflegten Haushalt immer passend zum Grundton. Der Amerikaner beschwert sich nicht mit einer großen Anzahl von Einrichtungsgegenständen. Die Möbel sind typisiert, ganz einfach aus leichtem Metall; sind sie ausländisches Erzeugnis, so ist z. B. eingraviert: „Made in Italy". Im Wohnzimmer, dem „livingroom", steht ein charakteristisches Möbelstück. Es ist ein kombinierter Bücher-, Schreib- und Kommodenschrank. Das Oberteil mit Glastüren ist für Bücher bestimmt, die Mitte ist aufklappbar und mit vielen Fächern als Schreibtisch zu benutzen. Darunter sind geräumige Schubladen. Verschieden in Material und Ausführung, findet man ihn in jeder Privatwohnung und auch in jedem Hotelzimmer. Ein bequemes Sofa mit Sesseln, ein paar sehr kleine Tische, wenige Stühle ergänzen die Einrichtung dieses Raumes. Ganz vereinzelt mal ein Nippes, eine Vase mit Blumen, ein Bild. Die Räume sind im ganzen mittelgroß. Darum wirkt das buffetlose Eßzimmer auch nicht leer, wenn der Eßzimmertisch, der nicht zum Aufziehen, sondern zum Aufklappen an den Schmalenden eingerichtet ist, an der Wand steht. Bei Besuch wird er, auf Rollen, leicht in die Mitte geschoben, und für den Fall, daß die Stühle nicht reichen, hat man zusammenklappbare Stühle in den closets verborgen stehen. Die Wohnräume werden bei größeren Familien auch als Schlafzimmer benutzt. In diesem Fall ist auch eine Couch vorhanden, die häufig noch ein zweites Bett in sich birgt. Gehört zu der Wohnung eine Küche, die als Zimmer gerechnet wird, so ist sie in den eigentlichen Küchenraum und den Raum, der vor dem Fenster liegt, getrennt, und zwar durch hübsch bemalte, halbhohe Paravents. Es wird sehr oft der Raum am Fenster als Eßraum für die Familie benutzt. Die Hausfrau, die allein wirtschaftet, hat es außerordentlich bequem und braucht keine weiten Wege zu laufen. Die Küche ist so eingerichtet, daß man nur mit Geschirr, Töpfen und sonstigem Hausrat einzuziehen braucht. Gekocht wird größtenteils auf Gas, aber natürlich auch elektrisch. Die Gasherde haben Selbstzünder. Jede Küche in einem modernen Haus hat einen Frigidaire, vielfach einen Müllschlucker und selbstverständlich Warmwasser. In der Mitte hängt ein Holzgestell, zum Trocknen der Tücher, das man an einem Ring hinauf- und herunterziehen kann. Die amerikanische Hausfrau wäscht die Tücher gleich nach dem Abwaschen aus, da sie über keine große Aussteuer verfügt. Auch hier beschwert sie sich nicht gern mit Vorräten. Ist die Wäsche zerrissen, wird neue gekauft; mit mühseligem Stopfen gibt sie sich nicht ab. Man hat drüben einen großen Wäscheverbrauch, denn New York ist schmutzig. Bettwäsche wird wöchentlich gewechselt, Handtücher oft täglich. Gibt man die Wäsche fort, so wird sie stark ruiniert und es ist außerdem sehr teuer; Waschfrauen fahren im Auto vor, denn ihr Verdienst ist gut und ein Auto drüben kein Luxus, weil das Benzin billig ist. In größeren Familien wird die Wäsche 56

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