Mannheim
Compact Memory

Jüdische Auswanderung · 1938-07-01 · Juli 1938 · p. Seite 45

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1938. Bestand LBI
Issue
Juli 1938
Date
1938-07-01
Page
Seite 45 (sequence 49)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/6492429-9991067-9588052--635-9588101
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Was die geographische Verteilung der amerikanischen Bodenschätze angeht, so ist vor allem der Unterschied zwischen dem Westen und dem Osten der Union bedeutsam. Der Osten besitzt die wertvolle Steinkohle, während im Westen mehr Braunkohle gewonnen wird. Zwar besitzt der Westen noch unerschlossene Reserven, doch über neun Zehntel der Produktion befinden sich östlich des Mississippi. Umgekehrt verhält es sich mit der Gewinnung von Petroleum, die wertmäßig an erster Stelle steht; 85 v. H. der Vorkommen liegen westlich des Mississippi. Ebenso steht es mit Kupfer. Die Edelmetalle finden sich sogar fast ausschließlich im Westen. Dagegen wird Eisen wiederum vorwiegend in der östlichen Hälfte des Landes gewonnen, die übrigens auch die reichsten Wasserkräfte besitzt. Im einzelnen ist über die wichtigsten Bodenschätze der USA. vor allem folgendes von Bedeutung: K o h le. Die Kohlenvorräte der Vereinigten Staaten (auch ohne die Reserven Alaskas) sind praktisch unerschöpflich; sie würden nach bescheidenster Schätzung ein Jahrtausend zur Befriedigung des gesamten Weltbedarfs reichen. Die jährliche Produktion beträgt ungefähr 40 v. H. der Weltförderung; auf den Kopf der Bevölkerung kommen zirka 5 Tonnen gegenüber 4 Tonnen in Belgien, dem führenden europäischen Kohlenstaat. Die Kohlenlager liegen zum größten Teil nicht in der Tiefe, so daß sie teils im Tagebau, teils durch Anlage kurzer Schächte abgebaut werden können. An erster Stelle der Produktion und in der Qualität stehen die app alachischen Kohlenfelder, die von Penn-sylvanien bis nach Alabama herabreichen und 65 v. H. der Steinkohlenproduktion liefern, übrigens ebensoviel wie die Produktion des europäischen Kontinents. Das wichtigste Zentrum dieser Gruppe ist Pittsburgh; es erstreckt sich über die Westgrenze Pennsylvaniens nach Ohio, West-Virginia und Maryland. Das Zentrum ist mit den Staaten der Großen Seen durch den Wasserweg verbunden. Das zweite Zentrum liegt im südlichen West-Virginia, das dritte gruppiert sich um Birmingham in Alabama; diese beiden Gebiete versorgen durch Verschiffung über das Meer die Häfen undd Industrieorte der atlantischen Küste. Die zweite Gruppe wird von den Kohlenfeldern des inneren Tieflandes und der Golfküste gebildet. Oestlich des Mississippi liefern die Felder von Indiana, Illinois, Kentucky ein Fünftel der Steinkohlenproduktion, aber von schlechterer Qualität. Westlich des Mississippi reichen die Lager von Iowa südwärts nach Oklahoma und Arkansas. Die dritte Gruppe von Kohlenfeldern liegt im Westen, teils in den großen Ebenen und der Felsengebirgs-Zone, vor allem in Nord-Dakota, Wyoming und Colorado, teils an der pazifischen Küste, besonders in Washington. Dem Produktionswert nach steht noch vor der Kohle das Petroleum. Die Erzeugung belief sich 1936 auf 1098 Millionen barreis im Werte von rund einer Milliarde Dollar; sie machte 61 v. H. der W e 11 p r o d uk t i o n aus. Allerdings ist die Erschöpfung der Felder bei der gewaltigen Ausbeutung eine Frage weniger Jahrzehnte. Das größte Produktionsgebiet reicht vom nordwestlichen Kansas durch Oklahoma nach dem Nordosten von Texas und dem Nordwesten von Louisiana. Im Felsengebirge besitzen Wyoming und auch Colorado und Montana noch bedeutende Vorkommen. An der pazifischen Küste erreicht Californien in seinem Südteil die zweithöchste Produktion aller Staaten, nämlich nach Texas und vor Oklahoma. Zur Weiterleitung des Petroleums in die Raffinerien, die Verbrauchs- und Handelsplätze besteht ein gewaltiges Netz von Röhrenleitungen (Pipe lines). Das appalachische Petroleum wird direkt nach der atlantischen Küste und den großen Seen geleitet. Von der westlichen Petroleum-Region führen Pipe lines über Tausende von Kilometern nach Chicago und St. Louis, weitere über Indianapolis, Cleveland und Pittsburgh nach New York, Philadelphia und Baltimore. Selbst von Wyoming führt eine Röhrenleitung nach Kansas City und von da nach dem Osten, also über zwei Drittel des gesamten Kontinents. Im Süden sind Galveston und Baton Rouge die Endziele der Röhrenleitungen, die insgesamt eine Länge von zirka 150 000 km erreichen. Die Verarbeitung des Petroleums erfolgt nur zum Teil in der Region der Oelfelder. Die Raffinerien liegen auch anderweit im Verlaufe der Oelleitungen und vor allem an den Meeresküsten. Die wichtigsten finden sich in New Jersey, New York, New Orleans und Los Angeles. Ein weiteres äußerst wertvolles Bodenprodukt der Erdölregionen ist das Naturgas, das als Heizgas und nach Verarbeitung (Karburierung) auch als Leuchtgas verwendet wird. Freilich ist auf keinem Gebiet, weder in der Petroleumgewinnung noch in der Waldwirtschaft, so stark Raubbau getrieben worden wie hier, wo riesige Mengen verloren gegangen sind. Immerhin beträgt die jährliche Produktion dieses wertvollen Gutes 400 Millionen Dollar. Von den Metallvorkommen ist an erster Stelle der Eisenre'ichtum des Landes zu nennen. Die Eisenerzlager sind auf wenige Gebiete beschränkt. Im Vordergrund stehen heute zwei Zentren, nämlich die Gegend der Großen Seen und die Südappalachen in Alabama. Dieses zweite Zentrum produziert etwa 8 v. H. und ist besonders dadurch begünstigt, daß es zugleich reichen Kohlenbergbau besitzt; diesem Zusammentreffen verdankt sein Hauptort Birmingham seinen Aufschwung. Im Gebiet der Großen Seen sind Minnesota, Wisconsin und Michigan an der Gesamtproduktion mit zirka 86 v. H. beteiligt, wobei fast zwei Drittel auf Minnesota, vor allem auf das Mesabigebirge, entfallen. Von dort wird das Eisenerz in die Kohlenzentren zur Verarbeitung verfrachtet. Von den Häfen des Lake Superior wird es auf Dampfern von zirka 12 000 Tonnen Größe über den Erie-See und nach dem pennsylvanischen Kohlenzentrum gebracht. Da die Schiffe auf der Rückfahrt billig Kohle laden, finden sich die Verarbeitungsplätze für Eisen- und Stahlindustrie nicht nur, wie üblich, am Fundort der Kohle, sondern auch in den Hafenorten Toledo, Lorain, Cleveland, Arktabulas, Conneaut, Erie, Buffalo, aber auch am Michigan-See, in Chicago und Gary, selbst in Duluth. Der Schiffsverkehr zwischen Lake Superior und Huron-See (Saulte Ste Marie) war 1936 mit 70 Millionen Tonnen größer als der von Suez- und Panama-Kanal zusammen, der Verkehr zwischen Huron- und Erie-See (Detroit River) erreichte sogar fast 100 Millionen Tonnen. Duluth gehört zu den größten Häfen der Welt mit einer um die Hälfte größeren Tonnage als Bremen! Von höchster industrieller Bedeutung, zumal für die Elektroindustrie, ist der Kupferbergbau, in dem die Vereinigten Staaten führend sind. Nachdem vor dem Krieg der Anteil der USA. an der Weltproduktion zwei Drittel betragen hatte, war er im Verlaufe eines sehr starken Preisverfalls seit 1929 auf ein Sechstel in 1934 abgesunken. 1936 hat er aber wieder ein Drittel erreicht. Die Haupterzeugungsstätten befinden sich in Arizona, Montana, Michigan und Utah. Die Schmelzen liegen meist bei den Bergwerken, die Raffinerien dagegen in der Nähe der Fabrikationsstätten an der atlantischen Küste. Auch die Edelmetalle, vor allem das Gold, haben in der Geschichte der Vereinigten Staaten zeitweise eine sehr große Rolle gespielt und zur Gründung von bedeutenden Städten geführt, wie vor allem San Francisco, Denver, Seattle, Anaconda. Die führenden Staaten der Goldgewinnung sind jetzt Californien und Süd-Dakota, dann Arizona, Colorado, Nevada, Utah, Montana. Der Anteil der USA. an der Weltproduktion beträgt etwa ein Achtel. Doppelt so groß ist der Anteil an der Silber erzeugung, die in Idaho, Montana, Utah, Arizona, Colorado, Nevada erfolgt. dLltk' am, zieh' ein - utM tfiU-auhin!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.