Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1938. Bestand LBI
- Issue
- Juli 1938
- Date
- 1938-07-01
- Page
- Seite 49 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
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159 000 Angestellten und 154 000 000 Dollars Gehaltssumme; hierin sind die Versandgeschäfte mit 41000 Angestellten in 378 Geschäften und einer Gehaltssumme von 40 000 000 Dollars enthalten. Die besonderen amerikanischen Einzelhandelsformen haben von der Tatsache des Massenbedarfs ihr allgemeines Gepräge erhalten, wobei einerseits die verhältnismäßig starke Zusammenballung der Bevölkerung in den Großstädten und andererseits wiederum die Verstreuung der anderen Hälfte der Bevölkerung über den unendlich großen Raum des Landes die Ausbildung der beiden typischen Formen bewirkt haben. Das 5 und 10 Cent- Store, das wir in den Woolworth-, Epausw. Läden in Berlin und anderen deutschen Großstädten kennen, ist auch in den USA. eine typisch großstädtische Form, denn nur in den Großstädten findet sich die charakteristische Käuferschicht mit kleinem Einkommen und dem Bedarf nach billigsten Waren allerverschiedenster Art. Das Gegenstück zum Einheitspreis-Laden ist das Versandhaus. Ihre große Bedeutung hat diese Vertriebsform dadurch erhalten, daß ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung oft auf abgelegenen und verstreuten Farmen über das Land zerstreut ist und kaum Gelegenheit hat, in größeren Orten einzukaufen. Diesem Teil der Bevölkerung wird vom Versandgeschäft die große Auswahl an Waren, die den Großbetrieb vor dem lokalen Handel in den Kleinstädten und Dörfern auszeichnet, zugänglich gemacht, und die Post bringt die Waren ins Haus. Der in einer Auflage von 50 Millionen Stück (!) jährlich herausgebrachte Versand-Katalog des größten Maü-order-Hauses (Sears, Roebuck & Co., Chicago) umfaßt mehr als 10 000 Seiten und enthält alles Erdenkliche, was der Mensch im Laufe des Lebens braucht. Die Zahl seiner Kunden schätzt Sears, Roebuck & Co. auf etwa 10 Millionen. Die großen Versandhäuser sind sozusagen „U e b e r - land-Warenhäuser"; aber auch bei den Spezialgeschäften und den eigentlichen Warenhäusern ist das Mail-Order-System weit verbreitet. Die starke Ausbildung des Abzahlungsgeschäftes ist — so sehr sie heute dem Volkscharakter zu entsprechen scheint — doch im wesentlichen künstlich herbeigeführt. Es ist einer der Versuche, die nach dem erstem großen Nachkriegskrach von 1920/21 zur Herbeiführung und Verlängerung der Prosperity unternommen wurden. (Auch in Deutschland hatten wir nach 1924 den Kundenkredit und die Absatzfinanzierung erlebt, ohne daß sich hier für Verkäufer oder Käufer wesentliche Vorteile ergeben hätten.) In den Vereinigten Staaten ist es immerhin gelungen, dieser Vertriebsform eine größere Verbreitung zu geben. Das Abzahlungsgeschäft (das nicht auf bestimmte Firmen beschränkt ist, sondern auch von Warenhäusern und anderen gepflegt wird) umfaßte 1935 fast Vs des gesamten Einzelhandelsumsatzes. Eine Reihe von Gegenständen des allgemeinen und des gehobenen Bedarfs wird überwiegend oder doch in erheblichem Umfange in dieser Geschäftsart umgesetzt, die erst bestimmte Artikel zur Massenware machen konnte. Im Jahre 1935 wurden 60 v. H. aller Automobile, 55 v. H. der Haushaltsartikel, 49 v. H. der Möbel, 34 v. H. der Radioapparate, aber auch 15—25 v. H. der Kleider, Pelze, Eisenwaren, Bücher und des Schmucks im Abzahlungswege erworben. Freilich darf in der Verlockung der so ermöglichten Anschaffungen nicht die Gefahr übersehen werden, die auch für den Käufer darin liegt, daß er sein in Wirklichkeit unsicheres Einkommen schon auf 12—36 Monate hinaus für Dinge festlegt, die immer noch bezahlen zu müssen ihm im Falle des Rückgangs seines Einkammens recht lästig werden kann. Das Filialgeschäft-System (chain-stores) ist auch in Europa nicht unbekannt. „Amerikanisch" ist nur das Ausmaß, das drüben erreicht wurde; z. B. umfaßte die Atlantic & Pacific Tea Comp, (etwa Kaiser's Kaffeegeschäft usw. vergleichbar) über 10 000 Läden. Der Einwanderer, der auf lange Zeit gezwungen sein wird, billig einzukaufen, mag noch auf eine Besonderheit des amerikanischen Warenhaus-Betriebes aufmerksam gemacht werden. Die amerikanischen Warenhäuser pflegen Waren, die in den regulären Abteüungen zu lange unverkauft liegen bleiben, im Basement-store (Kellergeschoß) zunächst zu einem etwa 20 v. H. ermäßigten Preis anzubieten und, falls die Ware auch dort nicht schnell genug ausverkauft wird, sie in einem noch tieferen Keller zu noch weiter gesenkten Preisen auszulegen. b) Der Großhandel Der amerikanische Großhandel ist weitgehend spezialisiert. Seine hauptsächlichen Standorte sind die großen Hafenstädte der atlantischen und der pazifischen Küste und die großen Städte der industriell hoch entwickelten Binnenstaaten, vor allem der nordöstliche Zentralbezirk. Im Jahre 1935 waren 1,5 Millionen Menschen als Inhaber und Teilhaber von Großhandelsfirmen tätig. Sie beschäftigten 3,95 Millionen dauernde und zeitweise Angestellte, welche insgesamt 3,6 Milliarden Dollars Gehalt bezogen. Der Gesamtumsatz des Großhandels belief sich auf 42,8 Milliarden. Davon entfielen auf die Staaten New York 10,8 Milliarden, Illinois 3,9 Milliarden, Californien 2,9 Milliarden, Pennsylvanien 2,7 Milliarden, Ohio 2,0 Milliarden Dollars. Als besondere Eigentümlichkeit des amerikanischen Großhandels kann gelten, daß die Firmen selten nur einen, meist wenigstens zwei Inhaber haben, da ein Einzelner im allgemeinen das zum Betrieb eines Großhandelsgeschäfts nötige Kapital nicht aufbringt. 5. Geld- und Bankwesen. Staatsfinanzen Die W ährungseinheit der Vereinigten Staaten ist der Dollar, der in 100 Cents geteilt ist. Sein Kurs beträgt zur Zeit 2,49 RM. (mit kleinen Schwankungen). Es laufen zur Zeit folgende Metallmünzen um: Silber: Va 1/4 $, 10 c (Dirne); Nickel: 5 c; Bronze: 1 c. Goldstücke sind nicht mehr im Umlauf. Gemäß der Vielfältigkeit im Aufbau des amerikanischen Bankwesens laufen Noten der verschiedensten Institute in Abschnitten von 1 bis 10 000 $ um. Erst 1913 wurde im Bundes-Reservesystem ein Zentralbanksystem geschaffen, das seit etwa 1923 mittels seiner Geldpolitik einen wesentlichen Einfluß auf die Gestaltung der wirtschaftlichen Entwicklung ausübt. Das Bundes-Reservesystem besteht aus 12 regionalen Bundes-Reservebanken und einer Anzahl Zweigstellen im Lande; sie werden durch das Bundes-Reserveamt in Washington einheitlich geleitet. Die Summen aller Anlagen und Reserven der 12 Bundes-Reservebanken betrug Ende 1936 12,5 Milliarden Dollar. Im Juni 1937 arbeiteten 15 800 Banken mit einer Gesamtsumme der Einlagen von 58,3 Milliarden Dollar; davon waren 6400 Banken dem Bundes-Reservesystem angeschlossen. Die Staatsfinanzen sind durch die großzügigen Aufbau- und Hilfsmaßnahmen während und nach der großen Krise erheblich angespannt worden: von 1932 auf 1937 stieg die Staatsschuld von 19,5 auf 36,4 Milliarden Dollar. Aeußere Staatsschulden haben die Vereinigten Staaten nicht, dagegen sind ihnen viele Länder verschuldet; allein die noch nicht abgetragenen Schulden aus dem Weltkriege an die USA. werden auf über 20 Milliarden Dollar berechnet. Der Haushalt der Bundesregierung sieht für 1938 7,3 Milliarden Dollar Einnahmen und 7,7 Milliarden Dollar Ausgaben vor. Nahezu die Hälfte der Einnahmen stammt aus der Einkommensteuer. Ueber die Höhe des gesamten öffentlichen Haushalts der USA. — nämlich Bundeshaushalt, Haushalte der Einzel- Leibrenten Versicherungen I Transportversicherungen für die Zurückbleibenden gUnsfigs' durch für die Auswandernden MARTIN GOLDBERG & CO. Telephon 8710 42,07 00 42 BERLIN-WILMERSDORF Babelsberger Straße 52 Auskunft kostenlos und unverbindlich 4